Der Weekend Wahl-Check: Leistbares Wohnen

Am 11. Oktober wählt Wien. Doch können die Parteien halten, was sie auf Stimmenfang versprechen? Weekend schaut sich die Zuckerl genauer an. Diesmal: Wie kann leistbares Wohnen gesichert werden?

Sicherheitsmaßnahmen in der Wohnung für Kleinkinder
Wo leben unsere Kinder?  Foto: thinkstockphotos.com

Die Positionen der Spitzenkandidaten im Überblick:

Michael Häupl (SPÖ)

Seit 1994 an der Spitze der Stadt

Neubau. 62 Prozent der Wiener leben in Gemeinde- oder geförderten Wohnungen. Neue Gemeindebauten gegen Preissteigerungen am Privatsektor (2.000 in den nächsten fünf Jahren). Günstigste Mieten bei Neuverträgen, keine Eigenmittel, Kostensicherheit und höchster Mieterschutz. 10.000 neue Wohnungen heuer.

Weekend-Analyse: Die SPÖ hat beim Thema -sicher historische Vorteile, hat sie die Stadt doch lange über die Errichtung von Wohnraum geprägt. Allerdings: Sie trägt auch die politische Verantwortung für die aktuelle Lage. Die Rückbesinnung auf Gemeindewohnungen ist so eine Flucht in die Vergangenheit..

Manfred Juraczka (ÖVP)

Landesparteiobmann und Stadtrat seit 2011

Eigentum fördern. Gebot der Stunde: eine Gebührenbremse über das Wahljahr hinaus. Neubau von erschwinglichem Eigentum für Familien. Mindestens zehn Prozent der Wohnbauförderung für jene, die Eigentum schaffen wollen. Derzeit geht beinahe die komplette Wohnbau-förderung in die Errichtung von Mietwohnungen.

Weekend-Analyse: Immerhin bietet die ÖVP --Unterschiede zu anderen Parteien, die wieder auf Gemeindewohnungen setzen. Der Fokus auf Eigentum verwundert -angesichts der Zielgruppen der ÖVP wenig, sie muss andere Menschen bedienen als etwa die SPÖ. Auch der Hinweis auf Familien darf nicht fehlen..

Maria Vassilakou (Grüne)

Vizebürgermeisterin und Stadträtin

Junges Wohnen. Stopp den Spekulanten, die die -Preise seit 10 Jahren künstlich nach oben treiben. -Jährlich 10.000 neue, preisstabile Wohnungen. Die 365-Euro-Wohnung für Junge: 40 m2 um 365 Euro all-inclusive. Ein neues Mietrecht, das durch faire und transparente Verträge Mieten wieder leistbar macht. 

Weekend-Analyse: Die Grünen trommeln konstant bekannte Botschaften: Schuld sind Spekulanten und Intransparenz. Marketingtechnisch setzen sie geschickt auf konkrete (und vom Öffi-Ticket bekannte) Zahlen: 365 Euro für 40 m2. Leider versteht sich das diesmal wohl pro Monat und nicht pro Jahr.

Heinz-Christian Strache (FPÖ)

Bundesparteiobmann und Spitzenkandidat

Gebürhren senken. Die Stadt Wien ist Mietpreistreiber Nummer eins, weil in den vergangenen 10 Jahren zu wenig Sozial- und vor allem keine Gemeindewohnungen errichtet wurden. Sofortiger Stopp der steigenden Gebühren für Wasser, Kanal etc. sowie eine deutliche Senkung. Neue Gemeindewohnungen, mindestens 5.000 pro Jahr. 

Weekend-Analye: Der Angriff auf die Stadt ist so erwartbar wie die Forderung nach Gemeindewohnungen. Einzige Überraschung: Dass der Verweis auf den aktuellen Zuzug fehlt. In seinem Video „Erklärung zum Asylnotstand“ hat Strache gerade den Wohnungsmarkt negativ ins Spiel gebracht.

Beate Meinl-Reisinger (NEOS)

Spitzenkandidatin und Abgeordnete zum Nationalrat

Gemeinsam. Erhöhung des Angebots (neue Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen, frei finanzierter Wohnbau zur Vermietung oder Eigentum). Anreize für frei finanzierte Miet- und Eigentumswohnungen. Kein spekulativer Verkauf von Grundstücken der Stadt, sondern verpflichtender Bau von leistbarem Wohnraum..

Weekend-Analyse: Anders als in anderen Politikbereichen unterscheiden sich die Neos hier kaum von anderen -Parteien. Nachdem man beim Wohnungsthema in den -vergangenen Jahren Feuer auf sich gezogen hat, wollen nun selbst die Liberalen wieder Gemeindewohnungen.

Das sagt der Experte

Dr. Thomas Hofer (Politikberater und Geschäftsführer H & P Public Affairs):

Wäre das Asylchaos nicht, das Thema Wohnen würde es mit dem Arbeitsmarkt ganz oben auf die politische Agenda schaffen. Auffällig ist, dass es kaum Unterschiede in der Rezept-verschreibung gibt. Gut, ein paar setzen stärker auf die Schaffung von Eigentum, ansonsten dominieren die Schlagworte „leistbar“, „Gebührenstopp“, „neue (Gemeinde)bauten“ und „wider die Spekulanten“. Welche Partei genau wie viele tolle und natürlich total billige Wohnungen nun pro Jahr errichten will, ist für die breite Wählerschaft ein unübersichtlicher Lizitationswettbewerb. Entscheidend wird sein, wer seine Botschaft noch am glaubwürdigsten über die Rampe bekommt.

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