Porsche Cayenne S: Der Super-Sportler unter den SUVs

Porsche hat sein großes SUV geliftet. Vor allem der Cayenne S profitiert davon. Ein V6-Turbo ersetzt hier den V8-Sauger. Sparsamer, schneller, besser - aber ist es wirklich so einfach? Eine Testfahrt brachte Gewissheit.

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Der neue Porsche Cayenne S startet bei mindestens 80.000 Euro. Foto: Porsche

Die herrlichen 3,4- und 3,8-Liter-Boxer in Carrera und Carrera S werden durch kleinere Turbo-Maschinen ersetzt. Und was bitte hat das mit dem Cayenne S Facelift zu tun? Nun, auch hier wird jetzt zwangsbeatmet. Aus 4,8-Liter-V8 mach 3,6-Liter-V6-Biturbo. Alles im Sinne der Umwelt natürlich und besser gehen soll er auch noch. Wesentlich.

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Die Fahrleistungen sind nun besser, der Verbrauch etwas niedriger Foto: Porsche

Motor aus dem Macan Turbo

Dafür verantwortlich macht Porsche den Motor aus dem kleineren Macan Turbo. Im Cayenne S leistet die Eigenentwicklung allerdings nochmal 20 PS mehr. Mit 420 PS und 550 Newtonmeter übertrifft der Biturbo den alten V8 um Längen. Dazu knallt er das Sport-SUV vier Zehntel schneller auf 100 km/h (5,5 statt 5,9 Sekunden) und soll im Schnitt 0,9 Liter weniger verbrauchen. Ob es bei einem 2,2-Tonnen-Laster erwähnenswert ist, dass die Achtgang-Tiptronic nun in Verbindung mit dem optionalen Sport-Chrono-Paket über eine Launch-Control verfügt, weiß ich nicht. Erwähnt habe ich es jetzt aber. Und eine Zehntel-Sekunde von null auf 100 km/h bringt es auch noch. Also ist alles gut.

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Das Interieur des Cayenne S wurde etwas feiner gestaltet Foto: Porsche

Mehr Schub, mehr Beliebigkeit

Das Aggregat selbst teilt das Schicksal der meisten bockstarken Turbomotoren neuerer Prägung. Es macht das an ihm hängende Gefährt völlig mühelos unglaublich schnell und zwar relativ unabhängig von der Drehzahl. Das alles passiert sehr elegant, gleichmäßig und auch im letzten Viertel des Drehzahlmessers noch erfreulich motiviert. Bleibenden Eindruck, in Form von strammstehenden Härchen auf dem Unterarm oder dem Wunsch, aus dem Motor unverzüglich einen legendären Wohnzimmertisch zu bauen, hinterlässt die neue Antriebsquelle des Cayenne S aber nicht. Das könnte auch am etwas enttäuschenden Soundtrack liegen. Perfektion schlägt Emotion. Eine Feststellung, die sich bei der Achtgang-Box verbietet. Nein, keine Sorge, sie schaltet perfekt. Perfekter denn je höchstwahrscheinlich. Aber unter Volllast haut sie die nächste Stufe rein wie ein beleidigter Lamborghini Aventador. Da rappelts im Gebälk. Hier ist das sportlichste SUV auf dem Markt. Das darf man hin und wieder auch mal spüren. Der Cayenne S ist wirklich beeindruckend handlich und er driftet sogar, wenn man das will.

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Bugteil und Kotflügel wurden geändert. Außerdem ist die Motorhaube nun breiter Foto: Porsche

Leichte Innenraum-Politur

Der Mehrheit der Cayenne-Kundschaft dürfte das lebendige Heck ihres SUVs jedoch reichlich egal sein. Viel mehr soll man sich gescheit wohlfühlen können in der großen weiten Kanzel. Aus diesem Grund hat Porsche dem Cayenne ein neues Sportlenkrad geschenkt, das so ähnlich auch in Zuffenhausens Hybrid-Mega-Sportler zu finden ist. Wüsste man es nicht besser, man könnte fast denken, man säße in einem Porsche 918, der auf einer Hebebühne steht. Ein bisschen Schliff an Material und Verarbeitung gab es auch noch und wären da nicht nach wie vor 375 Knöpfe auf der Mittelkonsole, das Cayenne-Cockpit wäre ein Muster an sportlich-technokratischer Hochwertigkeit. Wenn es auch in einem Range Rover Sport noch ein Eck verschwenderischer zugeht. Wenig zu meckern gibt es seit Cayenne-Generation Zwei ja beim Fond- oder Kofferraum. Hier hat sich mit dem Facelift völlig überraschend nichts geändert. Praktisch ist allerdings, dass sich - so man denn auch brav das Luftfahrwerk bestellt hat - die Ladekante nun per Knopfdruck um 5,2 Zentimeter senken lässt.

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Die Schaltpaddles fühlen sich sehr hochwertig an. Der Achtgang-Automat schaltet schnell und unter Zug durchaus ruppig Foto: Porsche

Wertung

 

Mit dem neuen Biturbo-V6 wird der Porsche Cayenne S schneller und ein wenig sparsamer, verliert aber auch ein Stück weit an Charakter. Die Fahrwerksmodifikationen machen das Sport-SUV spürbar komfortabler, ohne an seiner nach wie vor verblüffenden Fahrdynamik zu rütteln. Wer auch nur ein Fünkchen für Fahrspaß übrig hat, kommt in dieser Klasse am Cayenne nicht vorbei. Schwächen gibt es, auch dank des verbesserten Interieurs, so gut wie keine. Das Infotainment ist bei anderen Herstellern wie BMW allerdings besser umgesetzt.

+durchzugsstarker Motor, grandiose Fahrdynamik, besserer Federungskomfort, gutes Platzangebot
-Motor weniger emotional, Normverbrauch in weiter Ferne, Infotainment etwas veraltet

  • Antrieb

     85%
  • Fahrwerk

     95%
  • Karosserie

     90%
  • Kosten

     80%
 

 

Fan-Artikel von Porsche:

w3.porsche.at

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