Loryc Electric: Elektroautos im 1920er-Design!

Neueste Technik im klassischen Design: Ein Deutscher will den Kult um den mallorquinischen Automobilhersteller Loryc S.A. mit neuen Modellen wiederbeleben ...

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Ab 2015 sollen 95 Exemplare des Electric Speedster gebaut werden. Je nach Wünschen wird der Preis rund 45.000 Euro betragen Foto: AutoNews

Mallorca, das ist Sommer, Sonne und Strand mit malerischen Buchten auf der einen, und betrunkenen Touristen auf der anderen Seite. So kennt man jedenfalls die Baleareninsel im Mittelmeer. Aber das spanische Eiland hat Überraschungen auf Lager. Oder wussten Sie, dass auf Mallorca einmal Automobile entwickelt und hergestellt wurden, die sogar Rennerfolge verbuchen konnten? Loryc S.A. war von Anfang 1920 bis 1926 ein mallorquinischer Automobilhersteller mit Sitz in Palma. Jetzt will ein Deutscher die Marke wiederbeleben, die Fahrzeuge mit der neuesten Technik versehen und das klassische Design ins 21. Jahrhundert transferieren. Aber fangen wir von vorne an.

Firmenrückblick in die Zwanziger

1919 starteten die beiden Inselbewohner Antoni Rivas und Rafael de Lacy mit dem Verkauf von Autos auf Mallorca. 1920 gründeten sie eine Firma und begannen mit Hilfe von Alberto Ouvard, einem ehemaligen Renault-Mitarbeiter, an eigenen Fahrzeugen zu tüfteln. Am Ende desselben Jahres war es dann so weit: Der erste Loryc verließ in einem seiner drei Vorwärtsgänge und ausgerüstet mit sechs stattlichen Pferdestärken die Fertigung. Schnell bekam das Auto den Spitznamen "La Sardina", da die Aluminiumkarosserie an die Form einer Sardinen-Büchse erinnerte.

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Zuerst soll ein Roadster gebaut werden: 20 elektrische Pferdestärken könnten den Electric Speedster auf 80 km/h beschleunigen Foto: AutoNews

Rennen, Entwicklung und das Ende

1922 wurde die Büchse fit für den Renneinsatz gemacht und erreichte mit einem 1.000 Kubikzentimeter großen und 34 PS starken Vierzylindermotor den ersten Platz beim Großen Preis von Frankreich. Die Aufmerksamkeit und Nachfrage auf die fahrende Sardinen-Büchse von Mallorca stieg und das Werk beschäftigte kurzzeitig über 60 Mitarbeiter. Etwa 120 Fahrzeuge verließen daraufhin die Fertigungshallen. Durch Einfuhrprobleme bei der Materialbeschaffung kam es aber immer wieder zu Verzögerungen und Engpässen. Die daraus resultierenden Finanzierungsschwierigkeiten führten schließlich dazu, dass das Werk in Palma im Jahr 1926 geschlossen werden musste.

95 Jahre nach der Gründung

Und was ist heute, 95 Jahre nach den ersten automobilen Gehversuchen von Rivas und de Lacy übrig geblieben? Nicht viel! Ein knappes Dutzend Fahrzeuge hat das Jahrhundert schadlos überstanden. Sie befinden sich heute im Privatbesitz von Sammlern. Das soll sich ändern, so ist jedenfalls der Plan des deutschen Tüftlers und Erfinders Karl-Heinz Bosch. Er kaufte jüngst die Marke und möchte im Jahr 2015 den Namen Loryc mit Hilfe von zwei Elektroflitzern zurück auf die Straßen bringen.

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In den 1920er-Jahren konnten die spanischen Autobauer einige Rennerfolge verbuchen Foto: AutoNews

Altes Design, neue Technik

Bosch will dabei am Design der zwanziger Jahre festhalten. Die beiden Fahrzeuge (Speedster und Pick-up) sollen aber mit aktueller Fahrzeugtechnik ausgestattet werden. Die Front wird aus dem senkrecht stehenden Edelstahl-Kühlergrill und zwei runden Scheinwerfern mit LED-Technik bestehen. Hinter den klassischen Felgen mit Drahtspeichen und Zentralverschluss sitzen belüftete Bremsscheiben mit ABS. Der Verbrennungsmotor wird durch einen Elektromotor ersetzt. Zwanzig elektrische Pferdestärken sollen in Zukunft die Fischdose auf eine Geschwindigkeit von 80 km/h bringen. Die Batterie bietet laut Bosch Energie für über 130 Kilometer Reichweite. Auch das innere Erscheinungsbild wird den goldenen Zwanzigern treu bleiben. Hinter der tiefen Windschutzscheibe und dem Speichen-Lenkrad aus Stahl und Holz kann sich der Pilot auf sportlichen Ledersitzen niederlassen. Weniger ist eben mehr und darum sollen die relevanten Fahrzeuginformationen nicht auf digitalen, sondern auf analogen Zeiger-Rundinstrumenten dargestellt werden.

95 Exemplare zu 45.000 Euro

Wer jetzt überlegt, sein Geld in einem Loryc anzulegen, statt einen Urlaub am Ballermann zu verbringen, der muss sich noch mindestens ein Jahr lang gedulden können. 95 Exemplare der "First Edition" sollen vom Electric Speedster gebaut werden. Er wird je nach individueller Wunschliste rund 45.000 Euro kosten und 2015 verfügbar sein. Die zweisitzige Pick-up-Variante wird erst später folgen.

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