Österreichs Sternstunden im Europacup

Einen Europa-Cup-Titel zu gewinnen, das gelang bislang noch keinem Team aus Österreich. Dennoch gab es einige Sternstunden österreichischer Clubs auf internationaler Ebene.

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Rapid Wien zwei Mal im Finale

Satte 23 Jahre ist es her, dass zum letzten Mal ein Team aus der Alpenrepublik in einem Europacup-Finale stand. Am 8. Mai 1996 fieberten 38.402 Zuschauer im Brüsseler König-Baudoin-Stadion dem Anpfiff des Endspiels im Cup der Pokalsieger entgegen.

Gegenüber standen sich Paris Saint-Germain und der SK Rapid Wien. Für Rapid damals unter anderem auf dem Feld: der heutige Trainer Dietmar Kühbauer, der wegen seinem wüsten Aussehen als "bulgarischer Wolf" tituliert wurde, der (inzwischen verstorbene) Trifon Iwanow oder der nicht minder kantige deutsche Stürmer Carsten Jancker, der wenig später in seiner Heimat zum Rekordmeister FC Bayern München zurückkehren sollte.

Ob es am grimmigen Aussehen einiger Rapid-Profis lag oder nicht: Favorit Paris, damals noch ohne finanzkräftige Unterstützung aus Katar, tat sich gegen die Grün-Weißen im Endspiel schwer. Mit dem ersten österreichischen Triumph im Europacup wurde es aber dennoch nichts: Kühbauer & Co unterlagen den Franzosen durch ein Tor von Bruno N'Gotty aus der 28. Minute mit 0:1.

Tränen nach einem verlorenen Endspiel hatte es bei Rapid auch schon elf Jahre zuvor gegeben. Wieder waren die Grün-Weißen im - mittlerweile abgeschafften - Europacup der Pokalsieger ins Endspiel vorgedrungen. Das damals vom späteren österreichischen, kroatischen und albanischen Nationaltrainer gecoachte Team hatte schon in der ersten Runde Besiktas Istanbul aus dem Wettbewerb geworfen. Danach wurde Celtic Glasgow das nächste prominente Opfer der Wiener.

Das Wunder von Hütteldorf

Im Viertelfinale war Rapid aber bereits so gut wie raus aus dem Wettbewerb. Die Wiener reisten hinter den damals noch geschlossenen "eisernen Vorhang" zum DDR-Pokalsieger Dynamo Dresden. Von den Sachsen wurde die Baric-Elf mit einer 0:3-Packung im Gepäck nach Hause geschickt.

Doch im Rückspiel gab es eine der größten Sternstunden des Fußballs in der Alpenrepublik: Peter Pacult mit einem Doppelpack, Hans Krankl, Leopold Lainer, Antonin Panenka (ja, nach ihm sind die gleichnamigen Elfmeter benannt) sorgten für ein 5:0 der Gastgeber.

Die Partie ging als das "Wunder von Hütteldorf" in die Geschichte ein. Im Halbfinale ging es für Rapid erneut gegen ein Team aus dem Ostblock – und erneut waren die Grün-Weißen erfolgreich: Nach einem 3:1-Sieg im Hinspiel reichte ein 1:1 bei Dynamo Moskau zum Endspieleinzug.

Im Finale wartete am 15. Mai 1985 im Rotterdamer Stadion "De Cuip" der englische Pokalsieger FC Everton auf die Grün-Weißen. Nach torloser erster Halbzeit gingen die Briten mit 2:0 in Führung. Krankl verkürzte zwar in der 84. Minute für Rapid auf 1:2. Die Hoffnung des SK, noch in die Verlängerung zu kommen, währte aber nur Sekunden. Denn bereits Augenblicke später gelang Kevin Sheedy das entscheidende 3:1 für Everton.

Austria Wien erster österreichischer Endspielteilnehmer

Sieben Jahre zuvor hatte Rapids Lokalrivale Austria Wien als erstes österreichisches Team überhaupt ein Europapokal-Endspiel erreicht. Im Wettbewerb der Pokalsieger trafen die Violett-Weißen im Finale in Paris auf den RSC Anderlecht. Dabei hatte die Europacup-Saison des Teams um Herbert "Schneckerl" Prohaska noch recht mühsam begonnen. Gegen den walisischen Pokalsieger Cardiff City gab es nach einer "Nullnummer" in Wales ein mühsames 1:0 im Rückspiel. Im Rückspiel kam die Austria gegen Lokomotiva Kosice sogar nur wegen der Auswärtstorregel (0:0 und 1:1) weiter.

Danach zeigten sich die Violett-Weißen vor allem nervenstark: Hajduk Split und Dynamo Moskau wurden jeweils im Elfmeterschießen aus dem Rennen geworfen. Im Endspiel gegen Anderlecht standen die Wiener aber von Beginn an auf verlorenem Posten. Vor 48.679 Zuschauern lag das Team bereits zur Pause mit 0:3 zurück. Am Ende siegten die Belgier mit 4:0.

Salzburger Siegeszug endet erst im Finale

Die andere Austria – die aus Salzburg – sorgte in der Saison 1993/94 im Uefa-Cup für mächtig Wirbel: Nach vier lockeren Siegen in den beiden ersten Runden schien in der dritten Runde der portugiesische Top-Club Sporting Lissabon zunächst eine Nummer zu groß: Eine 0:2-Niederlage bei Sporting ließ die Chancen auf das Erreichen des Viertelfinales auf ein Minimum schrumpfen. Doch im Rückspiel ging beim damals vom schon erwähnten Otto Baric trainierten Team – einfach alles. 3:0 gewann die Austria nach Verlängerung – und das Lehener-Stadion stand Kopf. Der heutige Trainer von Eintracht Frankfurt, Adi Hütter, rettete Salzburg mit seinem Treffer zum 2:0 in allerletzter Sekunde in die Verlängerung.

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Danach schaltete Salzburg mal so eben zwei Vertreter aus der deutschen Bundesliga aus. Zunächst den heutigen Club von Hütter aus Frankfurt im Elfmeterschießen, dann den Karlsruher SC aufgrund eines mehr erzielten Auswärts-Tores (0:0 und 1:1).

Im Finale wartete anschließend mit Inter Mailand aber ein schier übermächtiger Gegner auf die Austria. Namen wie Walter Zenga, Giuseppe Bergamo oder Dennis Bergkamp, die damals in der Startelf der Italiener standen, lassen Fußball-Fans auch heute noch mit der Zunge schnalzen. Der Favorit setzte sich dann – wenn auch knapp – durch. Zunächst gewann Inter das Final-Hinspiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion durch einen Treffer von Nicola Berti mit 1:0. Mit demselben Ergebnis setzten sich die "Nerazurri" auch im Rückspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion durch. Wim Jonk überwand Austria-Keeper Otto Konrad zum Tor des Tages.

Vier Halbfinal-Teilnahmen

Neben den Finaleinzügen schafften es Mannschaften aus Österreich noch vier Mal ins Halbfinale von europäischen Wettbewerben. RB Salzburg scheiterte dort vor etwas mehr als einem Jahr in der Europa-League unglücklich an Olympique Marseille. Nach einer 0:2-Niederlage bei den Franzosen im Hinspiel führten die "Roten Bullen" im Rückspiel mit 2:0, mussten dann aber in der Verlängerung den entscheidenden Gegentreffer zum 1:2 aus Sicht der Franzosen hinnehmen.

Etwas mehr als 20 Jahre zuvor war der FC Tirol im Halbfinale des Uefa-Cups an IFK Göteborg gescheitert (1:4 und 0:1). 1979 verlor Austria Salzburg in der Vorschlussrunde des Europacups der Landesmeister gegen Malmö FF (0:0 und 0:1).

Kurios war das Aus von Rapid Wien im Semifinale des Landesmeister-Wettbewerbs 1960/61. Nach einem 0:3 im Hinspiel wurde das Rückspiel gegen den späteren Sieger Benfica Lissabon beim Stand von 1:1 abgebrochen. Zunächst war es kurz vor Schluss zu einer Schlägerei unter Spielern gekommen. Danach hatten Rapid-Fans das Feld gestürmt. Die Partie wurde nachträglich mit 3:0 für die Portugiesen gewertet.

Mäßige Erfolge in der Champions-League

Zwei Jahre vor dem Salzburger Finaleinzug hatte sich die Uefa zu einer tiefgreifenden Veränderung im europäischen Fußball entschlossen: der Gründung der Champions-League. Fortan sollte nichts mehr so sein, wie es war. Durch garantierte Einnahmen in der Gruppenphase – und immer höhere TV-Gelder für die Spitzenclubs, vor allem aus den Top-Ligen, ging die Schere zwischen Klubs aus größeren Fußball-Nationen wie England, Spanien, Italien oder Deutschland und den Vereinen aus anderen Verbänden immer weiter auseinander.

Zu den "Geldtöpfen" der Champions-League zu gelangen wird für Klubs aus kleinen Ländern wie Österreich und der Schweiz auch dadurch immer schwieriger, dass diese regelmäßig die Qualifikation überstehen müssen. Vor allem RB Salzburg kann hiervon ein Lied singen.

In den 27 Jahren seit Bestehen des Wettbewerbs waren nur in zehn Spielzeiten österreichische Teams mit von der Partie: "Rekord-Teilnehmer" sind Austria Wien und Sturm Graz (je drei Teilnahmen), gefolgt von Rapid Wien (zwei) Austria Salzburg (eine) – und seit diesem Sommer RB Salzburg (eine). Damit kommen Teams aus der Alpenrepublik immerhin auf mehr Teilnahmen an der "Königsklasse" als beispielsweise Clubs aus Polen, Ungarn oder Schweden.

Trotzdem sind die kleineren Klubs oft gegen die Top-Vereine chancenlos. Von den österreichischen Vertreten gelang es beispielsweise nur Rapid in der Spielzeit 2000/2001 die Gruppenphase des Wettbewerbs zu überstehen - und das sogar als Gruppensieger und trotz starker Gegner. Sturm setzte sich damals gegen Galatasaray Istanbul, den Glasgow Rangers und AS Monaco durch. Der ersten folgte damals – im Gegensatz zu heute – noch eine zweite Gruppenphase. Dort erwiesen sich Manchester United und der spätere Finalist FC Valencia als zu stark für die Grazer. Immerhin wurde Sturm aber nicht Letzter: Durch zwei Siege gegen Panathinaikos Athen wurde das Team Gruppendritter.

Wie schwer es die "Kleinen" in der Champions League haben, beweist auch der Blick in die Sieger-Statistik. Seit deren Einführung gewannen nahezu immer Klubs aus den vier europäischen Top-Ligen (Deutschland, Italien, Spanien, England). Die ganz wenigen Ausnahmen: In der Premieren-Saison 1992/93 schnappte sich Olympique Marseille den Titel. Zwei Jahre danach triumphierte Ajax Amsterdam und 2004 der FC Porto.