Spyker ist pleite: Das Aus der Sportwagenschmiede

Es ist noch nicht lange her, da half der niederländische Sportwagenhersteller Spyker der maroden Schwedenmarke Saab aus der Patsche. Nun hat es die Holländer selbst erwischt. Das Ende eines Unternehmens, aber auch einer Ära.

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Der kleine holländische Autohersteller Spyker ist pleite. Das bekannteste Auto der Marke ist der C8 (Bild) Foto: Spyker

Spyker ist pleite. Dies teilte die holländische Sportwagenschmiede nun selbst mit. Das zuständige Distriktsgericht hatte dem Unternehmen noch am 2. Dezember 2014 Gläubigerschutz verliehen. Nun wurde dieser jedoch beendet und die Firma für zahlungsunfähig erklärt. Grund: Der erhoffte Überbrückungskredit traf nicht rechtzeitig bei Spyker ein.

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Die Ursprünge von Spyker reichen bis ins vorletzte Jahrhundert zurück Foto: Spyker

Von einer goldenen Kutsche bis zur Formel 1

Das Aus für die Firma kam nicht ganz unerwartet. Es war bekannt, dass die Sportwagenproduktion nicht profitabel war. Gegründet wurde die Firma 1999 von dem niederländischen Juristen und Unternehmer Victor R. Muller. Er erwarb die Rechte an der Marke, die 1880 als Kutschenbauer auf die Welt kam - das bekannteste Fahrzeug der ursprünglichen Firma ist übrigens die goldene Kutsche, mit der die holländische Königin jährlich zur Eröffnung des Parlaments fährt. Später wurde aus der Ur-Firma Spyker ein Auto- und Flugzeughersteller, der 1926 aufgelöst wurde. Ab 2005 begann die neue Firma Spyker die Produktion in Zeewolde, östlich von Amsterdam. Gefertigt wurde der Sportwagen C8, der von einem 4,2-Liter-V8 aus den Audi-Regalen angetrieben wurde. 2007 stieg Spyker durch den Kauf des Formel-1-Stalls Midland F1 in den Rennsport ein. Nach nur einem Jahr wurde das Team aber schon wieder verkauft - es tritt nun als Force India an.

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Im Inneren des C8 geht es klassisch-metallisch zu - Holz ist ja auch was Bürgerliches ... Foto: Spyker

Auf den C6 folgt der C12

2008 brachte Spyker mit dem C12 einen zweiten Sportwagen auf den Markt, der den Sechsliter-W12 von VW unter der Haube hatte. Im Februar 2010 erwarb Spyker die marode Marke Saab von General Motors. Danach hieß es zunächst, Spyker wolle das Sportwagengeschäft verkaufen und sich auf Saab konzentrieren. Doch Saab war schon 2011 am Ende, und der Einstieg chinesischer Investoren scheiterte. Nun hat es auch Spyker selbst erwischt. Muller allerdings lässt den Kopf nicht hängen, sondern zitiert Winston Churchill: "Das ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Es ist wahrscheinlich das Ende des Anfangs." Er (Muller) wolle am Wiederaufstieg von Spyker arbeiten. Die Firma solle später mit einem Hersteller elektrisch angetriebener Flugzeuge fusionieren und revolutionäre Spyker-Produkte entwickeln. Fantasterei oder Unternehmersinn? Jedenfalls entspricht diese Denke dem Firmenmotto: "Für den Beharrlichen ist kein Weg ungangbar." (Nulla tenaci invia est via.)