Land Rover: Defender nach 68 Jahren Geschichte

Für Fans des legendären Geländegängers ein schwerer Schlag: Der Defender ist ab jetzt Geschichte. Doch die Oldtimer-Fans stehen bereits in den Startlöchern: Denn für die begehrten Modelle ist gutes Geld zu erwarten.

Beim Land Rover Defender wird noch viel per Hand gearbeitet - Cover
Beim Land Rover Defender wird noch viel per Hand gearbeitet Foto: Land Rover
Der Land Rover Defender ist für jedes Gelände geeignet - Cover
Der Land Rover Defender ist für jedes Gelände geeignet Foto: Land Rover
Der Land Rover Defender ist auch für harte Aufgaben geeignet - Cover
Der Land Rover Defender ist auch für harte Aufgaben geeignet Foto: Land Rover
Auch Winston Churchill schätzte die Vorzüge des Land Rover Defender - Cover
Auch Winston Churchill schätzte die Vorzüge des Land Rover Defender Foto: Land Rover

Fast 70 Jahre nach der Premiere auf der Motorshow in Amsterdam im April 1948 endet die Produktion des Land Rover Defender. Nicht weil es keine Kunden mehr gäbe, sagt Pressesprecher Mayk Wienkötter. Sondern weil die antiquierte Konstruktion die kommenden Abgas- und Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllt und dafür auch nicht noch einmal ertüchtigt werden konnte. Deshalb werden jetzt im Werk Solihull die letzten Aufträge abgearbeitet.

Ein Rover für Farmer

Vater des Wagens war Maurice Wilks, der Bruder des Rover-Chefs Spencer Wilks. Er wollte den Export ankurbeln, Devisen einnehmen und Rover in den schweren Nachkriegsjahren mehr Rohstoffe sichern. "Deshalb suchte er nach einem Konzept, das sich weltweit gut verkaufen ließ", berichtet Land-Rover-Mitarbeiter Roger Crathorne, der als wandelndes Firmenarchiv gilt. Inspiriert vom Willys Jeep kam Wilks ein landwirtschaftliches Nutzfahrzeug in den Sinn, sagt Crathorne: "Ein Rover für den Farmer, mit dem man überall hinkommt und alles machen kann, einen universellen Land Rover."

Exportschlager

Das Konzept geht auf, und der Land Rover, der heute als "Serie 1" geführt wird, schafft es aus dem Stand zum Exportschlager: Schon nach zwei Jahren wird er in 70 Ländern verkauft, und heute sind es über 160. Neben Bauern und Buschdoktoren kommen auch Militärs und Monarchen auf den Geschmack. Der Defender wird weltweit zum Inbegriff des Geländewagens. Allenfalls der Toyota Land-Cruiser, der Mercedes G und der Jeep Wrangler können da noch mithalten.

Begehrtes Sammlerstück

Was nicht in den Cameron Highlands oder anderen entlegenen Winkeln der Welt fährt, ist mittlerweile begehrte Sammlerware, sagt Land-Rover-Experte Mike Fisher. Das Angebot ist zwar riesig, schließlich sind laut Pressesprecher Wienkötter noch immer rund 75 Prozent der über zwei Millionen je gebauten Defender auf der Straße. Aber die Preise ziehen an. "Seit sich das Produktionsende abgezeichnet hat, ist die Nachfrage nach den Klassikern rapide gestiegen, und die frühen Autos sind begehrte Sammlerstücke geworden", sagt der Australier. 50.000 Euro für ganz normale Serie-1-Modelle aus den Fünfzigern sind Standard, sagt er. Jüngere Autos sind günstiger zu haben.

Schluss? Für Fans noch lange nicht

So vital die Oldtimer und so rustikal die Neuwagen sind, will die Fangemeinde partout nicht daran glauben, dass nun Schluss ist. Und ob der für Ende des Jahrzehnts versprochene Nachfolger tatsächlich noch so viel Charme und Charakter hat, das wird sich erst zeigen müssen. Aber weil die Hoffnung schließlich zuletzt stirbt und es seit 1948 immer irgendwie weitergegangen ist, halten sich hartnäckig die Gerüchte über eine Anschlussproduktion in einem Schwellenland, in dem es keine Bürokraten mit kleinkarierten Zulassungsvorschriften gibt. Eine charmante Idee, die bereits die Fantasie von Re-Importeuren beflügelt und von Land Rover gar nicht erst kommentiert wird.

Defender heimlich produziert?

Aber es gibt noch etwas, was der Fan-Gemeinde Hoffnung macht: Die "Celebration Line". Denn mitten im Werk hat Crathorne zusammen mit ein paar Enthusiasten die originale Fertigungsstraße aus den Kindertagen des Klassikers nachgebaut. "Die werden wir nach dem Ende der offiziellen Produktion allenfalls umziehen, aber keinesfalls wieder abbauen", sagt Crathorne und zumindest im Scherz fügt er hinzu: "Wir brauchen dort zwar noch länger. Aber wenn jemand die Teile besorgt und mir grünes Licht gibt, bauen wir den Defender einfach heimlich dort weiter."