Antonio Banderas im großen Weekend-Talk

Im Januar 2017 erlitt der spanische Superstar in England einen Herzinfarkt. Ein Moment, der sein Leben von Grund auf veränderte. Banderas, einst Workaholic, hat zu sich gefunden und gelernt, das Leben zu genießen.

Antonio Banderas
Antonio Banderas mit seinem langjährigen Förderer Pedro Almadovar Foto: Alberto Pizzoli/AFP/picturedesk.com

Weekend: Wie ernst war die Situation vor zwei Jahren für Sie?

Banderas: Sehr ernst. Wenn man einen Herzinfarkt bekommt, ist es sehr schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt. Aber was einem in dem Moment auch durch den Kopf geht, ist die Frage: Das war es also, dein Leben? Man denkt ja lange Zeit, man sei unsterblich.

Weekend: Was haben Sie noch gelernt?

Banderas: Es gibt so viele Dinge im Leben, von denen man geglaubt hat, sie wären wichtig, und dann findet man heraus: Sie sind es nicht. Wenn man dem Tod direkt in die Augen sieht, so wie das bei mir war, dann realisiert man sofort, wie sich die Prioritäten verschieben.

Weekend: Was hat sich also danach geändert?

Banderas: Sehr viel. Es gab eine Krankenschwester in dem Spital in London, wo ich die erste Nacht mit meinen drei neuen Stents im Herzen verbrachte. Diese Schwester sagte mir: Warum glauben Sie, sagt man: Ich liebe dich von ganzem Herzen? Und warum sagt man nicht: Ich liebe dich von ganzer Leber oder von ganzer Niere? Weil das Herz nicht nur die Pumpe des Körpers ist, sondern auch das Zentrum für jegliche Emotion. Ich habe das verstanden und lasse mich seither mehr auf meine Gefühle ein, lasse sie in mir sprechen und gehe damit auch offensiver um. Das hat mir viel Seelenfrieden gegeben. Plötzlich habe ich bei traurigen Filmen geweint, das gelang mir früher nie. Ich habe Antonio Banderas getötet, um endlich Raum für alles zu haben, was mich eigentlich schon immer ausgemacht hat.

Weekend: Was war ausschlaggebend für Ihre Mitwirkung an "Leid und Herrlichkeit", Ihrem aktuellen Film?

Banderas: Er erzählt sehr viel Persönliches aus Pedro Almodovars (Anm.: Regisseur) Leben. Ich hatte das Glück, meine Karriere mit ihm starten zu können, als einer der sogenannten Almodovar-­Schauspieler. Seither haben wir immer wieder zusammengearbeitet. Und bei "Leid und Herrlichkeit" geht es genau um das. Für Pedro war es ein Film, der wie eine Befreiung wirkte: sich alles einmal von der Seele ­schreiben. Es ist kein Film, den er machte wollte, sondern ­einer, den er machen musste.

Weekend: Sie sind jetzt 58, ­haben Ehe und Scheidung hinter sich. Was haben Sie in Ihrem Leben über Beziehungen gelernt?

Banderas: Was ich gelernt habe, ist: Man ist in der Lage, die gleichen Fehler immer und immer wieder zu machen (lacht). Spaß beiseite: Ich bin geschieden, ja. Aber meine beste Freundin im Leben ist immer noch Melanie Griffith. Wir sind nicht mehr verheiratet, aber sie ist meine Familie, die Mutter meiner Tochter Stella, die ich jedes Mal besuche, wenn ich in L.A. bin. Manchmal kommen sie auch zu mir nach Spanien. Wir haben ein tolles Verhältnis. Ich habe gelernt, dass man im Leben manche Dinge zu unterschiedlichen Zeiten erlebt; es gibt bei mir kein "alles oder nichts". Sondern es gibt eine Vielfalt gelebter Gefühle.

Weekend: Sie meiden heute Hollywood, warum?

Banderas: Die Holly­wood-Karriere hat sich ergeben. Ich habe nicht danach gesucht – man hat mich gerufen. Plötzlich fand ich mich in Hollywood wieder und drehte eine Warner-Produktion namens "Mambo Kings". Wow! Wie toll! Das war schon verführerisch. Für mich war Hollywood das Abenteuer meines Lebens, die Erfüllung eines Jugendtraums. Aber meine Heimat ist Spanien. Und ich habe mir kürzlich dort einen Traum erfüllt, der mich allerdings ruinieren könnte. Ich habe in meiner Heimatstadt Malaga zwei Theater gekauft, in denen ich nun mit jungen Menschen Stücke einstudiere. Das kostet ein Vermögen, aber es erfüllt mich total.

 

Antonio Banderas ist der erfolgreichste spanische Schauspieler in Hollywood. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Desperado", die "Zorro"-Filme und die Serie "Genius", in der er Pablo Picasso spielt.