VW Polo GTI: Endlich so gut wie der Fiesta ST?

VW hat den Polo GTI geliftet und das tiefgreifender als man denkt. Ein größerer Motor und viel Fahrwerks-Schliff sollen das Grinsen breiter machen. Ist der neue GTI sogar dynamischer als der Ford Fiesta ST?

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Der GTI startet Ende Januar 2015 Foto: VW

VW gönnt einem Kleinwagen - wenn auch seinem derzeit sportlichsten - mehr Hubraum. Downsizing ist ja so 2013. Also wuselt der neue Polo GTI nun mit 1,8- statt 1,4-Liter-Motor durch die Gegend. Das EA888-Aggregat, das im Zweiliter-Format auch im Golf GTI oder sogar im Golf R für Betrieb sorgt, kennt man aus dem Passat oder dem Audi Q5. Für den gelifteten Sport-Polo hat man noch ein bisschen Feinschliff betrieben und so 192 PS herausgekitzelt. Das sind 12 PS mehr als bisher und total zufällig genauso viel wie beim Mini Cooper S. Was der GTI besser kann als der zackige Brite (und auch als alle anderen Kleinwagen) ist Drehmoment. Die Entwickler wollten ein gutes Stück mehr Punch, was wohl auch der Hauptgrund ist, warum man den 1,4-Liter-Turbo aus dem Vor-Facelift zum Teufel schickte. Nun gibt es massige 320 Newtonmeter. Also, zumindest wenn man sich für das neue Sechsgang-Schaltgetriebe entschieden hat. Das nun optionale Siebengang-DSG verträgt den ganzen Kraftberg nicht so gut, weshalb man mit "nur" 250 Newtonmeter zurechtkommen muss, wenn man sich die Gänge lieber automatisch zurechtlegen lässt.

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Dank neuer elektronischer Dämpfer und Sport-Knopf geht der GTI jetzt auch auf der Rennstrecke besser Foto: VW

Erstmals mit adaptiven Dämpfern

Für Freunde des analogen Sports ist die Wahl aber ohnehin klar und laut VW sind das einige. Der Wunsch, doch lieber selbst zu schalten, kam wohl häufiger auf, als gedacht. Darum reagierte man beim voll durchrenovierten GTI und auch sonst eichte man den potenten Winzling deutlicher als bisher auf unverfälschten, weniger restriktiven Fahrspaß. Das etwas unbefriedigende elektronische Sperrdifferenzial ist zwar immer noch da, allerdings hilft man dem Auto mit neuen Achslagern, einem dickeren Stabilisator, einer neuen elektromechanischen Lenkung und extra für den GTI gebackenen Reifen auf die Sprünge.

Neue Schürzen und schärferer Grill

Außerdem neu: Das XDS+-System, das dem Untersteuer-Teufel durch Bremseingriffe an den kurveninneren Rädern den Garaus machen soll. Endgültig in den Fahrdynamik-Himmel hieven den Polo laut Volkswagen ein etwas entspannter ausgelegtes Sport-ESP und - großer Tusch - erstmals auch elektronisch veränderbare Dämpfer. Und weil man ein Facelift (VW spricht sogar permanent vom "neuen" Polo GTI) auch sehen soll, wurde der Kraftgnom mit neuen Schürzen, einem viel GTI-igeren Grill und einem schwarz abgesetzten Dachspoiler geschminkt. Gegen Aufpreis gibt es dazu erstmals LED-Scheinwerfer. Der Innenraum sieht jetzt wie eine geschrumpfte Variante des großen Bruders Golf GTI aus. Sitze und Lenkrad wurden entsprechend aufgehübscht. Außerdem profitiert das Infotainment von den neuesten technischen Errungenschaften wie dem Mirror-Link-System, das die eigenen Smartphone-Apps auf den Polo-Touchscreen zaubert.

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Auch das Cockpit wurde näher an den Golf GTI herangerückt. Man sieht es an den Sitzen und am Lenkrad Foto: VW

Mehr Hummeln im Hintern

Sehr gespannt waren alle auf das neu abgestimmte Fahrwerk und die adaptiven Dämpfer. Und genau hier hat der GTI am meisten zugelegt. Das Auto wirkt agiler: Der ESP-Sport-Modus erweist sich bei ambitionierter Fahrt als relativ großzügig und erlaubt dem Fahrzeug ein sehr unterhaltsam mitlenkendes Heck. So kann man auch die vorhandenen Untersteuertendenzen relativ elegant in die Wüste schicken. Ein VW, bei dem man in der Kurve auch mal gegenlenken muss - wann hat es das zuletzt gegeben? Applaus! Aktiviert man den Sport-Knopf für die elektronisch schaltbaren Dämpfer, spürt man deutlich, wie sich der GTI strafft, die Lenkung schwerer wird (sie wirkt insgesamt etwas künstlich, aber im Prinzip ok) und es ein wenig mehr aus dem Soundcomputer brummt als zuvor. Der Agilitäts-Zuschuß ist deutlich spürbar, weswegen wir das gerade mal 285 Euro teure Sport-Select-Fahrwerk auf jeden Fall mitbestellen würden.

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Wie beim großen Bruder Golf GTI: Neuer Grill mit roter Linie bis in die Scheinwerfer Foto: VW

Wertung

 

VW hat den "neuen” Polo GTI vor allem unter dem Blech erstaunlich tiefgreifend modifiziert und ihm damit einen großen Gefallen getan. Der 1,8-Liter-Motor drückt gewaltig, ohne wirklich mehr zu verbrauchen und das Fahrverhalten hat sich prächtig in Richtung Spaß entwickelt. Eine ausdrückliche Empfehlung erhalten das Sechsgang-Schaltgetriebe sowie die elektronischen Dämpfer. Aus sportlicher Sicht haben Ford Fiesta ST und Mini Cooper S noch immer die Nase vorn, aber der Vorsprung schrumpft. Als Kompaktsport-Allrounder ist der Polo GTI kaum zu schlagen.

+durchzugsstarker Motor, deutlich unterhaltsameres Fahrverhalten, endlich Schaltgetriebe, sehr hochwertiger Innenraum
- Konkurrenz weniger steril, im Sport-Modus etwas hart

  • Antrieb

     85%
  • Fahrwerk

     80%
  • Karosserie

     90%
  • Kosten

     80%
 

 

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