Andrea Berg im großen Weekend-Talk

Mit "Mosaik" hat Andrea Berg ihr mittlerweile 17. Album veröffentlicht. Im sehr persönlichen Weekend-Talk spricht die Chartstürmerin über die Botschaft, die in ihren Schlagern steckt, was sie bewegt und was sie Kraft schöpfen lässt.

Andrea Berg
Andrea Berg 2016 bei der Aufzeichnung der Show "Hello Again" Foto: Sport Moments/Action Press/picturedesk.com

Weekend: Frau Berg, Ihr neues Album ist gerade auf den Markt gekommen: Nervös, die Erwartungen zu erfüllen?

Andrea Berg: Diese Spannung ist ja immer ein Fluch des Erfolges. Aber ich versuche mich davon völlig frei zu machen. Kaum landet ein Song an der Spitze, werde ich gefragt: Wie willst du das noch toppen? Meine Antwort: Gar nicht, weil ich es nicht muss! Aber plötzlich macht es Klick – und eine neue Inspiration, eine neue Idee, ein Mensch, der dich beflügelt, ist plötzlich da. Damit setze ich mich dann auseinander.

Weekend: Das darf dauern?

Andrea Berg: Für "Mosaik" sind zweieinhalb Jahre ins Land gezogen. Insgesamt haben wir uns 200 Melodien angehört. Mit 25 Songs habe ich mich beschäftigt. Jetzt sind unterm Strich 15 übrig geblieben. Über Leidenschaft und Liebe, aber auch den Schmerz und das Scheitern. Es ist eine runde Sache geworden, zu der ich voll und ganz stehen kann.

Weekend: Welche Wurzeln halten Sie in stürmischen Zeiten aufrecht?

Andrea Berg: In erster Linie mein Background. Der Glaube, meine Familie: meine Mama, die Hausfrau. Mein Papa, der Feuerwehrmann. Von ihm habe ich gelernt, dass man nie weiß, ob es für einen selbst einen neuen Morgen geben wird. Deshalb muss man vor Sonnenuntergang immer Frieden machen. Ich weiß, das ist manchmal schwer – aber wichtig und tröstlich. Diese Einstellung hat mich auch ruhiger werden lassen.

Weekend: Das Leben ist …

Andrea Berg: … schön und wertvoll. Ein Geschenk, das genossen werden will. Auch die dunklen Steine – schmerzliche Erfahrungen und Verluste – sind wichtig, für unser ganz persönliches Mosaik des Lebens. Wir brauchen sie für den Kontrast. Ich bin ja auch in der deutschen Hospiz- und Palliativarbeit engagiert. Dort wurde der Satz geprägt: "Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben." Von dieser Philosophie steckt auch sehr viel im neuen Album. Auch bei meinen Konzerten sage ich immer: Freut euch über jeden tollen Moment, haltet ihn fest! Ich will keinesfalls belehren, aber die Menschen zumindest ein kleines bisschen anstupsen.

Weekend: Für das Album sind Sie auch nach Afrika gereist: Warum gerade dorthin?

Andrea Berg: Ich werde immer wieder auf "Kilimandscharo", ein Song aus meinem ersten Album, angesprochen. Zum Teil mit einer emotionalen Intensität, die ich bis dato noch nicht nachvollziehen konnte. Also war es Zeit, dorthin aufzubrechen. Gemeinsam mit meiner Tochter Lena habe ich mich dann auf eine Abenteuersafari eingelassen.

Weekend: Eine Mutter-Tochter-Reise, die wahrscheinlich ihre prägenden Momente hatte …

Andrea Berg: Uns verbindet die Liebe zu Tieren. Neun Tage lang haben wir Giraffen, Zebras, Gnus und Hyänen beobachtet, sind stundenlang gesessen – in dieser Stille, in dieser Gemeinsamkeit. Das Faszinierendste war aber nicht der Löwe oder der Elefant, sondern eine große Eule. Ein Uhu, der uns beide in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat. Aus dieser Begegnung ist der Song "Geh deinen Weg" entstanden, der mich ewig mit meiner Tochter verbinden wird. Das sind kostbare Momente, die mir zufliegen – und für die ich Danke sage.

Weekend: Wie war die Stimmung im Studio?

Andrea Berg: Das Album ist in wunderbarer Zusammenarbeit mit 32 Komponisten und acht Produzenten entstanden; darunter Xavier Naidoo, DJ Bobo, Dieter Bohlen und Felix Gauder. Jeder hat sich auf seine Weise eingebracht. Der Titel "Mosaik" war der letzte Song, den ich geschrieben habe – eigentlich nachdem das Album bereits fertig war. Ursprünglich hätte es "Träumer" heißen sollen. Aber mein Bauchgefühl sagte mir, es fehlt noch etwas. Ein musikalischer Schlüssel, der die einzelnen Fragmente zu einem passenden Bild zusammenfügt – zu einem Mosaik eben. Damit war es perfekt!

Weekend: Im Herbst geht es auf große Tour. Hat das Bühnenbild schon Formen angenommen?

Andrea Berg: Das Rohkonzept haben wir an einem Kraftplatz in Key Largo in Florida gemeinsam mit dem kompletten Team entwickelt: Wir wissen schon, was passiert, wenn das Licht angeht, wichtige Mo­saik­steinchen sind gesetzt – daran arbeiten wir weiter.

Weekend: Sie sind seit Jahren an der Spitze des Schlagers. Was treibt Sie noch an?

Andrea Berg: Die Begegnung mit den Menschen. Nach Konzerten gehe ich hinaus zu den Fans, mache Selfies, nehme sie in den Arm. Lasse mir erzählen, was ihnen am besten gefallen hat. Da bin ich locker bis zu zwei Stunden auf Tour. Es berührt mich, wenn Menschen mir erzählen, wie ihnen meine Lieder Mut gemacht haben. Ich erinnere mich an ein schwules Paar, dem mein Song "Ja, ich will" die Kraft gegeben hat, sich nach 30 Jahren zu outen. Jetzt wollen sie heiraten. Das ist für mich pure Energie.