Toyota Aygo im Test: Für den Catwalk, nicht für den Highway!

Der Toyota Aygo zeigt Miss-Ambitionen. Nach neun Jahren präsentiert er sich schmucker denn je. Bleifuß-Fans werden auf Dauer trotzdem nicht glücklich mit ihm werden. Die Stadt bleibt sein Zuhause.

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Beim Design des Aygo dominieren nun Ecken und Kanten Foto: Toyota

Neun Jahre können eine halbe Ewigkeit sein. Zumindest im Automobilsektor. So lange ist der Toyota Aygo nämlich schon auf dem Markt. Die Kunden hat es nicht gestört, sie griffen selbst kurz vor der Ablösung noch fleißig zu. Jetzt rollt die zweite Generation an den Start.

Macht jetzt in Mode

Wie gehabt entsteht auch der neue Aygo im tschechischen Kolin und läuft dort mit seinen Brüdern, dem Citroën C1 und dem Peugeot 108 vom Band. Alle drei haben jetzt nicht mehr ganz so viel gemeinsam wie bislang. Toyota selbst spricht von gut 65 Prozent Gleichteilen, darunter die vorderen Türen. Galt der Aygo bislang als biederer, aber treuer Stadtflitzer, so wird er nun zum Mode-Trendsetter umgemodelt. Am markantesten ist zweifellos das große X-förmige Element in der Frontpartie, welches farblich abgesetzt wird. Damit nicht genug: Der Aygo-Kunde kann sich jetzt ähnlich wie beim Fiat 500 oder dem Opel Adam mit der Machete durch unzählige Farbkombinationen für außen und innen schlagen. Aber unter uns: Der gewöhnlichen Mutti von neben an dürfte so viel Lifestyle herzlich schnuppe sein.

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Deutlich harmonischer als bislang wirkt das Cockpit, hier in der Topversion Foto: Toyota

Übertriebenes Design

Fakt ist jedenfalls, dass sich der Toyota Aygo deutlich von seinen französischen Geschwistern unterscheidet. Er wirkt deutlich kantiger als 108 und C1, uns gefällt es. Gut ist die Tatsache, dass es statt der winzigen Klapptürgriffe endlich gescheite Bügel gibt. Weniger toll sind die sich verengenden hinteren Seitenfenster (wie bislang nur zum Ausstellen), die für eine enorm breite C-Säule sorgen. Dort kann sich trotz Schulterblick so einiges verstecken, etwa ein kleines Kind auf dem Fahrrad. Gerade für ein Stadtauto wie den Aygo ist das inakzeptabel.

Im Kleinformat

Wenig Begeisterung löst auch der Kofferraum aus. Hinter einer Glasklappe befindet sich ein Volumen von 168 Liter. Das ist etwas mehr als bislang, Fahrer eines alten Aygo können sich freuen, zumal zwei nicht allzu große Koffer durchaus hineingehen. Schade ist nur, dass nach dem Umlegen der hinteren Lehnen eine Stufe entsteht. Zur Ehrenrettung des neuen Aygo muss aber gesagt werden, dass er mit 3,45 Meter (plus vier Zentimeter) klar kürzer ist als ein VW Up (3,54 Meter) oder der Hyundai i10 (3,66 Meter). Das erklärt auch, warum sich große Personen auf der Rückbank eher bestraft vorkommen.

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Qual der Wahl: Insgesamt sechs Aygo-Versionen buhlen um Kunden, die verschiedenen Lackierungen noch nicht eingerechnet Foto: Toyota

Angenehmes Ambiente

Also ab nach vorne, wo uns ein aufgeräumtes Cockpit erwartet. Der Materialmix ist jetzt viel stimmiger und hochwertiger als im Vorgänger, wenngleich Hartplastik dominiert. Hinzu gesellt sich in Wagenfarbe lackiertes Blech in den Türen, wie man es auch vom VW Up kennt. Im Gegensatz dazu hat der Aygo aber einen Fensterheberschalter in der Beifahrertür. Apropos Türen: Obwohl die Breite beim kleinen Toyota gleich geblieben ist, gibt es noch genug Luft zwischen Ellbogen und Tür. Etwas mehr Platz würden wir uns zwischen dem Lenkrad und den Beinen wünschen. Zwar schwenkt es samt den Instrumenten nach oben, aber nicht weit genug. Bonuspunkte sammelt der Aygo für die gut konturierten Vordersitze mit integrierten Kopfstützen. Sie liefern vernünftigen Seitenhalt, wenngleich große Personen mangels viel Fußraum die Beine recht stark anwinkeln müssen.

Übersichtliche Auswahl

Eine überbordende Motorenvielfalt gibt es im Aygo nicht, im Gegenteil: Einzige Maschine ist der optimierte Einliter-Benziner, der es nun auf 69 PS bringt. Wer mehr will, muss zu Peugeot oder Citroën gehen. Die drei Zylinder vibrieren im Stand fröhlich vor sich hin, mit typischen Klang wieselt der Winzling durch die Stadt. Hier ist im Gegensatz zur Autobahn sein Revier. Dazu passt die recht präzise Schaltung. Auf Schnellstraßen wird die Getriebeabstufung zum Stimmungskiller, insbesondere mit dem aufpreispflichtigen Eco-Paket. Es beinhaltet unter anderem ein Start-Stopp-System und soll den Verbrauch auf 3,8 Liter senken. Erkauft wird das durch einen längeren vierten und fünften Gang.

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Links am Zentralinstrument befindet sich der Drehzahlmesser Foto: Toyota

Unlust durch Sparwillen

Machen wir es kurz: Sparen Sie sich den Aufpreis. Die Öko-Gänge sind ein Stimmungskiller, der Aygo wird damit zu Tode übersetzt. Anders ausgedrückt: Ab etwa 120 km/h wird jeder Überholvorgang zum Glücksspiel. Erschwerend kommt hinzu, dass man zwischen den Stühlen hängt: Im vierten Gang knallt die Drehzahl nach oben, im fünften Gang wirkt der Wagen wie zugeschnürt. Und das, obwohl der Motor drehen muss: Erst bei 4.300 Touren stehen die maximalen 95 Newtonmeter bereit. Exakt das gleiche Drehmoment liefern auch der VW Up mit 75 PS (schon bei 3.000 Touren) und der Hyundai i10 mit 67 PS (bei 3.500 Umdrehungen). Immerhin: Bei den erwähnten 120 km/h ist der Aygo akustisch noch akzeptabel. Überraschend gut ist das Fahrwerk, obwohl der Radstand nur 2,34 Meter beträgt. Abgesehen von kurzen Wellen ist das Abrollverhalten vorbildlich. Unser Tipp ist die höchste reguläre Ausstattung namens x-play touch. Warum regulär? Die Antwort: Es gibt noch drei so genannte Editionsmodelle mit jeweils besonderen Extras. Wer Ledersitze oder ein großes Faltdach möchte, muss zu diesen greifen.

Günstig, aber kein Schnäppchen

Doch zurück zum Toyota Aygo x-play touch: Inklusive sind ein Audiosystem mit Sieben-Zoll-Touchscreen, auf dem Handyinhalte gespiegelt werden können. Für die Navigation per Smartphone gut, Funktionen wie Facebook, Twitter oder Youtube (das nur im Stand) müssen wohl sein, um junge Menschen vom Autofahren abzulenken. Was ist noch dabei? Eine Rückfahrkamera (trotz der geringen Länge sieht man durchs Heckfenster nicht viel), 15-Zöller, eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne und ein lederbezogenes Multifunktionslenkrad.

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Zum Gepäckvolumen in dieser Konfiguration äußert sich Toyota nicht Foto: Toyota

Wertung

 

Ob Toyota gut damit beraten ist, den neuen Aygo zum trendigen Modeflitzer aufzubrezeln? Das wird die Zukunft zeigen. Prinzipiell steht ihm das eckige Design gut, was aber auch zu Problemen bei der Übersichtlichkeit führt. Nicht nur am hübscheren Innenraum zeigen sich die Verbesserungen. Auch Extras wie Ledersitze oder eine Klimaautomatik unterstreichen, dass der Aygo kein Behelfsuntersatz mehr ist. Pluspunkte sammelt der Toyota mit seinen immer noch kleinen Abmessungen und dem guten Fahrwerk. Auch der Preis ist okay, aber die Paketpolitik sorgt für Verwirrung. So gilt beim Aygo in fast jeder Hinsicht: Weniger ist mehr.

+gute Federung, praktische Abmessungen, ordentliche Ausstattung
-wenig Platz im Fond, nach hinten unübersichtlich, seltsame Paketpolitik

  • Antrieb

     80%
  • Fahrwerk

     85%
  • Karosserie

     80%
  • Preis

     80%

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