Grießnockerlaffäre mit Biss: Interview mit Simon Schwarz & Sebastian Bezzel

Mit „Grießnockerlaffäre“ läuft der vierte Teil der beliebten Bestsellerverfilmung von Rita Falk in den heimischen Kinos an. Wir waren bei der Premiere im Village Cinema dabei und haben die TV-Helden Sebastian Bezzel und Simon Schwarz zum Interview getroffen.

Die Grießnockerlaffäre – Der Film
Foto: Constantin Film

Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung miteinander erinnern?

Schwarz: Ja! Das ist jetzt 12 Jahre her und war am Flughafen in Berlin Tegel, von wo wir auf eine Veranstaltung nach München geflogen sind. Wir kannten uns schon vom Sehen und wussten, wir werden die nächsten Monate beste Freunde spielen. Wir haben uns vorgestellt – „Ah schön, du, Servus“ – und dann ging ein Mann vorbei… Weißt du noch?

Bezzel: Ja, ich kann mich noch gut erinnern. Der Mann hatte ein kariertes Sakko an, ein anders kariertes Hemd und eine gestreifte Hose. Dann haben wir ihm nachgeschaut, weil er so schräg angezogen war. Ich hab' gesagt: Der ist nicht farbenblind, sondern musterblind. Das soll's auch geben!

Schwarz: Dann hab ich gelacht, und seitdem hat sich nichts mehr verändert. Außer dass jetzt die Homo-Ehe in Deutschland freigegeben ist und wir theoretisch heiraten könnten. Obwohl: Mehrfachehe ist ja auch nicht erlaubt.

Bezzel: Stimmt, da wär dann noch was mit meiner Frau zu klären.

Welche Szene hat besonders Spaß gemacht bei der Grießnockerlaffäre?

Bezzel: Für mich war es eine besondere Herausforderung, mit den Jugendlichen mit Down-Syndrom zu drehen. Das war eine total schöne, neue Erfahrung. Die haben auch richtig Stimmung in die Bude gebracht.

Schwarz: Stimmt! Der Drehtag war irrsinnig anstrengend: Es war saukalt, alle hatten arschkalte Füße, dann kamen die Kids und die Stimmung ging wieder nach oben. Aber generell stellt man sich das falsch vor: Bei einer Komödie ist der Drehtag genauso lustig oder nicht lustig wie bei einem Drama. Es ist ein ernstes Arbeiten. Wir haben viel am Zettel pro Tag und müssen da ganz schön Gas geben, damit wir das alles hinkriegen.

Die Grießnockerlaffäre
Franz und Rudi sind am Verzweifeln: Warum kocht die Oma denn nur noch Grießnockerl-Suppe? Foto: Constantin Film

Also gar keine lustigen Pannen vorort?

Schwarz: Ich hatte in meinem Leben echt selten irgendwelche Pannen. Erstaunlicherweise! Ich bin immer ganz überrascht, wenn ich von Schauspielkollegen lese, was sie für lustige Erlebnisse haben.

Bezzel: Wir sind so gut geölte Maschinen, es ist so langweilig! (lacht) Nein, also ehrlich jetzt: Die Zeit ist beim Film am teuersten, weshalb sie maximal genutzt werden muss. Wir hatten nur 28 Drehtage. Da bleibt nicht viel Raum, um Späße zu machen. Mit unserem Regisseur Ed Herzog ist es zwar ein nettes, entspanntes Arbeiten, aber eben auch sehr anstrengend.

Schwarz: Ein Tag eines Schauspielers beginnt bei der Abholung im Hotel, dann wieder zurückfahren, abends noch Vorbereitung für den nächsten Tag: Das sind locker 18 Stunden, die man täglich arbeitet. Und man muss immer hundertprozentig bei der Sache sein. Ist man nicht mit 100 Prozent dabei, hat man nie wieder die Chance, es nochmal zu machen. Zum Vergleich: Bei einem Hollywood-Streifen hat man zwischen drei und sechs Monate Zeit. Die Filme laufen aber im gleichen Kino. Da kannst Du dich entscheiden: Gehst Du in unseren oder in einen amerikanischen Film? 

Ich schau mir die Grießnockerl-Affäre an! Gibt es Eigenschaften, die ihr euch von euren Rollen Rudi und Franz abschauen könnt?

Bezzel: Ja, die Gelassenheit vom Eberhofer. Diese Arschruhe, die er hat.

Schwarz: Ich wär gern so cool wie der Rudi!

Bezzel: Das schaffst du nicht. Vergiss es, du nicht! (lacht)

Im Film steht plötzlich die Jugendliebe der Oma vor der Tür. Wie würden Sie reagieren, wenn die Jugendliebe plötzlich an der Haustür klopft?

Schwarz: Ich hatte keine Jugendliebe (überlegt kurz). Also ich weiß gar nicht, wer meine Jugendliebe war. Ich fand die Königin aus „Die unendliche Geschichte“ ganz toll. Die hab ich immer geküsst am Cinema Heft. Aber wahrscheinlich würde ich sie gar nicht erkennen, wenn sie vor der Tür stünde.

Bezzel: Ich würd einfach nur fragen: He, was machst du in Hamburg?

Schwarz: Oder aber ich wäre total geschockt und würde sagen: Scheiße, sind wir alt geworden! (lacht) Das ist wahrscheinlich der ehrlichste Gedanke.

Grießnockerlaffäre
Nach einer ausgedehnten Partynacht steht Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) unter Verdacht, seinen Kollegen ermordet zu haben. Foto: Constantin Film

Sie haben beide Kinder. Wären Sie stolz oder beängstigt, wenn diese als Polizisten Mordfälle lösen müssten?

Schwarz: Ich fände das super! Die können alles werden, was sie wollen, solange sie der Gesellschaft nicht groß schaden.

Bezzel: Als mein Sohn auf die Welt kam, hab ich ganz klar gesagt: Es gibt auch Sachen, die er nicht darf – Investmentbanker und Nazi. Aber er kam auch zu Zeiten der Finanzkrise auf die Welt, also könnten wir heute nochmal über den Investmentbanker reden. Aber wenn ich merke, es füllt sie aus und sie sind auch noch gut drin, dann würd' ich sagen: toll!

Schwarz: Es bringt ja auch nix zu sagen: Zum Film wirst du nie gehen, verstanden? Die sollen versuchen, das zu machen, womit sie glücklich werden.

Bezzel: Na ja, wenn er sagt „Ich werde jetzt Base-Jumper“, würde ich schon sagen: Bist du wahnsinnig, du Sautölpel? Dann hätt ich so richtig Angst. Aber wenn er zur Polizei ginge, wäre meine Antwort: Ja, ist ein Risikojob, aber du wirst wissen, was du tust. Wenn alle Eltern zu ihren Kindern sagen würden, geh nicht zur Polizei, würd's ja auch wirklich gefährlich werden. So einen Wunsch sollte man unterstützen.

Wie viel Freiheiten sollte man Kids lassen?

Schwarz: Nur Freiheiten lassen, finde ich schwierig. Ich glaube, dass du deinen Kindern helfen musst, dass sie in die richtige Richtung gehen. Deshalb bin ich da auch ein bisschen strenger. Zu meinem Sohn habe ich gesagt: Du wirst jetzt Bachelor und Master machen. Und der fühlt sich dabei richtig wohl.

Bezzel: Ich muss ihnen ja nicht die Freuden der BWL beibringen, aber ich sage: Wenn du was machst, dann mach's richtig und mach's gerne. Mein Vater ist Vogelkundler und ich hab mich nie dafür interessiert. Aber er hat mich Gott sei Dank auch nie gedrängt. Als ich ihm offenbart habe, ich will Schauspieler werden, hat er nur gesagt: Dann brauchst eine gscheite Ausbildung! Da hat er mir auch einen Weg vorgegeben und hat mich auf diesem begleitet.

Was würden Sie Jungschauspielern raten, die in der Branche durchstarten möchten?

Schwarz: Ich würde niemanden raten, Schauspieler zu werden. Es ist überlaufen und es ist auch nicht so, dass es wahnsinnig lustig ist.

Bezzel: Ich würde erstens mal auf eine gute Ausbildung setzen, wie immer die auch gestaltet ist. Und ich würde jedem raten, sich noch eine zweite Sache zu überlegen.

Grießnockerlaffäre
Weekend-Redakteurin Tamara Hörmann traf Sebastian Bezzel und Simon Schwarz zum Talk. Foto: PR/Constantin Film

Aber was, wenn es keinen Plan B gibt?

Schwarz: Wer Schauspieler werden will, sollte sich Gedanken darüber machen, ob er weiß, was Schauspielerei ist. Es ist nicht It-Girl sein,  am roten Teppich stehen, einen Pressetermin und Foto-Shootings zu haben. Das gehört zwar dazu. Schauspielerei ist aber, eine Figur zu spielen, zu fühlen, zu denken, und eine Emotion darzustellen. Da muss man sich drauf einlassen können. Wer das nicht kann, soll bitte die Finger davon lassen. Dann kann man Moderator werden oder sich einen anderen Medienberuf suchen, in dem man sich präsentieren kann. Bei der Schauspielerei bist Du nicht der Mittelpunkt. Deine Figur ist der Mittelpunkt.

Bezzel: Mir fällt auf, dass es bei jüngeren Kollegen oft nur noch um die Vermarktung geht. Um die Likes, das Drumherum. Sie erzählen nie von dem Kern unseres Jobs – sich in die Rollen ernsthaft hineinzuversetzen. Denen geht es nur noch ums Image. Was mich nervt, ist: Wir kennen sie als Schauspielerin, als Moderatorin, als Schmuckdesignerin und Pilatestrainerin. Das geht mir auf den Sack! Da würd ich gern sagen: Ich kenn sie nicht als Schauspielerin, sondern nur als Darstellerin. Den Beruf zu machen bedeutet auch, dass man ihn ernst nimmt. Einmal wurde mir eine Rolle als Stalker angeboten, da hat eine Bekannte zu mir gesagt: Du bist doch so ein sympathischer Typ, das geht voll gegen dein Image! Aber so denken wir nicht. Es ist eine interessante schauspielerische Aufgabe, einen Stalker zu spielen. Deshalb hab ich's gemacht.

Herr Schwarz, in einem Interview meinten Sie vor kurzem: „Würde ich nur in Österreich spielen, hätte ich diesen Beruf bereits aufgegeben. Auch aus finanziellen Gründen.“ Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?

Schwarz: Österreich hat das Problem, dass im Kulturbudget bei der Verteilung Film und Fernsehen als Unterhaltung gesehen wird und nicht als Kultur. Ich verstehe nicht ganz, warum ein Theaterstück mehr Kultur ist als ein Kinofilm. Das wird natürlich nie jemand anfechten, weil man sich gegenseitig nicht ans Bein pinkeln will. Aber da bin ich eher der Arsch, eher der Rudi Birkenberger und würde gerne mit dem Kopf durch die Wand gehen. Ich finde die Verteilung zwischen angeblicher Hochkultur und Kinofilm falsch.

Im Herbst wird der nächste Teil der Krimi-Verfilmungen gedreht. Was können Sie uns vorab verraten?

Bezzel: Er heißt Sauerkrautkoma. Ich habe das Buch bereits gelesen, und schon wieder fast alles vergessen. Aber alles nach der Reihe, da haben wir ja noch ein wenig Zeit.

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