100. Geburtstag: Das bewegte Leben des Lex Barker

Für viele ist er einfach Old Shatterhand: Doch wer war Lex Barker, der Mann hinter der Rolle, eigentlich? Am 8. Mai wäre der Kinoheld 100 Jahre geworden. Sein Leben war nicht weniger bewegend als die Winnetou-Saga.

Lex Barker
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Für Fans der Winnetou-Reihe von Horst Wendlandt ist 2019 ein denkwürdiges Jahr: Am 6. Februar wäre Winnetou-Darsteller Pierre Brice 90 Jahre alt geworden. Am 8. Mai sein Kollege Lex Barker, der Old Shatterhand verkörperte, 100.

Winnetou-Euphorie

Bereits zu Lebzeiten hatten beide Schauspieler Legenden-Status. Das wurde 2015 bei der Trauerfeier von Pierre Brice, der in seiner Heimat Frankreich weitestgehend unbekannt war, deutlich: Stundenlang harrten Fans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus, um sich im Kondolenzbuch zu erewigen und ihre Erinnerungen an den 86-Jährigen zu teilen. Die Auktion kurz nach seinem Tod, bei der Erinnerungsstücke versteigert wurden, brachte am Ende rund eine halbe Million Euro ein, das von Brices Ehefrau in seinem Sinne karikativen Zwecken zugute kam. Ähnliches ist von einer weiteren Auktion in diesem Jahr zu erwarten.

Hätte Lex Barker das Alter erreicht, wären ihm wohl ähnliche Ehren zuteil geworden. Doch das große anhaltende Comeback der Winnetou-Reihe seit den 1980er-Jahren zu erleben war dem amerikanischen Schauspieler nicht vergönnt. 1973 brach er nur drei Tage nach seinem 54. Geburtstag auf offener Straße zusammen und erlag seinem Herzinfarkt. Bewegend und abenteuerlich wie seine Filme war rückblickend betrachtet auch sein Leben.

Lex Barker
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Vom Kriegs- zum Leinwandhelden

Der Weg von Alexander Crichlow Barker junior, wie er eigentlich hieß, schien vorgezeichnet. Als Sohn eines wohlhabenden Bauunternehmers sollte er nach seinem Studium in Princeton in die Fußstapfen des Vaters treten. Doch der aus dem Bundesstaat New York stammende Student hatte andere Pläne: Er heuerte am Broadway an und ließ sich zum Schaupieler ausbilden. Während des Zweiten Weltkrieges meldete er sich freiwillig für die Infanterie und wurde zu Kriegseinsätzen nach Nordafrika und Italien entsandt. Zwei schwere Verletzungen zwangen den mittlerweile zum Major beförderten Barker, seine militärische Laufbahn zu beenden.

Zurück in den USA trat der einstige Leichtathlet und Footballer, der mit 1.93 Meter Größe viele seiner Kollegen überragte, die Nachfolge von Johnny Weissmueller als Tarzan an und verkörperte den Urwald-Helden insgesamt fünf Mal. Für ernstzunehmende Rollen, in denen sich Lex Barker profilieren wollte, kam er aus Sicht Hollywoods nicht in Frage. 1957 zog der gebildete Schauspieler, der Französisch, Spanisch und Italienisch fließend sprach, nach Europa. Als einer der ersten Amerikaner avancierte er in Italien zum gefragten und gefeierten Kino-Liebling. So war er unter anderem in Federico Fellinis Filmklassiker "La Dolce Vita" von 1960 in einer Nebenrolle zu sehen.

Winnetou brachte die Wende

Als ihm Horst Wendlandt für "Der Schatz im Silbersee" als Old Shatterhand engagieren wollte, zögerte Barker. Seine damalige Ehefrau Irene Labhardt ahnte die Chance, die in dem Angebot lag und redete ihm zu, dieses anzunehmen. Der Schauspieler, der Deutsch verstand, aber es selbst kaum sprach, willigte ein - nicht ahnend, dass die Reihe der größte Erfolg seines Lebens werden würde. Mit nach heutigen Maßstäben bescheidenem Budget wurden die Winnetou-Filme in Kroatien gedreht. Im Gespann mit Pierre Brice wurde er, der in insgesamt sieben Filmen Old Shatterhand verkörperte, zum umjubelten Star des deutschen Kinos. Und über die Grenzen hinaus. Sergio Leone, der als Begründer des Italo-Western gilt, ließ sich von den Winnetou-Filmen zu seinen Kult-Klassikern inspirieren.

Lex Barker
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Karriere-Ende

Als gegen Ende der 1960er-Jahre der Winnetou-Boom abgeklungen war, wurde es zunehmend still um Lex Barker, der vermehrt mit gesundheitlichen Problemen kämpfte. Attraktive Rollenangebote blieben sowohl in den USA als auch Europa aus. In dem Liebesfilm "Wenn du bei mir bist" mit Roy Black 1970 war der Schauspieler ein letztes Mal in den heimischen Kinos zu erleben.

Schicksalsschlag und Höhenflug

Privat blickte der Schauspieler auf fünf Ehen zurück, aus denen drei Kinder hervorgegangen waren. Die berühmteste seiner Ex-Partnerinnen war Hollywood-Star Lana Turner, mit der Barker knapp vier Jahre verheiratet war. Als einzige Liebe seines Lebens betrachtete er allerdings Irene Labhardt. Jene Frau, die ihm geraten hatte, die Rolle des Old Shatterhand anzunehmen. Mit nur 26 Jahren war sie 1962 gestorben, nachdem sie erfahren hatte, unheilbar erkrankt zu sein. Gerade, als Barker mit "Ein Schatz im Silbersee" am Gipfel seiner Karriere angelangt war.