Interview mit Blogger Ilja Jay: "Es ist eine coole Welt"

Der 24-jährige Student ist mehr als nur ein Fashion-Blogger und Influencer. Vor drei Jahren gründete er gemeinsam mit Freunden ein eigenes Label, betreibt mittlerweile sehr erfolgreich einen Shop in Wien und organisiert nebenbei noch jede Menge coole Events.

Ilja Jay
Foto: iljajay.com

Wie hast du es geschafft, dir über Instagram & Co. einen Namen zu machen?

Ich hab in Österreich mit Kollegen eine Marke aufgebaut – TrueYou – und die ist mittlerweile eine der bekanntesten aus Österreich, weil wir von Anfang an sehr stark darauf geachtet haben, eine Community aufzubauen. Wir sind jetzt das dritte Jahr auf der Vienna Fashion Week, unsere Fangemeinde hat immer stark mit uns interagiert. Vorletztes Jahr kam dieser Zuspruch: Ich schau aus wie ein Blogger, agiere so, interessiere mich sehr für Mode, bin viel unterwegs und hab viel, was ich erzählen kann – warum mach ich es nicht einfach? Das war der Einstieg. Viele Influencer fangen mit Instagram & Co. an und bauen sich dann daraus was auf. Bei mir war es umgekehrt.

Was ist die Idee hinter TrueYou?

Ich habe Kommunikationsmanagement mit einem Kollegen studiert. Wir fanden die heimische Modebranche langweilig, sehr überschaubar, jeder hat das Gleiche getragen. Wir wollten ein Projekt starten und schauen, inwieweit es tatsächlich realisierbar ist. Eigentlich war es als Hobby gedacht. Dadurch, dass wir aber von Anfang an anders an die Sache herangegangen sind – einen Lifestyle vorgelebt, eine Community aufgebaut haben – hat sich alles schnell entwickelt. Viele Leute konnten sich mit der Marke identifizieren. Die Philosophie ist: Sei wie du bist. Damit wollten wir die Leute erreichen, ohne dass wir sie dazu bringen wollten, T-Shirts von uns zu kaufen. Wir wollen unsere Marke nicht an Produkte binden, sondern an unser Lebensgefühl.

Um Gewinn zu machen, müssen die Leute allerdings trotzdem T-Shirts kaufen.

Klar, definitiv. Aber es war nie unser Fokus. Wir wollten den Menschen die Möglichkeit bieten, ihre Träume zu leben. Wir haben viel in Branding investiert, viele Events organisiert. Das hat dazu geführt, dass die Marke groß geworden ist. TrueYou ist weitaus mehr als nur ein Modelabel. Es ist eine Plattform, die viele Menschen anspricht.

TrueYou
Trends für Ladies & Gents: Der Fashion-Store TrueYou in der Johannesgasse 17, 1010 Wien. Foto: TrueYou

Welches coole Event steht demnächst an?

Unsere Teilnahme an der Vienna Fashion Week am Samstag, 16. September, ist mein persönliches Highlight. Was Mode betrifft, gibt es nichts Größeres in Wien. Knappe 900 Leute passen in unser Zelt. Eine andere coole Sache ist unsere Fitness-Eventreihe „Fitness-Festival“ in Kooperation mit Holmes-Place. Wir kombinieren das Beste aus den zwei Welten Sport und Clubbings: Wir machen ein Fitnesscenter am Samstag Abend auf, geben einen Club-DJ und Club-Lichter hinein und schaffen so eine Clubbing Expecience, die Leute anspricht, die nicht im Fitnesscenter angemeldet sein müssen. Die Besucher kaufen sich einfach ein Eintrittsticket und können bei Live Musik trainieren.

Coole Sache! Wie kommt ihr auf solche Ideen?

Wir sind an einem Punkt, wo wir uns kreative Konzepte überlegen, die es bisher noch nicht gibt. Unser Vorteil ist, dass wir nicht von etlichen Freigabeprozessen abhänngig sind und es hunderte Leute über uns gibt, die die Ideen killen können, bevor sie überhaupt entstehen. Wir sitzen an der Quelle. Wenn uns was taugt und wir es realisieren können, dann machen wir's.

Vertreibt ihr auch andere Marken in eurem Shop oder nur eure eigenen?

Wir haben 3 Partnerlabels, die wir bei uns verkaufen. Die finden wir alle cool, und sie sind auch alle aus Österreich. Das sind Labels, denen wir die Möglichkeit bieten wollen, unsere Plattform zu nutzen. Ansonsten sind alle Sachen direkt von uns.

Wo produziert ihr?

Die letzten 3 Jahre haben wir in Paris produziert. Das war unter anderem ein Grund, weshalb wir so schnell gewachsen sind. Das war zwar extrem teuer, aber wir haben immer versucht, nachhaltig zu produzieren, zu fairen Arbeitskonditionen. Dadurch haben wir ein hohes Fashion-Ansehen bekommen. Mittlerweile haben wir noch eine zweite Produktionsstätte in Bali, wo wir mit einem österreichischen Designer zusammenarbeiten, der dorthin ausgewandert ist. Da wissen wir, dass alles fair abläuft, weil er vor Ort ist.

Way of Jay
Auf seinem Blog zeigt Ilja Jay stets, was modisch gerade angesagt ist. Foto: iljajay.com

Seit Jänner verkauft ihr eure Designs nicht mehr nur online, sondern auch in einem Shop im ersten Bezirk. Wie sieht der Umsatz aus?

Aktuell ist es so, dass sich alles von selbst finanziert. Wir sind vier Gesellschafter, drei Mitarbeiter und ein paar Freelancer, wenn Projekte anstehen. In Österreich sind wir insgesamt in sechs Stores vertreten, u. a. auch in Klagenfurt und Linz. Beim Umsatz bewegen wir uns gerade im sechsstelligen Bereich.

Ist es als Mann schwieriger, sich als Influencer durchzusetzen?

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Prinzipiell hat man es als Mann schwieriger, weil das Bloggertum noch immer von Frauen dominiert wird. Männer lesen tendenziell keine Blogs und Frauen tun sich auch leichter, sich mit anderen zu identifizieren. Das ist bei Männern nicht so. Auch wenn du einen Typen cool findest, wirst du es wahrscheinlich nicht zugeben. Das ist diese Ego-Sache. Deine Reichweite wird deshalb immer kleiner sein als die von den Frauen. Auf der anderen Seite gibt’s aber fast keine Männer, was wiederum den Markt für dich öffnet. Viele Brands haben Männer als Zielgruppe. Das kommt dann den männlichen Influencern zugute, weil du mit viel weniger Leuten konkurrieren musst.

Könntest du vom Bloggen leben?

Wenn ich nur bloggen würde, würde mir das wahrscheinlich nicht genug sein. Ich möchte immer noch diesen Realitätsbezug haben. Es ist eine coole Welt, man ist viel unterwegs, lernt viele Leute kennen, lebt einen spannenden Lifestyle, aber viele Leute vergessen auch, wie viel Arbeit dahintersteckt. Diesen Realitätsbezug habe ich in meiner Firma, die ich selbst leite. Am Ende des Tages bin ich selbständig.

Auf deinem Blog machst du u. a. auch Werbung für den Flughafen Wien, L'Oréal Co. Wie glaubwürdig ist das, wenn du dafür Geld bekommst?

Dadurch, dass ich das Bloggen nicht hauptberuflich mache und nicht nur davon lebe, habe ich den Luxus, dass ich selektieren kann, was Kooperationen betrifft. Ich bin finanziell nicht darauf angewiesen. Ich würde nie was machen, was ich nicht persönlich cool finde. Und wenn ich dahintersteh, kann ich das auch authentisch und glaubwürdig an meine Leser kommunizieren. So habe ich z. B. schon viele Kaffeemarken abgelehnt, weil ich keinen Kaffee trinke.

Ilja Jay TrueYou
Redakteurin Tamara Hörmann traf Ilja Jay vor seinem Shop „TrueYou“ zum Interview. Foto: TrueYou

 

Mit Attila S. Senkaya hast du die Kreativagentur „Follow-Austria“ gegründet. Hier geht es ums Netzwerken. Wann und wo finden die nächsten Events statt?

Wir haben Ende August unser Jahresevent. Attila und ich haben erkannt, dass es in der Kreativbranche eine Ellbogenkultur gibt. Das sind meine Kunden, das sind deine Kunden. Wir wollten aber das Miteinander fördern. In Österreich gibt es Afterwork-Events. Man trinkt und geht nach Hause, netzwerkt aber nicht. Erfolg ist allerdings extrem abhängig von deinem Umfeld: die Leute, mit denen du arbeitest, die Kontakte, die du nutzen kannst, maximieren dein Business so immens! Deswegen haben wir uns gedacht: Wir machen After-Network-Events für alle, die unter den Terminus Kreativling fallen. Mittlerweile machen wir aber auch schon für Kunden Network-Events.

Welche Tipps würdest du Anfängern geben, die erfolgreiche Influencer werden möchten?

Meine erster Tipp: Gemeinsam sind wir stärker. Ein gutes Netzwerk ist das Um und Auf, egal was du machst. Du musst Leute kennen, eine offene Herangehensweise haben, eine Community aufbauen. Mein zweiter Tipp: Arbeite an dir selbst. Egal in welcher Branche, du solltest dich auskennen mit dem, was du machst. Arbeite tagein, tagaus. Und mein dritter Tipp: Sei dir dessen bewusst, dass harte Arbeit sich auszahlt. Du arbeitest für dich selbst. Auch wenn es am Anfang schwierig ist, wenn man ständig Vollgas gibt, wird es sich auszahlen.

Welche Leute sollen in euren Laden kommen?

Unsere Philosophie ist auch: Reinvent yourself. Wir sind immer offen, neue Menschen kennenzulernen. Leute, die an einem Punkt in ihrem Leben sind, wo sie gerne etwas Neues probieren möchten, sei es jetzt Mode, oder Events – oftmals ergebt sich eine gute Zusammenarbeit. Man kann auf so viel Ebenen zusammenarbeiten. Wir wollen eine Anlaufstelle für alle sein, die versuchen möchten, etwas Neues zu machen, etwas Unkonventionelles.

Alles über neue Projekte, Styling-Trends & News des Jungunternehmers auf www.iljajay.com