Philipp Hochmair im großen Weekend-Interview

Der umtriebige Entertainer über seine neue Kinorolle, künstlerische Abenteuer und den Wunsch, in eine ganz andere Lebensrealität einzutauchen.

Philipp Hochmair
Philipp Hochmair bei den GQ Men of the Year Awards 2019 in Berlin Foto: Annette Riedl/dpa/picturedesk.com

Weekend: Siegertyp oder Antiheld: Welche Rolle weckt in Ihnen mehr Leidenschaft?

Philipp Hochmair: In mir? Der Antiheld! Da ist mehr Identifikation da, mit ihm geht man interessantere Wege. Wir sehen lieber Leute scheitern und kämpfen als strahlend siegen, auf der Bühne wie auch im Film.

Weekend: Ausdruckswelten, zwischen denen Sie beständig hin- und herwechseln?

Philipp Hochmair: Die Kombination reizt mich. Ein Cross­over aus Film und Theater! Der Dreh zum aktuell anlau­fen­den Film "Glück gehabt" war stimulierender Hintergrund für eine Dokumentation. Berufliches mischt sich plötzlich mit Privatem. Dabei gehen Zwischenräume auf, die Film, Theater und das Leben verbinden. Einfach faszinierend. Und eine Spätlese aus dem, was mich gerade beschäftigt.

Weekend: In der Rolle des Artur werden Sie aus dem plätschernden Alltagstrott gerissen. Haben Sie das Gewohnheitstier in sich erst entdecken müssen?

Philipp Hochmair: Artur ist meinem Charakter sehr ähnlich. Nur mein Lebenshunger und Arbeitspensum räumen mir nicht so ein Leben ein. Darum funktioniert der Film auch so besonders gut, glaube ich. Weil er doch eine Seite von mir zeigt, die ich mir zu wenig gönne.

Weekend: Wie schaffen Sie noch Müßiggang?

Philipp Hochmair: Man muss sich kleine Zeitfenster einbauen, in denen man einfach träumen, Neues ausprobieren kann und Flaneur sein darf, so wie Artur.

Weekend: Was würden Sie alternativ zum Schauspielberuf anpacken?

Philipp Hochmair: Ich glaube, ich bin ein begnadeter Tierpfleger. Ich würde gern eine große Klinik für Vierbeiner aufmachen, aber da muss ich noch warten.

Weekend: Zurück in Ihre Realität und zum aktuellen Film, der sich nur schwer einordnen lässt …

Philipp Hochmair: Er ist „unzuordenbar“, eine Kombination mehrerer Genres. Liebesfilm stimmt, natürlich auch die schwarze Komödie. Zugleich können wir auch von einem modernen Wiener Heimatfilm sprechen. Er ist pures Entertainment. Auch weil er sich jeder Kategorie entzieht. Das ist Kunst …

Weekend: … die sicher auch verstören wird …

Philipp Hochmair: Das ist gut. Kunst soll aufrütteln, uns aus dem Alltag reißen. Und Artur: Von ihm lässt sich sehr viel lernen.

Weekend: Beispielsweise?

Philipp Hochmair: Er zeigt Bereitschaft, ins Abenteuer zu gehen und sich zu verändern. Er ist flexibel, obwohl er eigentlich ein sehr klar definiertes Leben hat. Er trägt das Glück in sich. Ein sehr ruhiger Film mit buddhistischem Anspruch – trotz blutigen Grauslichkeiten (lacht).

Weekend: Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt gedacht: Glück gehabt?

Philipp Hochmair: Am Domplatz in Salzburg, 2018. Da war Spannung und Adrenalin pur. Und dann kam es, dieses starke Gefühl der Erleichterung, das von den Haarwurzeln bis zu den Zehennägeln spürbar war. Es hat sich selten so tief und gut angefühlt.

Zur Person

Philipp Hochmair (46): Bühnenschauspieler, Kino(anti)held, Serien- und Jedermann-Rockstar. 2019 sicherte er sich die Romy.

Neuer Film: "Glück gehabt"

Handlung: Was als Dreiecksgeschichte beginnt, entwickelt sich für den talentierten, aber ohne Tatendrang durchs Leben schlurfenden Artur (Philipp Hochmair) zu einem vorweihnachtlichen Horrortrip – mit blutigem Ausgang. Ins Rollen kommen die Dinge, als die geheimnisvolle Alice (Julia Roy) in sein Leben tritt, in dem zumindest er es sich mit seiner karrierebedachten Frau Rita (Larissa Fuchs) ganz ruhig eingerichtet hat.

Hintergrund: Der Film basiert auf dem Roman „Das Polykrates-Syndrom“ von Antonio Fian. Für Buch und Regie verantwortlich: Peter Payer. Kinostart ist am 20. Dezember.