Stolzer Wiener: Michael Häupl im Interview

Der Bürgermeister grenzt sich klar gegen die Angst- und Panikmache der FPÖ ab. Warum sein Job der beste der Welt ist und was er in den nächsten fünf Jahren bewegen würde, erklärt er im Interview.

DSC_5397_a.jpg
Kampf um jede Stimme: Micheal Häupl will Bürgermeister bleiben!  Foto: © Stadt Wien/PID, Fotograf David Bohmann

Weekend: Heinz-Christian Strache sieht sich schon im Bürgermeistersessel. Wie wollen Sie die SPÖ-Wähler im Endspurt noch motivieren?

Michael Häupl: Indem wir weiter zeigen, wie wir wollen, dass unsere Stadt in 20 Jahren ausschaut: Lebenswert, mit gleichen Chancen für alle. Die FPÖ hat in der Bundesregierung und in Kärnten bewiesen, dass sie außer Sozialabbau und Skandalen nichts kann. Die Entscheidung liegt auf der Hand.

Weekend: Rot-Grün musste viel Kritik einstecken. Sind Ihnen die Grünen als Koalitionspartner dennoch lieber als ÖVP oder NEOS?

Michael Häupl: Das Thema ist ein No-Go vor der Wahl. Jetzt wird gewählt, dann wird entschieden. Weekend: Was waren rückblickend die schwierigsten Zeiten mit den Grünen? Michael Häupl: Eine Koalition ist eine Zusammenarbeit auf Zeit. Da gibt es bessere und schlechtere Momente. Der sinnlose Streit ums Wahlrecht war sicher einer der schlechtesten Momente. Dennoch: 4,5 Jahre haben wir gut zusammengearbeitet.

Weekend: Sie sind jetzt seit fast 21 Jahren Wiener Bürgermeister. Noch keine Spur von Amtsmüdigkeit?

Michael Häupl: Keineswegs. Bürgermeister von Wien zu sein, ist der tollste Job der Welt. Wenn man überall auf der Welt mit einem Lächeln begrüßt wird, weil man aus Wien kommt, weiß man, dass man einiges richtig gemacht hat. Das gibt Kraft und motiviert.

Weekend: Die NEOS fordern eine Regierungsbeschränkung von zehn Jahren, weil sonst „Freunderlwirtschaft und Filz“ zu wuchern beginnen würde. Was halten Sie davon?

Michael Häupl: Ich stelle die Gegenfrage: Soll jemand, der Wien an die Spitze geführt hat, in schwierigen Zeiten das Steuer halten oder einer, der zur Wahrsagerin geht. Es ist doch egal, wie lange man etwas macht, entscheidend ist, wie man es macht.

Weekend: Was sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Probleme in Wien, die man in den nächsten fünf Jahren angehen sollte?

Michael Häupl: Wien wächst jährlich um die Größe von Krems an der Donau. Das bedeutet viel strategische Planung und Arbeit. Wir modernisieren die Sptalslandschaft, die Öffis werden ausgebaut, die Schulen, kurz: die ganze Infrastruktur der Stadt.

Weekend: Gibt es leistbaren Wohnraum nur noch am Stadtrand – und die City bleibt für die Reichen?

Michael Häupl: Wir bauen neue Gemeindebauten, wie zum Beispiel im 6. Bezirk. Und 62 Prozent der Wienerinnen und Wiener leben im geförderten Wohnbau. Das ist Weltrekord und drückt die Preise. Ich bitte dazu auch um einen Blick über die Grenzen.

Weekend: Die Opposition kritisiert die hohen Kosten der Stadtverwaltung und will die Bezirksvertreter-Stv., oder den Stadtschulratspräsidenten einsparen. Was sagen Sie dazu?

Michael Häupl: Auch wir wollen den StadtschulratsVize einsparen. Dazu muss man aber die Bundesverfassung ändern. Aber irgendjemand muss das System operativ leiten. Das sind aber nur plakative Randthemen. Wien wird demnächst wieder mehr als zwei Millionen Einwohner haben und wir machen das unterm Strich mit derselben Mannschaft. Obwohl wir zum Beispiel in den Kindergärten massiv mehr Personal einsetzen. Das ist gelebtes Sparen.

Weekend: Die ÖVP plakatiert, dass nur mit ihr das Gymnasium gerettet werden kann. Muss man das Gymnasium retten?

Michael Häupl: Wir müssen unseren Kindern Schulen des 21. Jahrhunderts bieten. Und nicht die Schüler Gerber- Version. Wir bauen Schulcampi und legen größten Wert auf die Inhalte. Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung und nicht Kindergarderobe. Und meinetwegen können wir auch für jene, die wirklich glauben, dass es wertvoller ist, auch das Gymnasium bewahren. Ich würde in der Sekunde die Kriege beenden. Aber ich bin nur Wiener Bürgermeister. Eltern werden so oder so das bessere Modell wählen.

Weekend: Wie sieht die Flüchtlingssituation derzeit in Wien aus?

Michael Häupl: 11.500 Kriegsflüchtlinge gibt es zur Zeit, einen Teil davon schon seit Längerem. Denn von den Zigtausend, die wir in den Medien sahen, blieb ja nur ein Bruchteil in Österreich. Drei Viertel sind privat untergebracht. Nur so funktioniert das. Wir haben das im Griff.

Weekend: Wie viele Flüchtlinge kann Wien noch aufnehmen?

Michael Häupl: Während der Balkan-Kriege waren 80.000 hier. Das sieht man dann. Ich würde in der Sekunde die Kriege beenden, die diese Menschen zur Flucht zwingt. Aber ich bin nur Bürgermeister. Hier ist Europa gefordert. Und endlich bewegen sich die Dinge zumindest in die richtige Richtung. Wir haben unseren Job erledigt. So wie es Anstand und Menschlichkeit verlangen.

Weekend: Wäre diese Krise ohne die Hilfe von Privatpersonen zu bewältigen gewesen?

Michael Häupl: Nicht in der Form. Dafür danke ich auch allen aus ganzem Herzen, die Wien als Ort der Menschlichkeit präsentiert haben.

Mehr zum Thema: