Oscar-Gala 2018: Das große Zittern beginnt!

Bei der 90. Verleihung der Academy Awards am 4. März in Los Angeles stehen nicht nur die Stars und ihre Roben im Mittelpunkt. Nominierungen von bislang unbekannten Filmen und Schauspielern bringen frischen Wind in die Oscars.

Oscar Gala
Große Spannung unter den Stars: Wer angelt sich einen Oscar? Foto: Christopher Polk/AFP Getty/picturedesk.com

Glanz und Glamour kommen bei der diesjährigen Oscar-Verleihung garantiert nicht zu kurz. Hollywood-Größen wie Meryl Streep, Gary Oldman, Daniel Day-Lewis, Willem Dafoe, Sam Rockwell und Denzel Washington werden am roten Teppich erwartet. Kleiner Wermutstropfen: Großartige Schauspieler und Regisseure wie Tom Hanks, Diane Kruger und Steven Spielberg wurden dieses Jahr bei den Nominierungen leider ausge­lassen.

Oscar-Anwärter

Die diesjährigen Anwärter auf den Oscar in der Kategorie "Bester Film" haben eines gemeinsam: "The Shape of Water", "Three Billboards" und "Ladybird" stammen aus den Spezial-Abteilungen der großen ­Studios oder kleinen un­bekannten Studios. Aber bei den Oscars geht es bekanntlich nicht um Kunst, sondern um das liebe Geld! Eine Nominierung in der Kategorie "Bester Film" soll an den Kinokassen bis zu 25 Millionen Euro wert sein. Monate nachdem "Get Out" und "Dunkirk" aus den ­Kinos verschwunden waren, kamen sie wieder auf die Leinwand: Sie waren am 23. Jänner auf der Liste der ­nominierten Filme aufgetaucht. "Get Out" spülte ­bisher 254 Millionen Dollar weltweit in die Kinokassen, "Dunkirk" sogar rund 525 Millionen Dollar. Die weltweiten Einnahmen an der Kinokassa von "The Shape of Water" sehen mit 65 ­Millionen Dollar zunächst ­etwas mickrig aus, aber der Film von Guillermo del Toro ist einer der Favoriten im Kampf um den besten Film. Mit 13 Nominierungen schrammt er knapp am Rekord vorbei: "La La Land" war 2017 für 14 Oscars ­nominiert.

Politische Entscheidungen

"Dieses Jahr war ein beachtenswertes Jahr für die Film-Industrie“, kommentierte John Bailey, Präsident der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" (AMPAS), die Bekanntgabe der Nominierungen. Besser kann man die aktuelle Lage in Hollywood nicht zusammenfassen. Welche Botschaft wollen die 8.400 Mitglieder der AMPAS senden? Natürlich ist es nicht für alle teilnehmenden Filme angemessen, nach politischen Gesichtspunkten bewertet zu werden – aber 2018 muss Hollywood unweigerlich ein Zeichen setzen.

Die diesjährigen Oscars finden in einer Zeit statt, in der die Tumulte in der Film-Industrie noch nicht vollständig verarbeitet sind. Und so spielen Filme mit passenden Themen in die Hände der Jury. Wie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri", in dem der Kampf einer Mutter gegen die männliche Autorität in einer Kleinstadt gezeigt wird. Eindrucksvoll dargestellt von Frances McDormand.

Oder "The Post", in dem die Verlegerin der Washington Post für die Pressefreiheit kämpft. Meryl Streep ist in dieser starken Rolle für ihren mittlerweile 21. Oscar nominiert.

Und dann bleibt noch "Lady Bird", der die Beziehung zwischen Mutter und Teenager-Tochter thematisiert. Kritiker meinen, dass ein Film wie "Lady Bird" sonst nicht im Rennen für einen prestigeträchtigen Preis wie den Oscar wäre. "Die derzeitige Stimmung in Hollywood hebt Lady Bird höher als es normalerweise der Fall wäre", meint Sasha Stone, Film-Expertin und Inhaberin der Plattform Awards Daily.

Experten-Analyse

Doch man darf dabei den Zweck der Oscars nicht vergessen: Unterhaltung! Besonders spannend dürfte dieses Jahr das vermeintliche Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Charakterdarstellerinnen Meryl Streep und Frances McDormand sein. Wolfgang Steiger, Film-Kritiker, sieht eine klare Favoritin: "Auch wenn viele Saoirse Ronan als Geheimtipp für die beste Hauptdarstellerin sehen, scheint Frances McDormand fast schon garantiert." Aber auch Daniel Day-Lewis darf um einen Oscar zittern – könnte dieses Jahr doch seine letzte Chance auf sein viertes goldenes Männchen sein. Der 60-Jährige geht ­offiziell in den Ruhestand. In der Kategorie der männlichen Hauptdarsteller sieht Film-Experte Steiger allerdings schwarz für Day-Lewis: "Gary Oldman wird sein längst überfälliger Sieg beschert, auch wenn seine diesjährige Performance nicht zu seinen Größten gehört."

Umschwung im Gange

Die erste Frau in der Kategorie "Beste Kameraführung" in der Geschichte der Oscars ist Rachel Morrison (39). Sie ist für Dee Rees Film "Mudbound" nominiert. Was "Mudbound" so besonders macht: Nachdem er im Jänner 2017 seine Weltpremiere feierte, wurde er im September von Netflix gekauft. Er wäre somit der erste "Net-flix-Film" in der Geschichte der Oscar-Verleihung. Mit Greta Gerwig (34) wurde dieses Jahr erst die fünfte Frau im Bereich Regie für ihren Debüt-Film "Lady Bird" nominiert. Gerwig ist sich ­sicher, dass in den kommenden Jahren mehr Frauen folgen werden: "Wenn Studios nach Regisseuren suchen, stellen sie sich jetzt öfter die Frage 'Gibt es eine Frau, die für diesen Job qualifiziert wäre?' Das finde ich gerade bei Filmen mit weiblichen Hauptcharakteren wichtig!"

Karriere-Aus?

Doch dieser Umschwung lässt natürlich auch Verlierer zurück. Kevin Spacey zum Beispiel. Der 58-Jährige ­wurde nach Missbrauchs­vorwürfen kurzerhand von ­Regisseur Ridley Scott durch Christopher Plummer ersetzt. Der mit seinen 88 Jahren jetzt übrigens der älteste Oscar-Anwärter in der Geschichte der Verleihung ist. Auch James Franco geht leer aus: Für ihn gibt es keine Nominierung, obwohl er mit seiner Hauptrolle in "The Disaster Artist" brilliert hat. Franco kamen Vorwürfe von Studentinnen seiner Schauspiel-Schule in die Quere. Doch weder Kevin Spacey noch James Franco müssen sich große Sorgen um ihre Karriere machen – die Öffentlichkeit vergisst schnell.