Test: Porsche Taycan Turbo S - Unter Starkstrom!

Viertürige Sportlimousine klingt am Papier eigentlich recht harmlos. Porsches erstes E-Auto ist eher so etwas wie ein Beschleunigungsmonster, das gleichzeitig überraschend alltagstauglich ist.

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Porsche Taycan Turbo S Foto: Peter Christian Mayr
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Porsche Taycan Turbo S Foto: Peter Christian Mayr

Porsche investiert bis 2022 die unglaubliche Somme von sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität! Das zeigt schon, wohin die Reise geht! Allerdings sollte man den Taycan nicht als E-Auto bezeichnen, auch viertürige Coupé-Limousine wird dem Fahrzeug nicht gerecht. Wir sollten hier ohne Übertreibung von einer elektrischen Kanonenkugel sprechen. Ein Beispiel: Wir wollten während des Tests die Beschleunigung von Null auf 100 km/h mit dem Handy filmen und dabei den Tacho im Blick behalten. Erst der fünfte Versuch hat geklappt. Die 761 PS mit Overboost in Zusammenspiel mit der Launch-Control schlagen derart kraftvoll zu, dass es unmöglich ist ein Smartphone in Position zu halten. Die angegebenen 2,8 Sekunden für den Turbo S bis zum Hunderter fühlen sich definitiv wie eine Achterbahnfahrt an. Die Bezeichnung Turbo S bezieht sich natürlich nicht auf einen eingebauten Turbo – es soll nur ein Brücke zu den Benzinmodellen herstellen. Ein Turbo S am Heck bedeutet auch beim Elektro-Taycan, dass da die scharfe Version unterwegs ist. 

 

Volle Ladung.

Der Taycan ist mit je einer Steckdose auf der Fahrerseite (Haushaltsstrom) und einer auf der Beifahrerseite (Schnellladesystem) ausgestattet. Wer nicht in der Bedienungsanleitung nachschaut (z.B. Motorjournalisten, die glauben eh alles zu wissen) schaut vorerst ein bisserl blöd aus der Wäsche. Irgendwie gehen die Ladedeckel nicht auf. Das Geheimnis: Mit dem Finger einfach über einen kleinen „Spoiler“ am Deckel wischen und schon öffnet das Ding elektrisch wie von Geisterhand. 

Die Systemspannung von 800 Volt ist doppelt so hoch, wie man es von E-Autos gewöhnt ist. Das ermöglicht kurze Ladezeiten.Vorausgesetzt, es ist eine geeignete Schnellladestation zur Hand, die mit gewaltig viel Power die Batterien lädt. So kann der Taycan in 22 Minuten auf 80 Prozent Batteriekapazität geladen werden. Zur Schonung der Akkus geht’s dann die restlichen 20 Prozent langsamer zur Sache. Während einer Kaffeepause ist das Laden so also möglich. An der gewöhnlichen Haushaltssteckdose kann schon auch geladen werden. Da gehen sich aber dann einige Liter Kaffee aus. Beim Test an einer solchen Steckdose, sind es eher Tage als Minuten. An der montierten Wallbox geht’s wiederum schneller. Wie weit kommt der Porschefahrer mit einer vollen Ladung? 412 Kilometer sollen es laut Hersteller sein. Wie viel es wirklich ist, trauen wir uns nicht zu sagen, denn man tritt immer wieder versehentlich aufs "Gaspedal“, um immer weiter erstaunt zu sein, wie brutal das Ding beschleunigt. Sagen wir es so: durch den geringen cw-Wert von 0,22 und bei braven 100 km/h auf der Landstraße kommt man bei normalen Außentemperaturen wohl 350 Kilometer weit. Wie gesagt, abhängig vom Gasfuß des Fahrers. Soweit unsere (wohlgemerkt) Schätzung! 

 

Auf Kurvensuche.

Vier Fahrmodi stehen zur Auswahl: Range, Normal, Sport, Sport Plus und Individual. Wobei ohnehin immer abartig viel Kraft auf alle vier Räder verteilt wird und es im Grunde eh wurscht ist, ob man da noch ein paar Zehntel in der Kurve rausholt. An dieser Stelle müssen wir den Ingenieuren ein echtes Lob aussprechen. Zwar darf man bei einem derart hohen Startpreis über 100.000 Euro schon ein tolles Fahrwerk erwarten. Aber der Taycan pickt wirklich auf der Straße. Das hängt unter anderem mit dem extrem niedrigen Schwerpunkt zusammen. Sogar tiefer als des eines 911ers. Die Batterien liegen ja im Fahrzeugboden! Der Deutsche ist nicht zuletzt durch die Akkus relativ sehr schwer (2,3 Tonnen) was aber keinesfalls auffällt. Zwei E-Motoren auf Vorder- und Hinterachse liefern Kraft an alle vier Räder. Auch die Bremsen sind extrem gut dosierbar und helfen brav mit den wilden Porsche zum Stehen zu bringen. Was uns noch aufgefallen ist: E-Autos sind in der Regel logischerweise sehr leise. Dadurch fallen andere Fahrzeug- und Windgeräusche besonders auf. Im Porsche ist es eigentlich immer still. Hier wurde extrem viel Wert auf Dämmung gelegt. Wer übrigens unbedingt Sound verbreiten will, kann einen elektronischen Motorsound abrufen. Nett aber nicht unbedingt notwendig – außer in der Stadt, damit so der Fußgänger den herannahenden Porsche mitbekommt. Also eher ein Sicherheitsfeature.

 

Alltag.

Den Taycan als Familienauto zu bezeichnen, wäre leicht plemplem. Immerhin kostet der getestete Taycan Turbo S mit überkompletter Ausstattung um die 214.000 Euro und irgendwie kann sich so etwas keine Familie leisten. Trotzdem konnten wir als Familie zu viert im Sportler Platz finden ohne klaustrophobisch zu werden. Und: im Kofferraum hinten passen 366 Liter und vorne sind es auch noch einmal 81 Liter. Ein abartiger Wochenendkauf für eine vierköpfige Familie war überhaupt kein Problem. Zudem fühlt sich der Taycan keinesfalls hart an. Im „Normalmodus“ sind Langstrecken überhaupt kein Problem! 

 

Ganz ohne Knöpfe.

Im Porsche Taycan läuft praktische alles über die verschiedenen Screens. Nur am Lenkrad gibt es die üblichen Buttons sowie das kleine „Porsche-Spaß-Fahrdynamik-Drehrad“. Interessanterweise hat Porsche auch an den Beifahrer gedacht. Dieser kann Musik oder Navi praktisch direkt vor vor der Nase vom Beifahrersitz bedienen. Das funktioniert, solange der Fahrer nicht voll beschleunigt – da kommt man dann mit den Fingern nicht mehr an den Bildschirm. Was sehr lustig zu beobachten ist... Den speziellen Screen gibt’s gegen Aufpreis. Ansonsten wirkt das Interieur, wie von Porsche gewohnt. Alles hochwertig und man weis gleicht wo man drinnen sitzt – eben in einem Porsche. 

 

Fazit: Elektromobilität ist auf dem Vormarsch und das mit gutem Grund. Der Taycan ist zwar kein normales Auto, zeigt aber gut was E-Mobilität theoretisch kann. Ein Sportwagen mit  unglaublicher Beschleunigung, relativ guten Platzverhältnissen, schönem Design (ohne 911er-Augen) und sogar Alltagstauglichkeit. Viel besser kann man ein Auto wahrscheinlich nicht bauen. Alleine das Fahrverhalten ist kaum zu überbieten. Aber auch ein Auto, dass preislich in einer anderen Liga fährt und somit ökonomisch gesehen auch in einer anderen Liga unterwegs ist. Während bei so manchen Sportwagen die Beschleunigungswerte eher kaum zu erreichen sind – wirkt der Taycan so, als würde er noch schneller sein. Und wir stellen uns schon die Frage, was denn jetzt noch noch kommen soll. Viel schneller, wilder, brutaler kann ein Auto nicht beschleunigen.

 


 

Fahrzeugdaten Porsche Taycan Turbo S

Reichweite: 412 Kilometer

0-100 km/h: 2,8 Sekunden 

Antrieb: Allrad

Leistung: 761 PS (Overboost)

Länge: 4,96 Meter

Spitze 260 km/h

Stromverbrauch: 27 kWh/100km

Leergewicht: 2.300 kg

Getriebe: AG2-Automatik

Startpreis Taycan 4S /Preis Testfahrzeug:EUR 109.230,-/EUR 214.500,-


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