Weekend-Testfahrt mit dem Mercedes-Benz TC 220 BlueTEC

Mittelklasse? Die neue C-Klasse ist sicher keine Holzklasse, eher Ober-Klasse als ­Mittelklasse und hat nicht nur ein klasse Fahrwerk. Hier die Klassenfahrt 2015.

Mercedes-Benz TC 220 BlueTEC
Foto: Weekend Magazin

Also, eines muss ich den Jungs und Mädels aus der „Sternfabrik“ lassen. Die hier getestete Mittelklasse kratzt fast an der Oberklasse! Vollgestopft mit Hightech und edlen Materialien wirkt die neue C-Klasse fast wie eine zu klein geratene S-Klasse.

Assistenzarzt

Immer wieder stelle ich mir die Frage, wie ich meine Kindheit in technisch unterentwickelten Autos überlebt habe. Vor allem, wenn man sich die heutigen Assistenzsysteme ansieht. An Spurhalteassistenten haben wir uns schon gewöhnt. Vielleicht auch daran, dass wir automatisch in die Parklücke eingeparkt werden.

Mercedes-Benz TC 220 BlueTEC
Foto: Weekend Magazin

Nur die automatische Fahrt raus aus der engen Lücke, ist eher neu. Auch so was kann die C-Klasse – und das Auto denkt eigenständig. So schaltet die Heizung in einem Tunnel wie von Geisterhand auf „Umlauf“! Und dann war da noch der Hinweis im 90-Seiten-Pressetext auf „Collision Prevention Assist Plus“. Vereinfacht ausgedrückt: „Die C-Klasse bremst im Notfall automatisch.“ Ja, kennen wir schon, aber eher nicht in der Mittelklasse! Die Sache funktioniert im Übrigen sehr gut.

Mercedes-Benz TC 220 BlueTEC
Foto: Weekend Magazin

Zur Überprüfung musste ein kleiner Busch herhalten. Einfach auf das botanische Etwas mit bis zu 50 km/h ­zufahren (weniger ist psychisch leichter zu ertragen) und schon wird nach einer akustischen Warnung automatisch gebremst. Der Busch überlebte! Daneben gibt es noch Leckerbissen wie: Head-up-Display, ein Ohrenanleg-Soundsystem, den groß geratenen Multifunktionsschirm oder auch das Touchpad. Letzteres soll die Bedienung des Bildschirmmenüs unterstützen. Ist etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem gibt es ohnehin einen Drehregler, der alles kann. So viel Technik hat auch so ihre Auswirkung auf den Endpreis. Zwar gibt es die C-Klasse als T-Modell schon ab EUR 36.850,– (Benziner) und das Testfahrzeug als Diesel ab EUR 42.000,–, aber mit superdicker Aufpreisliste steigert sich die Sache auf stolze EUR 60.000,–.

Mercedes-Benz TC 220 BlueTEC
Foto: Weekend Magazin

Platz

Wer sich für einen Kombi entscheidet, will in der Regel auch mehr Platz. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat die neue C-Klasse in fast allen Bereichen zugelegt (Gewicht ­ausgenommen). Der Kofferraum schluckt nun 490 bis 1.510 Liter. Fahrer und Beifahrer haben ordentlich Platz, die Fond-Passagiere bekommen auch keine Klaustrophobie. Nur die Kopffreiheit der Heck-­Passagiere könnte eine Spur ­besser sein. Und wenn wir schon ein bisschen nörgeln, dann auch über die Sicht nach hinten. Die C-Säule ist doch robust geraten, aber eine Rückfahrkamera ist sowieso mit an Bord.

Mercedes-Benz TC 220 BlueTEC
Foto: Weekend Magazin

Sportlich?

Es hat Zeiten ­gegeben, in denen Mer­cedes-Benz nicht immer für Sportlichkeit stand. Heute ist das eben anders. Der 170 PS-Diesel agiert spritzig und schafft den 100er in 7,9 Sekunden – unterstützt von 400 Newtonmetern Drehmoment. Ein echtes Lob geht aber an die Fahrwerkskonstrukteure. Perfekt gelungen, sehr sportlich, ohne Härte. Die neue 4-Lenker-Vorderachse macht eine gute Figur. Wer da meckert, hat keine Ahnung.