Weekend Wahl-Check: Bildung

Wie kann Bildung für die Jungend gesichert werden? Welche Antworten haben die Spitzenkandidaten zur Wien-Wahl. Weekend macht den Wahl-Check!

Schule
Am 11. Oktober geht's auch um die Bildung! Foto: Thomas Eisenhuth / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Wie kann Bildung für die Jugend gesichert werden?

Michael Häupl, SPÖ

Frühförderung. Die Gratis-Nachhilfe „Förderung 2.0“ mit Aufgabenbetreuung und Sprachförderung für Kinder mit anderer Muttersprache ist bereits an den neuen Mittelschulen und den AHS-Unterstufen gestartet, dafür werden rund 20 Millionen Euro pro Jahr investiert. Frühförderung und Spracherwerb beginnen im Kindergarten.

Weekend-Analyse: Wenig ambitioniert. Die Gratis-Nachhilfe ist kurzfristig ein Ansatz, ersetzt aber ein funktionierendes Schulsystem nicht. In Wien gibt es massiven Nachholbedarf bei Deutschkursen, hier ist die SPÖ in der Pflicht. Die Gesamtschule hat man offenbar bereits aufgegeben, oder?

Manfred Juraczka, ÖVP

2. Kindergartenjahr. Ressourcen-Autonomie, Lehrer-­Bestellung nach Qualifikation. Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache oder aus sozial schwachen Familien gezielt unterstützen. Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, Weiterentwicklung der NMS zur Wiener Mittelschule. Erhalt des Gymnasiums statt nivelliertem Einheitsbrei.

Weekend-Analye:  Es lebe das Gymnasium. Die ÖVP hält das Gymnasium für die beste aller Schulformen und ignoriert weiterhin zahlreiche internationale Studien, die die Vorzüge der Gesamtschule deutlich machen. Das zweite verpflichtende Kindergartenjahr nimmt Eltern die Eigenverantwortung.

Maria Vassilakou, Grüne

Kiga-Garantie. Eine Kindergartenplatz-Garantie ­unabhängig von der Berufstätigkeit der Eltern ab dem 2. Lebensjahr, damit alle Kinder bei der Einschulung gut Deutsch sprechen. 1.000 neue LehrerInnen für Wien, um Talente zu fördern, individuelle Probleme zu lösen und Schwächen zu beheben.

Weekend-Analye: Gute Ansätze. In Wien muss man ja schon vor der Geburt einen Kindergartenplatz suchen. Eine Garantie würde hier Abhilfe schaffen und Eltern den Druck nehmen. Neue Lehrkräfte zu fordern ist schön. Ohne Reformen wird das aber weder Schülern noch Eltern etwas bringen.

Heinz-Christian Strache, FPÖ

Deutsch verpflichtend. Deutsch vor Schule und die Einführung der gemeinsamen Sprache als Pausensprache, damit sich keine Parallelgesellschaften bereits am Schulhof etablieren und dadurch Ausgrenzungen passieren. Leistungsniveau heben, indem in den Schulklassen ein gleiches Sprach- und Verständnisniveau herrschen.

Weekend-Analyse: Immer dieselbe leier. Ausländer sind ja nicht nur am Wetter schuld, sondern auch am schlechten Bildungssystem. Anstatt die Chancen der Mehrsprachigkeit zu erkennen, will die FPÖ Pausengespräche in der Muttersprache unterbinden. Wie will man das wohl evekutieren? Mit Pausenaufsehern?

Beate Meinl-Reisinger, Neos

Chancenbonus. Bessere Chancen durch „Chancenbonus“: Kinder mit Startnachteilen wie niedrigere Bildungsabschlüsse der Eltern oder Migrationshintergrund sollen mehr Geld mit auf den Weg bekommen. Schule soll frei wählbar sein, dadurch bessere soziale Durchmischung. Aufnahmepflicht für die dem Wohnort nächste Schule

Weekend-Analyse: Kurze Flügel. Es klingt vieles nach Kür, wichtiger wäre die Pflicht. Die Basis des Schulsystems liegt im Argen, hier muss man grundlegend ansetzen. Soziale Durchmischung klingt super, ist in der Regel aber nicht machbar. Gutverdiener schicken ihre Kinder weiter in Privatschulen.

Rudolf Fussi, Kommunikations- und Politikberater, Geschäftsführer mindworker

Das Bildungssystem ist noch immer auf dem Niveau der 80er-Jahre. Viel hat sich nicht verändert. Während uns andere Länder um die Ohren fliegen und uns überholen, tobt in Österreich noch immer der ideologisch aufgeladene Streit zwischen SPÖ und ÖVP. Gesamtschule, Gymnasium, Autonomie, wer bestellt die Lehrer? Das sind die Fragen. Liebe Parteien: Die Note dafür möge Euch die Wählerschaft ausstellen, es ist nämlich ein „Nicht Genügend“. Hört auf, an Eure Versorgungsmöglichkeiten für Parteigänger zu denken und kümmert Euch gefälligst um die beste Bildung für unsere Kinder. Daher: ­Parteipolitik raus aus den Schulen, Autonomie verleiht Lehrerschaft und SchülerInnen Flügel. Welche Farbe die Flügel haben ist egal.

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