Wahlspaziergang mit Maria Vassilakou

Maria Vassilakou hat in Wien eine grüne Handschrift hinterlassen. Diese will sie nun fünf Jahre weiterführen. Welche Projekte ihr besonders wichtig sind und warum die Zusammenarbeit mit der SPÖ nicht immer einfach war, erklärt sie im Interview mit Weekend-Chefredakteurin Brigitte Biedermann.

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Brigitte Biedermann im Gespräch mit Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou.  Foto: Stefan Knittel

Weekend: Sie haben kürzlich gesagt, Wahlen sind wie eine Zeugnisverteilung. Welche Note würden Sie sich für die letzten fünf Jahre geben?

Maria Vassilakou: Das ist schwierig, weil das Wesen von Noten ist, dass sie von anderen vergeben werden. Ich würde mir ­einen 2er geben. Was den Einsatz und die Ergebnisse betrifft ist uns sehr viel gelungen.

Weekend: Wie viele von den grünen Projekten wurden wirklich umgesetzt?

Maria Vassilakou: Im Rahmen meiner Ressortverantwortung habe ich 100 Prozent umgesetzt. Auch in den anderen Bereichen konnten wir fast 90 Prozent unserer vorgenommenen Projekte umsetzen.

Weekend: Was war rück­blickend die schwierigste Zeit mit der SPÖ?

Maria Vassilakou: Die schwierigste Phase war zweifels­ohne die Planung und Umsetzung der Fußgängerzone Mariahilfer Straße. Aber ­gerade wenn die Fetzen ­fliegen, erkennt man, ob die Basis für eine ­Zusammen- ­arbeit intakt ist. Meine Bilanz trotz aller Kritik und Auseinandersetzungen: Wir finden mit der SPÖ in Sachen Menschenrechte, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie immer wieder einen gemeinsamen Nenner.

Weekend: Welche Ressorts würden Sie bei Rot-Grün 2 gerne übernehmen?

Maria Vassilakou: Ich strebe das Bildungsressort an, weil man hier von unserer Hartnäckigkeit profitieren wird. Wir leben anders als die Großparteien nicht den Proporz und sind viel freier, weil wir ­keinen gewerkschaftlichen Zwängen unterworfen sind. Es braucht eine Kraft, die den Stadtschulrat von der Parteibuchwirtschaft befreit und dafür sorgt, dass Schuldirektoren unabhängig bestellt werden können. Freiheit in der Wahl der Unterrichtsmethoden und -mittel ist uns ­besonders wichtig.

Weekend: Drei Dinge, die Sie unter Rot-Grün 2 umsetzen würden?

Maria Vassilakou: Ich würde die 365 Euro Jahreskarte auf das Umland ausweiten. So könnten 300.000 Pendler um einen Euro bis ins Zentrum fahren. Ich würde 1.000 zusätzliche Lehrer in die Klassenzimmer schicken, und ich würde jedes Jahr 1.000 ­zusätzliche Gemeindewohnungen errichten.

Weekend: Mehr Querungen auf der Mariahilfer Straße wurden versprochen, aber noch nicht umgesetzt. Kommen die noch?

Maria Vassilakou: Wir haben dafür gesorgt, dass es je eine Querung in jede Richtung gibt. Man kann vom 6. in den 7. Bezirk fahren und umgekehrt. Im unteren Abschnitt waren Querungen vorge­sehen, diese sind aber aufgrund der neuen Route des 13A nicht möglich.

Weekend: Angst ist der große Motor bei dieser Wahl und spielt HC Strache Stimmen zu. Wie wollen Sie den Wienern diese Angst nehmen?

Maria Vassilakou: Mit Mut und Zuversicht. Wien bekommt genug Angst und Mieselsucht serviert. Das haben die Wiener satt. Aber die Sehnsucht nach einer Kraft, die Hoffnung gibt, ist allgegenwärtig. Und darin sehe ich meine Rolle in diesem Wahlkampf. Strache arbeitet mit Angst und nochmals Angst. Die SPÖ arbeitet mit der Angst vor Strache. Ich habe eine simple Botschaft: Lasst uns darüber reden, was wir besser machen können und und lasst uns die Probleme angehen und lösen.

Weekend: Eva Glawischnig würde mit HC Strache kein Bier trinken. Und Sie?

Maria Vassilakou: Ich glaube keine von uns beiden hat ein besonderes Bedürfnis, welches Getränk auch immer mit Strache zu trinken.

Weekend: Korruptionsbekämpfung ist ein Haupt­thema der Grünen: Wie geht man als Koalitionspartner mit dem vielzitierten „Roten Filz“ um?

Maria Vassilakou: Indem man nicht aufgibt. Es gibt da viele Meinungsverschiedenheiten, die aber nicht öffentlich ausgetragen werden. Hier haben wir einiges erreicht, aber bei Weitem noch nicht die angestrebten 100 Prozent.

Weekend: Sie werden oft hart kritisiert. Wie gehen Sie ­damit um?

Maria Vassilakou: Mit dem Umbau der Mahü war ich praktisch täglich uneingeladen in jedem Wiener Wohnzimmer zu Gast. Es ist kein Spaß, so hart kritisiert zu werden, aber wer regiert und das Alltagsleben von Menschen beeinflusst, muss damit umgehen.

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