Was der Geruch über den Neuwagen aussagt

Zum Wohlfühlen im Auto zählt auch der Geruch. Der ist zwar schwer in Worte zu fassen, entscheidet aber auch darüber, ob wir ein Auto mögen oder nicht. Das gilt vor allem für Neuwagen. Hersteller überlassen da nichts dem Zufall.

Kopie von Für die Mercedes-S-Klasse sind verschiedene Duftnoten erhältlich
Für die Mercedes-S-Klasse sind verschiedene Duftnoten erhältlich Foto: Daimler

"Der Neuwagengeruch darf nicht aufdringlich sein und muss zum Auto passen", sagt Vincenzo Lucà vom TÜV. Eine zu starke Blumennote kann ebenso abschreckend sein wie ein intensiver Eigengeruch der Kunststoffe. Um eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, helfen einige Autohersteller daher durchaus auch mit Geruchsspendern nach und platzieren etwa textile Duftbänder unter den Sitzen, weiß Lucà.

"Nasenteam" sorgt für Neuwagen-Gerüche

Nahezu alle Hersteller betreiben daher einen erheblichen Aufwand, um ihre Autos angenehm riechen zu lassen. Zu stark riechende Bauteile sollen gar nicht erst ins Auto. Mercedes beschäftigt ein eigenes "Nasenteam", das sich um die Gerüche der verbauten Materialien kümmert. Bereits seit 1992 werden hierzu in einem standardisierten Test Proben entnommen, zwei Stunden lang auf bis zu 80 Grad erhitzt und anschließend von mehreren Prüfern bewertet. Die anschließende Beurteilung von "nicht wahrnehmbar" bis "unerträglich" ist ausschlaggebend dafür, ob das Material verbaut werden darf.

Sensoren "riechen" in den aufgeheizten Innenraum einer C-Klasse - Cover
Sensoren "riechen" in den aufgeheizten Innenraum einer C-Klasse Foto: Daimler

Jedes Modell hat eigenen Duft

"Unser Ziel ist es, einen angenehmen, möglichst neutralen Geruch zu schaffen", erläutert Claudia Schempp, die sich bei Daimler mit Geruchstests und Olfaktometrie befasst. Dabei wird am Ende auch noch einmal überprüft, ob die Gerüche der Bauteile in der Summe nicht doch eine unangenehme Note erzeugen. Einen Einheitsgeruch für alle Modelle gibt es nicht, weil Innenausstattung und Materialzusammensetzung in jedem Modell anders ist. Das Ziel der Geruchstester: "Der einzige Geruch, der in einem Mercedes-Benz bewusst wahrgenommen werden darf, ist der von Leder", sagt Schempp.

Werkstoffprüferin Claudia Schempp prüft ein Bauteil auf seinen Duft - Cover
Werkstoffprüferin Claudia Schempp prüft ein Bauteil auf seinen Duft Foto: Daimler

500 Bauteile auf Geruch getestet

Einen ähnlich hohen Aufwand betreibt Audi in der olfaktorischen Abteilung. Rund 500 verschiedene Bauteile werden pro Modell per Geruchstest analysiert. Auch hier ist das Ziel ein neutraler Geruch. Denn: "Das geruchslose Auto kann und wird es nicht geben, das ist auch nicht gewollt. Genauso wenig möchte man in einem schalltoten Auto sitzen", erklärt Heiko Lüßmann-Geiger, Leiter des Geruchsteams. Dennoch soll ein neues Fahrzeug einen typischen Geruch aufweisen. Ob A1 oder A8 - eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Modellen macht Audi hierbei nicht, ebenso wenig wird mit Duftstoffen nachgeholfen, sagt Pressesprecher Josef Schloßmacher.

Ein Audi wird mit Wärme bestrahlt, um Ausdünstungen aufzudecken - Cover
Ein Audi wird mit Wärme bestrahlt, um Ausdünstungen aufzudecken Foto: Audi

Die "Stinker" unter den Neuwagen

"Stinker" unter den Neuwagen aber gibt es dennoch, speziell wenn minderwertige Kunststoffe verarbeitet werden. Wer sich dadurch gestört fühlt, dem empfiehlt der TÜV-Experte Eberhard Lang intensives und langes Lüften. Denn die Dämpfe können auch müde machen und so das Reaktionsvermögen beeinträchtigen.

Geruch-Planung auch bei Gebrauchtwagen

Erwünscht ist der Neuwagengeruch auch bei Gebrauchtwagenhändlern und Fahrzeugaufbereitern. Sie betreiben einen hohen Aufwand, um die Gerüche der Vorbesitzer zu entfernen und den Geruchscocktail verschiedener Kunststoffe wieder ins Fahrzeug hineinzubringen. Schließlich soll der Gebrauchte wie ein Neuwagen wirken.

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