Kann dieser Ford Mondeo dem VW Passat Paroli bieten?

Zumindest in puncto Design ist der Ford Mondeo mit seiner scharf geschnittenen Frontpartie seinem Konkurrenten aus Wolfsburg klar überlegen. Ein Fehdehandschuh an den neuen Passat ist obendrein ein Zweiliter-Biturbo-Diesel mit 210 PS.

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Der traditionell Turnier genannte Kombi ist 4,87 Meter lang Foto: Ford

Eine gefühlte Ewigkeit dauerte es, bis der Wagen, den es als Fusion schon seit 2012 in den USA gibt, endlich zu uns rollt. Exakt zeitgleich haben sich jetzt allerdings die VW-Passat-Truppen neu formiert. Hat General Mondeo dagegen eine Chance? Apropos Chance: Schon vor einem Jahr hätte der neue Mondeo bei uns auf den Markt kommen können. Aber Ford holte vorher den eisernen Besen heraus: Schließung des bisherigen Mondeo-Werks im belgischen Genk und Verlagerung der Produktion nach Valencia in Spanien. Daher werden die ersten Fahrzeuge erst im November 2014 ausgeliefert, offizieller Marktstart ist im Februar 2015.

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Das Platzangebot im Fond lässt keine Wünsche offen Foto: Ford

Heiße Formen

Bezüglich der Fahrzeugoptik hat sich das Warten gelohnt. Während der neue Mondeo am Heck seinen Vorgänger zitiert, beeindruckt besonders die scharf geschnittene Frontpartie. Die Kombination aus Sicken in der Motorhaube, schmalen Scheinwerfern (optional mit LED-Technik) und dem verchromten Grill ist absolut gelungen. Ein wesentlich spannenderes Design als beim biederen VW Passat, ohne es modisch zu übertreiben. Wenn wir schon beim ewigen Rivalen sind: Der Mondeo ist deutlich länger als der Passat. Zehn Zentimeter Unterschied sind es, auf 4,87 Meter kommt der Ford. Zum Trost gibt es immerhin auch sechs Zentimeter mehr Radstand.

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Sehr markant sind die schmalen Scheinwerfer und der üppige Chromgrill Foto: Ford

Viel, aber nicht üppig

Ein gutes Stichwort, um sich den inneren Werten des neuen Mondeo zu widmen. Dafür steht der Ford-üblich "Turnier" genannte Kombi zur Verfügung. Hinter der elektrisch öffnenden Heckklappe (470 Euro Aufpreis) befinden sich je nach Art des Reserverads zwischen 525 und 1.630 Liter Gepäckvolumen. Ein ordentlicher Wert, aber der kantigere VW Passat Variant schluckt mit 650 bis 1.780 Liter deutlich mehr. Zwar punktet der Mondeo mit einer niedrigen Ladekante, aber es fehlen die inzwischen üblichen Hebel im Kofferraum zum Umklappen der hinteren Lehnen. Der clevere Türkantenschutz des Focus ist beim Mondeo nicht für Geld und gute Worte zu bekommen. Dafür aber eine Sache, die bislang nur die S-Klasse von Mercedes bieten kann: Gurtairbags hinten zur Entlastung des Brustkorbs. Kostenpunkt: 300 Euro.

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Die Heckansicht erinnert noch an den bisherigen Mondeo Foto: Ford

Bedienung mit Schwächen

Platzangst kommt sowohl im Fond wie auch auf den vorderen Möbeln nicht auf. Hier zeigen sich die Vorteile der üppigen Abmessungen des Mondeo. Im Cockpit wurde aufgeräumt, allerdings nicht ganz so durchdacht wie beim gelifteten Focus. Am Lenkrad wuchern unzählige Tasten, etwa für die automatische Abstandsregelung. Obwohl viele Funktionen in den 20,3 Zentimeter großen Touchscreen verlagert wurden, befindet sich in der wenig hochwertig anmutenden Mittelkonsole eine ganze Legion von Knöpfen. Klar, das macht die Konkurrenz auch so. Aber im Mondeo sind die Knöpfe alle gleich groß und gleich rund. So muss man oft zweimal hinschauen, um richtig zu tippen.

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Das Cockpit präsentiert sich aufgeräumt, die recht dicken A-Säulen behindern aber das Sichtfeld Foto: Ford

Den Zahn gezogen

Zum Glück gilt das nicht für die Motoren. Neu ist neben einem Hybrid mit 177 Gesamt-PS (sogar laut Ford ein Nischenmodell) ein vom Focus bekannter Dreizylinder-Turbobenziner mit 125 PS, der 2015 kommt. An der Spitze rangiert künftig ein Zweiliter-Biturbo-Diesel mit 210 PS (auch ab 2015) als Fehdehandschuh an den neuen VW Passat. Bei meiner ersten Mondeo-Runde arbeitet der 1,5-Liter-Ecoboost-Benziner mit 160 PS unter der Haube. Gut, das vorher zu wissen, denn während des Fahrens spürt man bei niedrigen Drehzahlen von der Leistung herzlich wenig. Unterhalb von 2.500 Touren schmiert der Motor besonders am Berg regelrecht ab. Um die 240 Newtonmeter maximales Drehmoment herauszukitzeln, haben der Gasfuß und die Hand am kurz geführten Schaltknüppel des gut abgestuften Getriebes ordentlich zu tun. Nur ein kleiner Trost ist da die Laufruhe des Aggregats.

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Große Ablage in der Mittelkonsole, die Becherhalter können beim Schalten stören Foto: Ford

Diesel ist Trumpf

Aber die Benziner spielen beim Mondeo, der seinen Kunden mehrheitlich als Dienstwagen gehört, sowieso nur eine untergeordnete Rolle. Ford-Marketingchef Wolfgang Kopplin rechnet für die Zukunft mit einem Dieselanteil von 83 Prozent. Wieso es zu solch einer fast kommunistischen Mehrheit kommt, wird beim Umstieg in den Selbstzünder mit zwei Liter Hubraum und 180 PS klar. Geschmeidig zieht der Mondeo aus dem Stand heraus hoch, 340 Newtonmeter ermöglichen ein schaltfaules Fahren. Beispiel gefällig? Bei 100 km/h liegen im sechsten Gang entspannte 1.700 Touren an, bei denen sich die Maschine akustisch zurückhält. Von Flüstern zu sprechen, wäre übertrieben, aber es gibt Diesel aus dem VW-Konzern, die deutlich präsenter nageln. Wer übrigens nicht selbst schalten möchte, bekommt für 2.000 Euro Aufpreis ein Doppelkupplungsgetriebe.

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Optional arbeiten die vorderen Leuchteinheiten mit LED-Technik Foto: Ford

Aktiv statt passiv

Wie bei Ford fast schon üblich, beeindruckt die Kombination von Fahrwerk und Lenkung. Trotz der beim Testwagen verbauten 18-Zöller rollt der Mondeo nicht zu straff ab und reagiert präzise auf die Befehle des Steuermanns. Anders als seine kleineren Modellkollegen ist Fords Mittelklasse aber kein extrem ausgeprägter Kurvenkratzer. Recht früh teilen die Reifen lautstark mit, wann man es gut sein lassen sollte. Kein Wunder, ist doch der Mondeo nicht nur ziemlich lang, sondern trotz Leichtbaumaßnahmen wie Magnesium am Heck auch 1,6 Tonnen schwer.

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Praktisches Ablagefach zwischen den Rücksitzen Foto: Ford

Wertung

 

Natürlich kann man darüber hadern, warum der neue Mondeo mit so viel Verspätung kommt. Aber das tut Ford sicherlich schon selbst. Unabhängig davon hat sich das Warten gelohnt: Der Mondeo ist mehr denn je eine schicke Alternative zum VW Passat. Besonders in Bereich Antrieb und Fahrwerk kann er punkten, hinzu kommen moderne Assistenzsysteme. Abzüge gibt es für die teilweise schlichten Materialien im Cockpit, als Ausgleich lockt eine faire Preisgestaltung. Der alte Ford-Slogan passt noch immer: Viel Auto fürs Geld.

+präzise Lenkung, gute Straßenlage, knackige Schaltung
-müder Turbo-Benziner, teilweise zu grobe Kunststoffe

  • Antrieb

     80%
  • Fahrwerk

     90%
  • Karosserie

     80%
  • Kosten

     85%
 


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www.ford.at

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