NEOS-Politiker Matthias Strolz im großen Weekend-Talk

In Vertretung für die NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger spricht Matthias Strolz über rote Freunderlwirtschaft und grüne Managementfehler. Was die NEOS in Wien anders machen würden, erklärt er beim Stadtpark-Spaziergang.

Brigitte Biedermann Matthias Strolz - Cover
NEOS-Mastermind Matthias Strolz beim Spaziergang mit Weekend Magazin-Chefredakteurin Brigitte Biedermann im Stadtpark Foto: Stefan Knittel

Weekend: Die Wien-Wahlen sind eine große Chance für die NEOS. Was wollen Sie bis zum Oktober wahlkampftechnisch bewegen?

Matthias Strolz: Wir haben unsere Teams in allen 23 Bezirken aufgestellt, unser Wahlkampf läuft. Es ist eine große Chance, nicht nur für uns, sondern auch für die Stadt. Wir sind der Überzeugung, dass diese Stadt Veränderung braucht. – aber ohne Strache! Häupl hat sicher einiges richtig gemacht, aber die hohe Zeit ist längst vorüber. Diese Stadt droht in einem Filz aus Freunderlwirtschaft und struktureller Korruption zu ersticken. Gleichzeitig steigen die Arbeitslosigkeit und der Bildungsnotstand.

Weekend: Was ist Ihr Ziel? Rot-Grün brechen?

Matthias Strolz: Die Grünen haben enttäuscht. Sie haben es nicht geschafft, die rote Freunderlwirtschaft zu durchbrechen. Die SPÖ ist seit sieben Jahrzehnten an der Macht, da beginnt einfach der Filz zu wuchern. Deshalb fordern wir eine Amtszeitbeschränkung. Wir glauben, dass mehr als zehn Jahre Regierungsverantwortung nicht gut ist.

Weekend: Sie machen im Wahlkampf gegen g'stopfte Politiker mobil. Verdienen Politiker zu viel?

Matthias Stolz: Nein, wir wollen nicht die Gehälter der Politiker angreifen, sondern den Politapparat in Wien. Das ist der fetteste in ganz Europa. 120 Millionen Euro könnten wir hinausschneiden und in die Bildung investieren, das sind 1000 Euro für jedes schulpflichtige Kind. Wir wollen zB. bei der Parteienfinanzierung einsparen, den Stadtschulrat, die nicht Amtsführenden Stadträte und die Stv. Bezirksvorsteher abschaffen. Mit der Halbierung des Gemeinderates hätten wir genug Geld für die Bildung und keinem geht was ab.

Brigitte Biedermann Matthias Strolz
NEOS-Politiker Matthias Strolz im Weekend-Interview Foto: Stefan Knittel

Weekend: Konkretes Wien-Thema: Wollen Sie mehr Fußgänger-Zonen in Wien?

Matthias Strolz: Ob es weitere braucht, sollen die Bürger entscheiden. Solche Projekte brauchen die Akzeptanz der Anrainer. Ich finde die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße gut. Für Umsetzung und Bürgerbeteiligung gibt es aber ein Nicht Genügend.

Weekend: Gibt es in Wien Spitzenmedizin für jeden?

Matthias Strolz: Es gibt in Wien Spitzenmedizin. Aber es droht eine Zwei-Klassen-Medizin, manche können sich´s richten, manche nicht. Es gibt keine Planung aus einem Guss. Der niedergelassene Bereich gehört forciert. Mit einem Wimmerl braucht man nicht um vier Uhr früh in die Ambulanz fahren. Wenn es aber keine Alternativen gibt, wird man weiterhin in die Ambulanz fahren. Deshalb braucht es Gesundheitszentren.

Brigitte Biedermann Matthias Strolz
Matthias Strolz im Gespräch mit Weekend-Chefredakteurin Brigitte Biedermann Foto: Stefan Knittel

Weekend: Angst ist ein treibender Motor: Angst vor Arbeitsplatzverlust, vor dem Fremden. Wie kann man den Wienern diese Angst nehmen?

Matthias Strolz: Indem man Jobs schafft. Wien ist wirtschaftlich auf der Verliererstraße und dort auf der Überholspur. Österreich ist bei der Wachstumsdynamik ganz hinten in Europa. Das ist dramatisch und wird Einbußen im Wohlstand nach sich ziehen. Das Asylthema ist ein dringendes Problem, aber es ist mit Menschlichkeit und Managementqualität lösbar.

Weekend: Drei konkrete Dinge, die Beate Meinl-Reisinger umsetzen würde, wäre sie Bürgermeisterin?

Matthias Strolz: Erstens würde sie den Filz rausschneiden: Parteienförderung runter, sinnlose Polit-Bonzen-Posten streichen. Zweitens wird das frei werdende Geld in die Bildung investiert und drittens brauchen wir den wirtschaftlichen Aufschwung. Wien soll Teil eines Silicon Valley in Europa werden. Ich sehe Wien als weltoffenen Leuchtturm, mit einer aktiven Gründerszene, die junge Leute anzieht, die hier ihre Chancen sehen. Wien soll eine Pilgerstätte der Zuversicht werden. Alle Vorraussetzungen wären da.

Alle Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe.

Weekend Cover (KW 34)
Foto: KRSTEVSKI/ISTOCK/THINKSTOCK