Zwischen Alltagstauglichkeit und Spaß: Der KTM X-Bow GT im Test

Schenkt uns der puristische Roadster mit neuer Rundumverglasung mehr Alltagstauglichkeit? Wir haben den 285 PS starken Alpensportler bei kühlen Temperaturen getestet.

Kopie von KTM X-Bow GT
Richtig Laune kommt im X-Bow GT bei Sonnenschein auf Foto: KTM

Frisch aufgebackene Brötchen, leckerer Cappuccino und eine feine Auswahl an Käse und Wurst stehen auf dem Frühstückstisch. Meine Freundin und ich genießen beim Frühstück die morgendlichen Sonnenstrahlen und freuen uns auf die heutige Ausfahrt im neuesten Spaßgefährt aus dem Hause KTM. Sehnsuchtsvoll wartet der X-Bow GT in der Garage darauf, uns den Wind um die Ohren zu blasen und die Haare zu zerzausen - doch so wild wird es nicht.

Rundumverglasung inklusive

Der in allen wesentlichen Elementen auf dem X-Bow R basierende GT tritt erstmals mit Front- und Seitenscheiben an. Türen gibt es im Kohlefaser-Monocoque natürlich genauso wenig wie verstellbare Sitze, dafür lassen sich die Pedale auf einer Box montiert in der Länge verstellen. Zum Ein- und Aussteigen wird die Seitenscheibe nach vorn-oben geschwenkt. Mit einem großen Schritt über die Seitenwangen entert man das Cockpit, das ganz ungewohnten Komfort aufweist: bequeme Sitzpolster und Schalter für Funktionen wie Scheibenwischer samt Wisch/Wasch-Anlage, Frontscheibenheizung oder Heizungs- und Lüftungsanlage.

KTM X-Bow GT
... quittiert die auf dem Info-Screen erscheinende Frage "Ready to Race?" per Druck auf ... Foto: KTM

Ready to race?

Mehr Raum beim Entern verschafft die Demontage des Lenkrads. Ein Druck auf den Startknopf genügt nicht, um den von Audi gelieferten Turbo-Vierzylinder zu starten. Erst wenn der Pilot die Frage auf dem mittig montierten Info-Screen «Ready to race?» per Druck auf eine Lenkradtaste bestätigt und so den einwandfreien Sitz des Lenkrads quittiert, faucht das Triebwerk hinter ihm auf. Angetrieben wird der GT, bei nicht einmal 850 Kilogramm Leergewicht, von einem 2-Liter-Turbodirekteinspritzer, welcher über ein manuelles Sechsgang-Getriebe satte 285 PS und 420 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterräder abgibt. Der Motor treibt den X-Bow, gesprochen Crossbow, zwar nur gerade 231 km/h schnell, dafür beschleunigt er ihn in 4,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Verzeihen kennt der X-Bow nicht

Die vollkommene Abwesenheit von elektronischen Fahrhilfen lehrt zum bedächtigen Umgang mit dem Gaspedal. ABS, ESP, Traktionskontrolle? Fehlanzeige. Weder Lenkung noch Bremsen besitzen Hydraulikhilfen, entsprechend entschlossen wollen sie bedient werden. Und wo manch ein Kleinwagen über sechs Airbags verfügt, gibt es beim Crossbow nichts dergleichen. Sicherheit bietet einzig das zweiteilige Monocoque, eine Carbon-Crashbox und Vierpunkt- Sicherheitsgurte. Die wahre Schönheit des X-Bow gilt es fernab der Stadt zu entdecken. Vorzugsweise auf abgelegenen, kurvigen Landstraßen, wenn die vor einem freiliegenden Federbeine anfangen zu tanzen. Aber es braucht Mut, sehr viel Mut, um die Flunder an die Grenzen ihrer Beherrschbarkeit zu treiben. Dreht man zu weit auf, ist man selbst schuld und nur die eigenen Reflexe entscheiden zwischen Abflug oder Nervenkitzel. Beherzigt man dies jederzeit, dann ist die Fahrfreude gewaltig.

Supersportwagen-Niveau

Die Genauigkeit der Lenkung, das perfekt abgestimmte Sportfahrwerk und der drehfreudige Motor sorgen für ein Dauerlächeln im Gesicht der Insassen. Querbeschleunigungen von bis zu 1,80 g bei warmen Semi-Slickreifen lassen selbst Supersportwagen vor Neid erblassen. Die Front- und Seitenscheiben halten den Wind tatsächlich gut ab, doch das Vergnügen ist dennoch sehr offen.

Warme Kleidung empfohlen

Es empfiehlt sich, unterhalb der zehn-Grad-Marke stets warme Kleidung in Zwiebelmethode anzuziehen, schon deshalb falls es regnen sollte und die oberste Kleidungsschicht durchnässt ist. So geschehen auf unserer Ausfahrt den Kesselberg hinauf zum Walchensee, und über den Sylvensteinsee entlang zurück nach München. Heißt: Wenn am Horizont Gewitterwolken auftauchen, sollte man schleunigst die nächste überdachte Zuflucht aufsuchen und den Regenguss abwarten. Zwar ist für den X-Bow GT eine Art Dach zu haben, allerdings ist dies nicht mehr als eine Art Soft-Top, das nur bis 100 km/h zu verwenden ist.

KTM X-Bow GT
... eine Lenkradtaste und drückt erneut den Startknopf, bevor das hinten liegende Triebwerk los faucht Foto: KTM

Selbstbewusstsein gefragt

In der Stadt angekommen, lässt sich der GT ebenfalls relativ problemlos fahren. Das größte Problem ist höchstes, dass man in etwa auf der Höhe des Türgriffs vom Nebenwagen sitzt. Die Art von A-Säule, welche Front- und Seitenscheibe bilden, nimmt die freie Sicht in Linkskurven und das Wagenheck füllt die Rückspiegel fast vollständig aus. Eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und Kommunikationsfreude sollten potentielle X-Bow-Fahrer zusätzlich mitbringen, denn egal wo man mit ihm auftaucht, sind erstaunte Blicke und neugierige Fragen der Passanten sicher.

Weitere Informationen zum KTM X-Bow:

www.ktm.com

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