Toyota FCV: Da wird der Weg zur Tankstelle breit!

Um zu wissen, wovon Jürgen Drews singt, versucht es einmal mit einem Toyota FCV. Denn wenn der Wasserstoff ausgeht und die Tankstelle noch weit ist, bleibt euch immer noch ein Bett im Kornfeld.

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Auffallend sind die beiden Blechfalze über den Hinterrädern Foto: Toyota

Geschichte wiederholt sich, finden einige Historiker. Mit Blick auf den Automobilsektor könnten sie recht haben. Ende 1997 stellte Toyota den ersten Prius vor. Kaum jemand gab dem Hybrid damals eine Chance, der weitere Verlauf ist bekannt. 17 Jahre später steht eine neue Technologie bei Toyota vor dem Durchbruch: die Brennstoffzelle. Jetzt haben die Japaner ihr erstes Serienauto mit Wasserstoffantrieb vorgestellt. Sie sind zwar nicht der einzige Hersteller, der an dem Thema forscht. Aber die Beharrlichkeit und der finanzielle Aufwand, mit dem der Hybrid etabliert wurde, lassen für die Zukunft hoffen.

Einfacher Name, scharfe Optik

Die schlicht FCV (für "Fuel Cell Vehicle", also Brennstoffzellen-Fahrzeug) genannte Limousine kommt im futuristischen Gewand der im Herbst 2013 gezeigten Studie daher. Auch das ist eine Lehre aus dem Prius: Ein Auto mit alternativem Antrieb muss unkonventionell gestaltet sein, damit sich der Kunde nach außen hin von der Masse absetzen kann. Das Antriebssystem des Toyota FCV besteht aus zwei Hochdruck-Wasserstofftanks und Brennstoffzellen-Stacks, die bei der chemischen Reaktion von Wasser- und Sauerstoff Strom produzieren. Erstmals eingesetzt wurde es im FCHV, einem SUV, welches 2002 in geringer Stückzahl verleast wurde.

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Schmale Scheinwerfer leuchten die Straße aus Foto: Toyota

Bezahlbare Summen

Gegenüber damals ist der Preis für die Technik laut Toyota deutlich gesunken. Ab April 2015 soll der FCV in Japan für umgerechnet rund 50.000 Euro angeboten werden. Im Sommer des gleichen Jahres soll die Limousine in die USA und nach Europa kommen, hier steht der Preis noch aus. Die Leistung soll über 100 Kilowatt (136 PS) liegen, rund 700 Kilometer weit soll laut dem japanischen JC08-Zyklus eine Füllung Wasserstoff reichen. Bei der Brennstoffzelle arbeitet Toyota mit BMW zusammen.

Hyundai legte vor

Bereits im Jahr 2013 hatte Hyundai den ix35 Fuel Cell auf den deutschen Markt gebracht. Das SUV schafft eine Spitze von 160 km/h, die Reichweite beträgt gut 600 Kilometer. Allerdings wird der Wagen nur zu individuellen Konditionen an Firmenkunden verleast, zudem ist die Stückzahl bis 2015 auf 1.000 Fahrzeuge beschränkt. Und die Konkurrenz? Mazda befasste sich in den letzten Jahren mit einen wasserstoffbetriebenen Wankelmotor, da sich die Bauform der kreisenden Maschine gut dafür eignet. Mercedes hatte ein Brennstoffzellenfahrzeug für 2014 angekündigt, dann aber einen Rückzieher gemacht und entwickelt nun gemeinsam mit Nissan und Ford auf das Jahr 2017 hin.

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Mit futuristischem Design soll der Toyota FCV auch nach außen auf seinen besonderen Antrieb hinweisen Foto: Toyota

Das Henne-Ei-Problem

So verlockend die Vorteile der Brennstoffzelle sind (null Emissionen, hohe Reichweite, schnelles Tanken), so problematisch sind aktuell auch noch die Nachteile. Neben dem Preis für die Technik fehlt es schlicht an Wasserstoff-Tankstellen. Bis zum März 2014 waren weltweit 186 Anlagen im Einsatz. In Japan hat man 19 Standorte festgelegt, im umweltorientierten US-Staat Kalifornien sechs. Für die Zukunft sind die Ziele nicht nur von Toyota optimistisch, auch hierzulande will man im wahrsten Wortsinne Gas geben. Bis zum Jahr 2023 soll es nach den Vorstellungen der Initiative "H2 Mobility", zu der neben Shell, OMV und Total unter anderem auch Daimler gehört, über 400 spezielle Tankstellen geben. Sie sollen vor allem in Metropolen zu finden sein.

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