Auto mit "Rückgrat": Vor 40 Jahren erschien der erste 3er BMW

In den 70er Jahren war der 3er der Traumwagen vieler Väter und heute ist er bei BMW der wichtigste Spieler auf dem Platz: Vor 40 Jahren begann seine Erfolgsgeschichte. Und auch nach über 14 Millionen Exemplaren ist ein Ende nicht absehbar.

Der 3er BMW - Cover
Der 3er BMW ist mittlerweile in der sechsten Generation Foto: BMW

Intern als Baureihe E21 geführt, trat die 4,36 Meter kurze Limousine vor 40 Jahren die Nachfolge des 02ers an - und damit ein schweres Erbe. Schließlich galt die kleine Baureihe damals als eines der dynamischsten Autos, das sich Normalverdiener leisten konnten. Nachdem die erste Ölkrise vorbei und das generelle Tempolimit von 100 km/h auf der Autobahn wieder aufgehoben war, legte BMW tatsächlich nach und machte aus dem 3er so etwas wie einen Sportwagen für den Alltag - soweit man bei einem Basismotor mit 1,6 Litern Hubraum und 66 kW/90 PS im 316 tatsächlich von Sportwagen sprechen kann.

Duell mit Audi und Mercedes

Aber es gab ja vom Start weg auch schon einen 320 mit 2,0-Liter-Motor und 80 kW/109 PS, der immerhin in 11,2 Sekunden auf 100 km/h sprintet und bei Vollgas 170 km/h schafft. Und zwei Jahre später folgte der 323i mit Sechszylinder-Triebwerk, das aus 2,3 Litern Hubraum 105 kW/143 PS schöpft und ein Spitzentempo von 190 km/h ermöglicht. Dazu kommt, dass der anfangs nur als Zweitürer lieferbare 3er mit seinem wie eine Haifischnase nach vorn geneigten Kühlergrill, dem Powerdome auf der Motorhaube und der schlanken Silhouette schnittiger aussah als ein Audi A80 oder der barocke Strich-Achter von Mercedes, mit denen er um die Vorherrschaft in der noch jungen Mittelklasse rang.

"Fahrer im Mittelpunkt"

"Endlich mal ein sportliches Auto, das nicht von Opel oder VW kam", erinnert sich Roland Linke, der von Duisburg aus die Internetseite E21-Board.de betreibt und zu den Kunden der ersten Stunde zählt. Was ihn neben dem damals von Autotestern hochgelobten Fahrverhalten am meisten angesprochen hat am 3er, das war die neuartige Ergonomie: "Egal ob Golf I oder BMW 02 - dort war das Armaturenbrett gerade wie ein Brett. Der E21 hat mit seinem stark geneigten Cockpit zum ersten Mal den Fahrer in den Mittelpunkt gerückt."

Der 3er BMW - Cover 2
Auch der 3er BMW musste sehr sportlich wirken Foto: BMW

Teure Extras

Allerdings mussten BMW-Kunden dafür recht tief in die Tasche greifen: Zur Markteinführung im August 1975 kostete der 316 nach Angaben des deutschen 3er-Clubs 13.600 D-Mark - und Finessen mussten extra bezahlt werden, etwa das umschäumte Lenkrad, der abschließbare Tankverschluss oder die Ausstellfenster hinten. Viele Wettbewerber waren zum Teil deutlich günstiger. BMW griff den preislichen Abstand in einem TV-Werbespot selbstbewusst auf: "Das Streben nach Vollkommenheit ist auch beim Automobil nicht billig, aber lohnend."

Erfolgsmodell von Anfang an

Der sportliche Zuschnitt, ein Design aus der Feder von Paul Bracq, das laut Linke traditionelle 02er-Elemente wie die steile Niere und den Hofmeister-Knick an der C-Säule übernimmt, ohne altbacken zu wirken, viel Platz und eine ordentliche Ausstattung - das kam offenbar an. Die Modellreihe brachte dem Münchner Autobauer "einen weit über unsere Erwartungen reichenden Erfolg", wie damals BMW-Chef von Kuenheim in einer Zeitungsanzeige erklärte.

BMW-interner Rekord

Als die Baureihe E21 nach acht Jahren 1983 eingestellt wurde, hatte sich der 3er nicht nur als Held im Mittelfeld etabliert, sondern auch firmenintern alle Rekorde gebrochen, sagt E21-Experte Linke: Mit einer Stückzahl von rund 1,36 Millionen Exemplaren war er der erste BMW in der Geschichte, der mehr als eine Million mal gebaut wurde.

Diesen Rekord konnte der E21 allerdings nicht lange halten. Denn die Millionen-Grenze ist für die Nachfolger keine ernstzunehmende Hürde mehr: Der zweite 3er, intern E30 genannt und bereits ab 1982 produziert, kam auf 2,3 Millionen Einheiten. Für dessen Nachfolger E36 (ab 1990) nennt die BMW-Chronik 2,7 Millionen Stück. Der 1998 präsentierte E46 wurde bis 2005 rund 3,3 Million Mal produziert. Der anschließende E90 erreicht bis 2013 etwas mehr als 3 Millionen Einheiten, und das aktuelle Modell der Serie F30 steht auch schon mit über 1,5 Millionen Exemplaren in den Büchern.

Vom Topseller zur Rarität

Doch selbst ein Topseller wird offenbar irgendwann mal zur Rarität. Der Bestand an 3ern der ersten Generation umfasst laut Roland Linke in Deutschland nur noch rund 4.000 Fahrzeuge. Und im übrigen Europa dürften es zusammen nicht einmal ganz so viele sein, schätzt er. "Obwohl vom ersten 3er viel mehr Exemplare gebaut wurden als von seinem Vorgänger aus der 02er-Reihe, ist der Bestand heute wahrscheinlich sogar kleiner", so Linke.

Trotzdem gibt es noch ein vergleichsweise großes Angebot an 3ern, die nicht komplett verrottet oder schon vollständig restauriert sind. "Man findet immer wieder Autos, mit denen man nach ein paar kleinen Schönheitsreparaturen sofort losfahren kann", beschreibt Linke die Marktlage: "Das reicht dann nicht für einen Concours-Gewinn, aber man muss damit auch nicht erst mal ein halbes Jahr in die Werkstatt."

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