Faszination Motorrad: Die Wilden der Straßen

Sobald das Wetter es erlaubt, satteln sie ihre Geschosse. Vorzugsweise in der Gruppe machen sie Alpenpässe unsicher, auf kurvigen Bergstraßen fühlen sie sich wohl. Die Biker sind wieder unterwegs. Eine Leidenschaft zwischen Kick und Todesmut.

Motorrad - Cover
In der Lebensmitte entdecken immer mehr Menschen ihre Liebe zum Bike. Das ist nicht ohne Risiko Foto: Colourbox

Im Alltag sind sie Zahnarzt, Anwalt oder Finanzler. Doch sobald das Wochenende oder ein sonniger Feierabend ins Haus steht, zieht es sie auf die Straße. Dann schlüpfen sie in die Lederkluft, tauschen Krawatte gegen Bandana. Aufgesessen, und ab auf die Straße. Die Freiheit ruft!

Luxus-Hobby

Die hat ihren Preis: Um dem Alltag auf zwei Rädern zu entkommen, sind Biker bereit, einiges auf den Tisch zu blättern. Eine De-­luxe-Maschine kann so viel wie ein Klein- oder Mittelklassewagen kosten. Der Trend geht stark in Richtung teure Motorräder. Exoten wie die eng­lische „Ariel Ace“ gibt es ab 25.000 Euro, die neue Roadster von BMW, die R 1200 R, um immerhin 15.400 Euro. Doch angesichts der Wirtschaftslage investieren viele lieber in ein Hobby, das Freude macht und einen aus dem Alltagstrott ausbrechen lässt.

Freizeit-Abenteurer

So sieht es auch Peter Gruber. Der 58-jährige Steirer fährt seit 16 Jahren, zuerst mit einer japanischen Chopper. Mit dem ­Biker-Virus infiziert, stieg er bald auf stärkere Geschosse um. Derzeit fährt er Ducati. Seine „Gang“ ist zwischen 50 und 70, alles gediegene Herren, mitten im Leben. Einmal im Jahr reiten sie aus – nach Sardinien, an die Côte d’Azur und die französischen Alpen. Abenteuer gibt es tagsüber. Genächtigt wird nämlich nicht im Zelt, sondern im 4-Sterne-Haus. Mindestens.

Motorrad
Foto: Corbis

Adrenalin-Kick

Die Leidenschaft fürs Motorradfahren erlebt gerade einen Boom. Auf Österreichs Straßen cruisen rund 467.000 Motorräder, um 93.000 mehr als noch vor 15 Jahren. Doch die Lust am Bike erfasst nicht wilde Halbstarke: Besonders die 50+-Generation schwingt sich gerne aufs motorisierte Zweirad. Warum? „Ich brauch das Adrenalin. Einfach aufdrehen und Gas geben“, schwärmt Gruber, im Alltag biederer ­Jurist. Und fügt selbstkritisch hinzu: „Es ist eine Freiheit im Alter. Nach zwei Kilometer singe ich schon „House of the Rising Sun.“ Ein ­genialer Katalysator für den Alltagsstress.

Reife Rocker, milde Wilde

Die meisten Biker zählen zum Typus des „Genussfahrers“: Das Motorrad ist ein Hobby, nicht primäres Fortbewegungsmittel. Untergruppen:  Adrenalin-Junkies und „Blümchenpflücker“. Die einen brauchen den Geschwindigkeitsrausch, der auch brenzlig werden kann. Die anderen genießen die Landschaft, fahren selten schneller als 80 km/h. Aber auch das Durch-die-Gegend-Schauen ist gefährlich. Der typische Austro-Biker ist laut ÖAMTC 50, männlich, gebildet. Der Frauenanteil macht 10 bis 15 Prozent aus, Tendenz steigend. Wilde Halbstarke? Die sind mittlerweile selten auf zwei Rädern unterwegs.

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Foto: MILENKO BADZIC/FIRST LOOK/PICTUREDESK.COM