Neue Superbikes überschreiten die 200-PS-Marke

Vor nicht mal zwei Jahrzehnten leisteten Motorräder maximal 100 PS. In diesem Jahr überschreiten einige Supersport-Maschinen erstmalig die 200-PS-Marke. Was meint ihr: Hightech oder Wahnsinn auf zwei Rädern?

Kawasaki Ninja H2 mit Kompressormotor - Cover
Kawasaki Ninja H2 mit Kompressormotor Foto: Kawasaki

Ab nächster Saison gibt es fünf Superbikes mit 200 PS oder mehr: Aprilia RSV4 RR, Ducati 1299 Panigale, Yamaha YZF-R1, Kawasaki Ninja H2 und die BMW S 1000 RR, bei der zwar "nur" 146 kW/199 PS im Datenblatt stehen, die Zeitschrift "Motorrad" aber 206 Pferdestärken gemessen hat.

Vorteil: Dynamisch und leicht

"Nicht alle Supersportler haben 200 PS, so viel Leistung finden Sie nur bei wenigen Motorrädern in der Top-Liga. Der Name Supersportler sagt wenig über die Leistung aus", erklärt Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz). Deren wesentlicher Vorteil sei das relativ geringe Gewicht um die 200 Kilo oder weniger. Dadurch sind sie sehr dynamisch und doch leicht zu handhaben.

Bequem ist die Haltung bei der BMW S1000 RR nicht - Cover
Bequem ist die Haltung bei der BMW S1000 RR nicht Foto: BMW

Deutlich mehr Kraft als Speed

"Der Reiz bei 200-PS-Motorrädern liegt nicht in der Höchstgeschwindigkeit und der Beschleunigungskraft", sagt Kuschefski. Sie seien nicht schneller als andere Supersportler mit weniger Leistung. Wegen der Gefahr abhebender Vorderräder (Wheelie-Neigung) werden Leistung und maximale Beschleunigung elektronisch begrenzt. "Ab einer gewissen Leistung sind Unterschiede beim Beschleunigen kaum auszumachen. Der Reiz liegt in der Kraftreserve", so der ifz-Leiter.

Was die Assistenzprogramme können

Eine ganze Reihe von Fahrerassistenzsystemen sorgt dafür, dass die Spitzenleistung beherrschbar und nutzbar ist. Dazu zählen zum Beispiel kurventaugliches ABS und eine Wheelie-Kontrolle, die das Aufsteigen des Vorderrads beim harten Beschleunigen verhindert. Oder auch die Traktionskontrolle, damit das Hinterrad beim Gasgeben nicht durchdreht - auch nicht in Schräglage. Ebenfalls hilfreich sind verschiedene Fahrmodi: So wird im Regen-Modus die Leistungsentfaltung und die Höchstleistung begrenzt. Ein semiaktives Fahrwerk passt automatisch die Federelemente während der Fahrt an.

"Die Elektronik überwacht alle Fahreingriffe", sagt Kuschefski. In den unteren Gängen wird die Leistung stark abgeregelt, anders wären die Maschinen nicht zu beherrschen. "Das passiert sanft, so dass der Fahrer es kaum mitbekommt." Dennoch sollte jeder Pilot - egal ob mit 20 oder 200 PS - seinem Fahrzeug mit Respekt gegenübertreten.

Yamaha YZF-R1 bringt es auf 147 kW/200 PS - Cover
Yamaha YZF-R1 bringt es auf 147 kW/200 PS Foto: Yamaha

Hohes Drehmoment entscheidend

"Die hohe PS-Zahl ist nebensächlich. Entscheidender ist ein hohes Drehmoment", so Motorradexperte Ruprecht Müller. Wenn Drehmomentverlauf und Gesamtabstimmung des Antriebs stimmen, sei es unerheblich, ob man 150, 180 oder 200 PS zur Verfügung hat. "Nur wer ständig auf der Rennstrecke im oberen Drehzahlbereich unterwegs ist, wird das Leistungsplus spüren. Im unteren Drehzahlbereich fahren sich Superbikes so leicht wie 600er-Sportler." Trotz der Assistenzsysteme sollten Fahrer besonnen bleiben: "Euphorie am Gas ist ungesund", warnt der ADAC-Mann.

Supersportler - nichts für jedermann

Trotz Leistungsplus, modernster Technik und der optischen Nähe zu reinen Rennmaschinen entwickelt sich das Supersportler-Segment zu einer immer kleineren Nische. Ein denkbarer Grund dafür ist, dass die zusammengekauerte Körperhaltung einfach nicht zum immer älter werdenden Durchschnitts-Biker passt.

Schon gelesen?

Die coolsten Bikes für 2015

Mehr zum Thema: