So machen sich Biker fit für die Motorrad-Saison

Von Workout über Fahrtraining bis hin zur Reinigung des Zubehörs: Nach dem langen Winter sollten es Motorradfahrer langsam angehen lassen. Die folgenden Tipps helfen, um optimal und sicher in die neue Saison zu starten.

Motorrad Biker Natur Straße - Cover
Viele Motorradfahrer können es kaum erwarten, nach der Winterpause wieder "auf Tour" zu gehen Foto: Anna Omelchenko/iStock/Thinkstock

Motorradfahren ist Sport. Wer sich vor dem Saisonstart nicht vorbereitet, wird schon nach wenigen Kilometern spüren, dass er untrainiert ist. Deshalb raten Experten vor der ersten Fahrt zu gezieltem Training.

Langsam starten

Denn dabei reagiert der Körper wie beim Hochleistungssport: Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen. Am Helm zerrt der Wind, drückt auf Nacken und Schulter, die linke Hand greift ständig am Kupplungshebel, die rechte dreht sich mit dem Gasgriff. "Wer nicht im Herbst und Winter Sport in seinen Alltag integriert hat, wird bei der ersten Fahrt schnell überfordert", sagt Expertin Diana Sprung. Nach der monatelangen Pause sei es sinnvoll, es am Anfang der Saison langsamer angehen zu lassen. "Der alljährliche Start in die Motorradsaison ist, wenn auch verkürzt, mit den ersten Fahranfängen vergleichbar." Sie rät: Etwas Zeit nehmen, um wieder zu lernen. Wer vor der ersten Tour seinen Körper trainiert, hat es deutlich leichter und fährt sicher.

Fit durch Workout

Experten raten zum ausgewogenem Cardio-Training wie im Fitnessstudio oder beim Joggen. Auch Nacken, Schulter, Hüfte und Oberschenkel sollten durch Krafttraining gestärkt werden. Empfehlenswert: ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining, zum Beispiel ein Zirkeltraining. Mountainbiker, Skifahrer, Schlittschuhläufer und Jogger trainieren automatisch die fürs Biken wichtige Muskulatur. Und nicht nur die, sondern auch den wichtigen Gleichgewichtssinn. Spezielles Unterarmtraining und Handtraining kräftigt die nötigen Muskeln und Bewegungsabläufe fürs Kuppeln, Bremsen und Gasgeben.

Sicherheit trainieren

Achim Kuschefski, Experte für Zweiradsicherheit, rät zu einem Sicherheitstraining, egal ob für Anfänger oder routinierte Fahrer. Das sei nicht nur nützlich, um wieder in den Fahrfluss zu kommen, sondern auch, um dazuzulernen und das Können zu verbessern.

Auf dem Parkplatz fahren

Ähnlich sieht das der Verkehrssicherheitsexperte Jürgen Bente: "Bei vier Monaten Pause ist es wie bei anderen Sportarten: Man kann nicht erwarten, dass der Fahrer sofort alle Bewegungsabläufe drin hat und wieder topfit ist." Viele Organisationen bieten Kurse vom Basis- bis hin zum Perfektionstraining an. Hilfreich zum Start in die Saison sind aber auch Fahrübungen auf einem Parkplatz. "Im Endeffekt profitieren alle Verkehrsteilnehmer davon", sagt Bente.

Umstieg von Auto auf Motorrad

Biker, die im Winter hauptsächlich im Auto saßen, müssen wieder daran denken, dass sie auf dem Zweirad keine Knautschzone haben. Deshalb rät Bente zu einem früheren Bremsen: "Lieber fünf Meter zu früh bremsen als einen Meter zu spät." Auch Autofahrer gewöhnen sich erst wieder langsam an die Zweiradfahrer, ihre Beschleunigungskraft und ihre schmale Silhouette. Dagegen hilft zumindest optisch auffällige und kontrastreiche Bekleidung mit Leuchtstreifen.

Kurze Strecken zum Auftakt

Während den ersten Touren sollten es die Fahrer nicht übertreiben: Bei kurzen und weniger anspruchsvollen Strecken kommt der Biker leichter ins flüssige Fahren. "Ein behutsames Herantasten an Schräglagen ist hilfreich, das über den Winter verblasste Gefühl dafür wieder aufzufrischen", sagt Kuschefski. Nach rund einer Stunde Fahrt halten zehnminütige Pausen mit ein paar Gymnastikübungen die Gelenke geschmeidig und fördern gleichzeitig die Konzentration. Bei Touren an kühlen Frühlingstagen schützen Thermounterwäsche, dicke Socken und Innenhandschuhe vor Kälte - und Konzentrationsverlust. Denn Kälte und Wind zehren an der Kondition. Für die Koordinationsfähigkeit beim Motorradfahren sind deshalb warme Gliedmaßen wichtig.

Schutzausrüstung reinigen

Wurde die Schutzausrüstung nicht am Ende der vergangenen Saison gereinigt, sollte das spätestens jetzt geschehen. Bei den meisten Motorradkombis lässt sich das Futter herausnehmen. Die Oberfläche wird mit mildem und speziellem Shampoo gewaschen, das Innenfutter in der Waschmaschine. Anschließend wird die Kombi imprägniert - das schützt vor Regen und Kälte. Lederkombis lassen sich mit Lederseife reinigen und freuen sich anschließend über Lederfett. Außerdem sollten Handschuhe und Stiefel gründlich kontrolliert werden und eine frische Schutzschicht bekommen.

Helm rüsten

Ganz wichtig: der Helm. Das Visier muss sauber und kratzfrei sein. Lässt es sich nicht mehr reinigen, gehört es ausgetauscht. Mit geeignetem Fett wird die Visier-Mechanik wieder leichtgängig. Wenn ein Helm bei einem Unfall getragen wurde, sollte er - unabhängig von dem äußeren Zustand - unbedingt ersetzt werden. Auch wenn Motorradhelme kein Verfallsdatum haben: Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollte ein neuer Helm den Kopf zieren. Sicher ist sicher. Nicht nur am Anfang der Saison.

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