Das Wohnzimmer im Gepäck: der US-Klassiker Airstream kehrt zurück

Auf der Oldtimermesse Klassikwelt Bodensee (23. bis 25. Mai 2014) wird der neue Airstream-Wohnwagen namens "684" vorgestellt. Wir erzählen Ihnen die spannende Geschichte der Silberzigarren aus Amerika.

Kopie von Airstream: Der Traum vom Reisen_16
Der neue Jeep scheint einen Oldtimer-Anhänger zu ziehen Foto: Airstream

Auf der Oldtimermesse Klassikwelt Bodensee (23. bis 25. Mai 2014) wird der neue Airstream-Wohnwagen namens "684" vorgestellt. Das speziell für Europa entwickelte Modell debütierte zwar schon im Herbst 2013 auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf, steht aber pünktlich zum Beginn der neuen Saison wieder im Rampenlicht. Auf die Klassik-Messe passt der Wohnanhänger bestens: Sein Design macht den Airstream bereits seit vielen Jahren zum Klassiker.

Zelt auf einer Ford-Plattform

Technisch ist auch die neueste Auflage natürlich up to date und bietet so viel Komfort, wie man das im Jahr 2014 erwartet. Das sah zum Beginn der Airstream-Karriere natürlich anderes aus. Die Geschichte fing an, als der Amerikaner Wallace "Wally" Merle Byam im Jahr 1929 das Fahrgestell eines Ford Model T kaufte und es an seinen Wagen hing. Mit diesem Gespann fuhr der damals 35-jährige nebst Ehefrau Marion zu einem Campingplatz in den romantisch-mystischen Blue Mountains von Oregon und baute auf der Plattform sein Zelt auf.

Bauanleitung für einen Dollar verkauft

Doch die Gattin beschwerte sich schnell über das mühsame und raue Leben im Zelt. Also tat Wally das, was jeder gute Gatte getan hätte: Er wollte seiner Frau das Campingleben im nächsten Urlaub erleichtern. Auf das Fahrgestell wurde eine Dauerunterkunft gebaut, aerodynamisch in Tränenform gestylt. Da hinein kamen ein Kerosin-Ofen und ein kleiner Kühlschrank. Seine Frau und Wally waren zufrieden, also veröffentlichte er unter der Überschrift "Wie man für einhundert Dollar einen Wohnwagen baut" einen Artikel im Magazin "Popular Mechanics". Dessen Leser wollten weitere Infos und eine detaillierte Bauanleitung. Der Herausgeber bat ihn, diese für zehn Cent pro Stück zu verschicken. Doch Wally war cleverer: Er schaltete eine Anzeige im Magazin, in der er seine Bauanleitung als Büchlein für einen Dollar das Stück anbot. Das brachte ihm 15.000 Dollar ein, für damalige Zeiten ein Riesenbatzen Geld.

Airstream: Der Traum vom Reisen_9
Im Lauf der Jahre wurde an den Airstream-Modellen nur wenig geändert Foto: Airstream

Fortbewegung wie ein Luftzug

Der Rest der Geschichte geht so weiter, wie wir uns die Erfüllung des amerikanischen Traums vorstellen. Ein handwerklich wenig geschickter Nachbar bat Wally, ihm einen Wohnwagen zu bauen. Kaum war dieser fertig, wollte ein weiterer Nachbar auch einen. Dann beschwerten sich die anderen Nachbarn über den vielen Lärm, und Wally mietete ein Gebäude. Im Jahr 1932 standen die ersten Wohnwagen zum Verkauf. Mister Byam nannte sie "Airstreams", denn "sie bewegen sich auf der Straße wie ein Luftzug - like a stream of air."

1935: Wally kauft Bowlus-Teller

Im Jahre 1935 kauft Wally die "Bowlus-Teller Trailer Company", die pleitegegangen war. Deren Inhaber William Hawley Bowlus war zwar ein super Konstrukteur, aber ein miserabler Geschäftsmann. Der Luftfahrtingenieur konstruierte seine stromlinienförmigen Wohnwagen wie ein Flugzeug ohne Flügel: Ein Alu-Monocoque, beplankt mit genieteten Alutafeln. Das bringt eine hohe Stabilität bei geringem Gewicht. Wally nahm kleine Veränderungen am Grundkonzept vor, so wanderte die Tür von der Front an die Seite, da der Einstieg über die Deichsel doch etwas unbequem war. Die einstigen "Road Chief" in ihrem Art-Deco-Design wurden dann als "Airstream Clipper" verkauft, eine Hommage an die bekannten "Pan Am Clipper"-Flugzeuge.

Airstream: Der Traum vom Reisen_1
Der amerikanische Traum in Technicolor. Airstream, Cowboyhüte, die Rockys im Hintergrund. Es fehlen auf dem Bild: Coca Cola, Marlboro, Mickey Mouse und ein Jeep als Zugfahrzeug Foto: Airstream

"Wir machen nur Verbesserungen"

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte gibt es nur fünf Änderungen im Design der Airstreams. Bis heute ist durch alle Modellgenerationen die Familienähnlichkeit absolut augenfällig. Als bekennender Perfektionist versuchte Wally Mängel, die ihm von Kunden mitgeteilt wurden oder die er selbst auf Reisen festgestellt hat, abzustellen. Sein Wahlspruch: "Wir machen keine Veränderungen - nur Verbesserungen." Der Zweite Weltkrieg stoppt die Produktion aus Aluminiummangel. Wally Byam landet bei Curtiss-Wright, einer Flugzeugfirma. Nach dem Krieg baute er mit diesem Unternehmen Wohnwagen, die dem Airstream sehr ähnlich sehen. Meinungsverschiedenheiten führen schließlich zu Wallys Ausscheiden aus der Firma, er gründet die Airstream Trailers Inc. und stellte wieder selbst Wohnwagen her.

Mobiler Lebensstil

Doch der Airstream-Erfinder wollte nicht nur ein Produkt verkaufen, sondern einen mobilen Lebensstil vermitteln. 1951 organisierte er deshab seine erste Wohnwagen-Karawane. Statt der 35 Gespanne, mit denen er gerechnet hatte, rollten 63 Wohnwagen aller Marken vier Monate lang durch Mittelamerika. Bereits ein Jahr später kam die nächste Tour, es folgen Reisen weltweit. Der Höhepunkt dürfte 1959 eine Fahrt von Cape Town in Südafrika nach Kairo gewesen sein.

Airstream: Der Traum vom Reisen_3
Auch für das Schäferstündchen über San Francisco eignet sich ein Wohnwagen Foto: Airstream

1955: Wally Byam Caravan Club gegründet

Rund zwei Drittel der Zeppelin-Caravans rollen heute noch auf den Straßen der Welt. Damit liegt die Quote höher als bei Rolls-Royce. Zum Kult der Marke hat auch der 1955 gegründete "Wally Byam Caravan Club International" (WBCCI) beigetragen. Viele Airstreams tragen große, rote Ziffern, das sind die Club-Mitgliedsnummern. In seinen besten Zeiten, in der Mitte der 1980-er Jahre, hatte der Club rund 24.000 Mitglieder. Wally Byam erlebte diese Phase nicht mehr, er starb am 22. Juli 1962.

Mehrere tausend Nieten

Noch heute wird jeder Airstream nach den Regeln der Handwerkskunst von damals gefertigt. Die Aluleisten und die Rippenstruktur werden sorgfältig von Hand mit mehreren tausend Nieten befestigt. Das ergibt einen leichten und stabilen Aufbau, der sich auch ohne zusätzlichen Rahmen selbst trägt.

Test mit Orkanstärke

Zuerst werden der Schalenrumpf und das Fahrgestell montiert. Bevor die Innenhaut und die Möbel eingebaut werden, testet Airstream in einer eigenen Anlage jedes Fahrzeug auf Wasserdurchlässigkeit mit Orkanstärke der Kategorie 2. Dadurch kann das Airstream-Team am Band sofort jedes Leck erkennen und beheben. Und: Alle Teile, von den Möbeln bis zu den verbauten Geräten, gelangen durch die Tür in den Caravan. So ist jedes Teil auch bei Reparaturen leicht zugänglich und kann einfach wieder entfernt oder ersetzt werden. So werden die Airstreams wohl auch noch weiter über die Straßen der Welt rollen, ganz im Sinne Wally Byams: "Abenteuer ist überall dort, wo du es suchst, an jedem Ort, außer Zuhause in deinem Schaukelstuhl."

Mit dem Airstream quer durch Europa:

www.airstream-germany.de