Je mehr Patina, desto lieber: Gebrauchsspuren am Oldtimer sind "in"

Mit Oldtimern ist es manchmal wie mit Jeans. Gebrauchsspuren sind erwünscht, der individuelle Look zeugt von Authentizität. Wie bei speziellen Waschungen für das Beinkleid gibt es daher auch für alte Autos künstlich erzeugte Patina.

Oldtimer - Cover
Foto: thinkstockphotos.com

Kratzer und Dellen, verblichener Lack, brüchige Vinyldächer oder schlichtweg Rost: Die Young- und Oldtimerszene diskutiert derzeit intensiv darüber, was erhaltenswerte Originalität ist und was doch nicht mehr als charmante Patina durchgeht. "Es gibt viele Schattierungen zwischen Restaurierung und Patina-Erhalt", sagt Gundula Tutt, die sich als Restauratorin mit der Frage der Authentizität immer wieder eingehend beschäftigt. Nicht auf alles, was alt ist, sei der Begriff Patina anwendbar.

Leder-Abrieb

"Patina ist das, was durch den normalen Gebrauch und die normale Alterung entsteht. Dazu gehört unter anderem, dass Leder sich mit der Zeit abreibt", erläutert die Geschäftsführerin die Firma Omnia, die sich in Vörstetten-Schupfholz nahe Freiburg auf die Restaurierung von Oldtimern spezialisiert hat. Ein Unfallschaden wie ein verbeulter Kotflügel oder nach einer Beschädigung durchrostete Stellen im Blech gehören nicht dazu.

Kleine Risse normal

Doch wie sieht es mit sogenannten Scheunenfunden aus? Wie kann hier beurteilt werden, ob das Fahrzeug restaurierungsbedürftig oder erhaltenswert ist? "Patina entsteht auf dem originalen Material", erklärt die Expertin. "Wenn es kleine Risse bekommt, ist das normal." Schmutz könne dagegen entfernt werden. Der Idealfall ist, dass die Spuren, die aus dem Leben des Fahrzeugs erzählen, erhalten bleiben.

Oldtimer
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Mehr Schein als Sein

Dabei gilt aber auch bei den Oldtimern: Manchmal gibt es mehr Schein als Sein. Immer öfter sichten Fachleute auf Oldtimer-Messen sowie im privaten Handel künstlich erzeugte Patina. Es wird nur so getan, als trage das Fahrzeug Lebensspuren. "Da wird etwas - wie im Landhausstil - als gefällige und ansprechende Aura aufgetragen." Gundula Tutt kann Fälschungen erkennen - zum Beispiel wenn es verdächtig gleichmäßig runde Polierstellen gibt, die so in einem Autoleben nie entstanden wären. Welches finanzielles Potenzial die Gebrauchsspuren eines Autos bergen können, zeigt ein unrestaurierter Mercedes-Benz Flügeltürer. Er brachte kürzlich bei einer Auktion über eine halbe Million Dollar mehr als ein restauriertes Exemplar.

Nicht von Patina blenden lassen

Die neue Wertschätzung ehrwürdiger Gebrauchsspuren erfordert jedoch erhöhte Aufmerksamkeit. "Wer einen Oldtimer mit Patina kaufen möchte, sollte genau hinsehen", rät Mario De Rosa, Vorsitzender des Vereins Initiative Kulturgut Mobilität: "Dreck, Schäden und Materialien wie alte Aufkleber müssen in Augenschein genommen werden." Wer nicht zwischen sogenannter gemalter und echter Patina unterscheiden kann, sollte dringend den Rat eines Experten hinzuziehen.

Verfärbungen im Leder werden zur Patina gezählt - Titel
Foto: APA (dpa/tmn/Gundula Tutt)

Respekt vor dem Alter

Grundsätzlich bewertet der Oldtimer-Fachmann den Trend zum Erhalt der Patina bei Autos aber positiv. "Die Angleichung an das historische Gesamtbild soll zur gängigen Methode werden", findet De Rosa. "Das ist für die Branche eine Respektsbekundung gegenüber dem automobilen Kulturgut." Zugleich schätzt der Experte, dass Hochglanzautos beliebt bleiben.

Börse für Oldtimer-Fans:

www.automobile.at

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