Maria Köstlinger im Interview: "Sie ist ohne jegliche Anstrengung korrupt"

Am 8. Jänner startet die 3. Staffel der "Vorstadtweiber" auf ORF eins. Wir haben die 45-Jährige Hauptdarstellerin vorab zum Talk getroffen und herausgefunden, warum sie an "etwas anderes" glaubt und ihr die starke Präsenz von Social Media Angst macht.

Maria Köstlinger
Foto: ORF/Thomas Ramstorfer

Kann die 3. Staffel der Vorstadtweiber an die bisherigen Erfolge anknüpfen oder ist nicht schön langsam die Puste raus?

Ich habe mir erst vor Kurzem die Quoten angesehen und gemerkt, dass es bei den Wiederholungen, die es momentan im ORF spielt, immer wieder so um die 450.000 Zuseher gibt. Ich werde von vielen Menschen gefragt: Wann geht es weiter? Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass zumindest am Anfang wieder sehr viele mit dabei sind. Wie es sich halten wird, hängt aber davon ab, wie spannend wir es erzählt haben.

Gibt es viele Überraschungen?

Oh ja, viel dürfen wir ja nicht verraten. Aber es ist auf jeden Fall sehr viel Überraschendes, Lustiges, auch etwas Nachdenkliches und Trauriges dabei, und ich bin mir sicher, dass die Leute nicht enttäuscht werden. Obwohl ich dazu sagen muss: Wir alle haben die dritte Staffel noch nicht gesehen. Auch für uns ist es immer so, dass wir erst im Fernsehen sehen – außer einen kurzen Trailer – was wir da verbrochen haben.

In welchen Belangen sind Sie Ihrer Serienfigur Waltraud ähnlich, in welchen nicht?

Jeder schöpft natürlich in manchen Bereichen aus sich heraus, das ist ja nicht anders möglich. Trotzdem ist die Figur 100 Prozent anders als ich. Ich bin tatsächlich nicht annähernd so direkt oder so frei in manchen Bereichen wie Waltraud, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt und immer sagt, was sie denkt. Das kann ich gar nicht. Sie ist ein wahnsinnig machtgieriger Mensch, der ohne jegliche Anstrengung korrupt ist und zu Geld kommen möchte. Sie ist auch eine, die sehr viel von ihren Emotionen verdrängt und nicht herzeigt. Das ist alles Waltraud Steinberg und hat nichts mit mir zutun.

Die Vorstadtweiber
Vorstadtweiber-Alarm: Hilde Dalik, Martina Ebm, Gerti Drassl, Nina Proll und Maria Köstlinger. Foto: ORF/Thomas Ramstorfer

Würden Sie sich von ihr gerne etwas abschauen?

Ich wäre gerne so direkt wie sie und gerne so mutig. Manchmal kann ich Waltraud nur wünschen, dass sie mehr Herz und Gefühl zulassen würde. Da kann sie sich von mir etwas abschauen.

Bald ist Weihnachten. Hängen Sie an Bräuchen wie Lieder singen?

Ja, ich hänge an Bräuchen. Bei mir mischt sich das ein bisschen, da ich ja aus Schweden komme. Bei mir gibt es zum Beispiel zu Weihnachten schwedisches Essen. Ich war auch schon als Kind gewöhnt, den Christbaum am 23. zu schmücken, mit der Familie zusammen bzw. mit meinem Vater. Das machen wir auch heute so. Weihnachtslieder gehören auf jeden Fall dazu, sowohl österreichische als auch schwedische.

Schenken Sie Ihrem Lebensgefährten etwas?

Ja, doch! Wir haben es mal so und mal so gehalten. Es gab sehr wohl, das man sich ausmacht, es wird nur eine Kleinigkeit und man spendet lieber etwas. Es gab aber auch Zeiten, wo man sagt: Diesmal geht es finanziell ganz gut, da darf es auch etwas Größeres werden. Da wir ja eine gemeinsame Zukunft planen, müssen wir eh schauen, dass wir sparen.

Vorstadtweiber Staffel 3
Auch in der 3. Staffel ist zwischen den Vorstadtweibern nicht immer alles paletti. Foto: ORF/MR Film/Petro Domenigg

Hand aufs Herz: Wenn der Freund auch Schauspieler ist, gibt es da einen Konkurrenzkampf?

Ich glaube, es ist nicht ganz uninteressant zu sehen, dass ich zuvor 17 Jahre mit einem Mann verheiratet war, der um einiges älter war als ich und so ein Mega-Star wie Karlheinz Hackl. Natürlich war da eine große Bewunderung und aufgrund des Altersunterschieds war er auf künstlerischer Art und Weise schon so weit im Gegensatz zu mir. Das hat sich in der neuen Beziehung verändert, weil wir viel näher beieinander sind. Aber ich glaube, sowohl Juergen als auch ich gönnen uns den gegenseitigen Erfolg. Sicher gibt es auch Momente, wo man sagt: Ich würde gerne so wie du mehr Filme spielen, oder lieber mehr Theater. Aber das ist kein Neid oder Missgunst, sondern etwas, das dazugehört, weil man einen gewissen Ehrgeiz hat.

Sie haben selbst schon harte Schicksalsschläge hinter sich. Was raten Sie Menschen, die in der besinnlichsten Zeit des Jahres mit Verlusten und Enttäuschungen zu kämpfen haben?

Ich persönlich habe immer nur aus der Familie geschöpft, aus der Kraft der Menschen, die mir am allerwichtigsten sind. Die, die es ehrlich mit einem meinen. Ganz egal, ob das ein Geschwisterchen ist oder Freunde oder das eigene Kind – der Zusammenhalt hat mir weitergeholfen. Niemals aufzugeben und zu versuchen, immer wieder einen gewissen Humor zu finden in den allerschwierigsten Situationen. Wenn es möglich ist, über manche Dinge – so blöd es klingt – auch einmal zu lachen.

Maria Köstlinger, Tamara Hörmann
Weekend Magazin Redakteurin Tamara Hörmann traf die Schauspielerin zum Interview in Wien. Foto: Tamara Hörmann

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Das ist eine schwierige Frage. Ich bin weder wahnsinnig gläubig noch ungläubig. Es wäre verlogen, nicht zu sagen, dass es hin und wieder Momente gibt, in denen man hofft, dass es etwas anderes gibt, das uns Halt gibt oder in denen man auch betet. Dass es etwas gibt, das einen lenkt und einem hilft und stärkt. Dass es eine Gemeinschaft gibt, die zusammentrifft, um etwas gemeinsam zu feiern – wie auch immer das ausschaut. Das kann jeder für sich ausmachen. Aber das ist etwas, das mir Kraft gibt.

Warum sind Sie auf Social Media nicht aktiv? Verpassen Sie da nicht die Möglichkeit, Promos für Ihre Filme & Co. zu machen?

Weil ich mich verweigere. Ich finde das höchst kompliziert und schwierig und stehe dieser ganzen Situation sehr kritisch gegenüber. Mir ist vollkommen bewusst, dass das heutzutage dazugehört. Dass das auch viele Vorteile mit sich bringt. Aber irgendetwas sträubt sich in mir, sich dem auszusetzen. Momentan ist es noch so, dass ich nicht das Gefühl hab, dass es mir schadet oder dass es unbedingt sein muss. Und solange das so ist, möchte ich dabei bleiben. Es ist tatsächlich so, dass ich auch ein sehr verletzbarer Mensch bin. Ich habe mit der Situation, dass jeder über alles seine Meinung sagen kann und jeder anonym – die meisten trauen sich das eh nicht offiziell – meine Probleme und möchte darüber dann auch nicht noch mehr Kränkungen erleben. Es gibt Dinge, die sind sowieso schon schwer genug.