Smart Fortwo & Forfour: Wendekreis-König kommt in die Gänge!

Seit 1997 haben die Smart-Modelle eine Art Sonderstellung auf dem Fahrzeugmarkt. Getreu dem Motto "Alles bleibt anders" gehen sie jetzt in die nächste Generation. Und das erstmals mit manueller Fünfgang-Schaltung ...

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Leichtmetall fürs Schuhwerk kostet mindestens 475 Euro Aufpreis Foto: Smart

Aber egal, ob mit dem Einliter-Saugbenziner, der 71 PS entwickelt, oder mit dem 90 PS starken 0,9-Liter-Turbomotor gekoppelt, die Setups fordern stets niedrige Gänge. Unter 2.000 Umdrehungen pro Minute fühlen sich weder die Dreizylinder-Aggregate im Heck noch der Fahrer wohl. Es ruckelt, es hoppelt und ein spontaner Leistungsabruf gestaltet sich schwierig. Das wirkt sich negativ auf den Verbrauch aus: Weniger als 7,5 Liter auf 100 Kilometer sind nicht auf dem Bordcomputer abzulesen. Ab Anfang 2015 soll noch ein 60-PS-Sauger folgen. Ein Dieselmotor ist künftig nicht mehr im Programm.

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Die Fahrzeuglänge blieb erhalten: Der Fortwo misst nur 2,69 Meter in der Länge Foto: Smart

Doppelkupplungsgetriebe ab Anfang 2015

Da Selbstschalten gerade im Stadtverkehr ein lästiges Übel ist, kommt der Wendekreis-König (6,95 Meter im Fortwo) ab Anfang 2015 mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, welches das alte automatisierte Schaltgetriebe ersetzt. Ich konnte es bereits testen: Das typische Smartfahrer-Nicken beim Gangwechsel ist vorbei. Das Getriebe könnte sogar mehr, den Motoren hapert es aber an der dazu passenden Leistung. So wird es beim Kickdown laut im Innenraum und nach dem Zurückschalten des Getriebes fällt man zudem ins Leistungsloch.

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Uns störte das orange Armaturenbrett im indirekten Sichtfeld Foto: Smart

Zwei Kleinstwagen mit Daimler-Genen

Die überarbeiteten De-Dion-Achsen und McPherson-Federbeine machen deutlich, dass die Smarts vom Mercedes-Know-how profitierten. Mit dem Breitenzuwachs von zehn Zentimeter liegen die smarten Stadtmobile stabiler auf der Straße und im Wind. Dazu fahren sie sich bei höheren Geschwindigkeiten komfortabler. Durch den längeren Radstand macht der Forfour eine noch bessere Figur als der Zweisitzer. Die tiefe Sitzposition auf den bequemen und ausreichend Seitenhalt bietenden Sitzen könnte einen glatt vergessen lassen, dass man in einem Kleinstwagen sitzt. Ähnlich verhält es sich mit Assistenz- und Sicherheitssysteme aus höheren Fahrzeugklassen, wie ein Seitenwindassistent, ein Abstands- und Spurtverlassenswarner sowie ein serienmäßiger Rundum-Airbag-Schutz.

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Der Forfour hat einen Einstiegspreis von 11.555 Euro. Ein vergleichbarer Renault Twingo ist rund 2.000 Euro billiger Foto: Smart

Wertig im Ganzen, billig im Detail

Der Innenraum ist schick, trendbewusst und wertig. Schaut man genauer hin, lassen sich aber vereinzelt Mängel in der Verarbeitungsqualität erkennen. Der Teufel steckt eben im Detail und fällt auf, wie das billig anmutende Brillenfach am Fahrerplatz oder das klapprige Handschuhfach. Der Siebenzoll-Touchscreen sieht super aus, ist in seiner Funktionsweise und Zuverlässigkeit aber durchaus gewöhnungsbedürftig. Dennoch ist das Kapitel Funktionalität gerade für den Forfour ein erfolgreiches: Die Türen zum Fond lassen sich mit einem Winkel von bis zu 85 Grad öffnen. Das macht aus den kleinen Einstiegen ausreichend bemessene Tore, die selbst großen Personen einen komfortablen Einstieg ermöglichen. Dennoch: Bei der hinteren Sitzreihe bleibt es eher bei einer Notlösung für die Passagiere.

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Das, was sie sollen, können sie gut: Durch die Stadt huschen, komfortabel sein und jeden Raum als Parkplatz nutzen Foto: Smart

Welcher für wen?

Laut Smart spielt das Alter bei der Zielgruppe keine Rolle, jung muss man sein, in Kopf und Herz, so Smart-Chefin Annette Winkler. Aber einen definierten Absatzmarkt haben die Smart-Modelle nicht. Die Zielgruppe heißt "Stadt". Werden die neuen Smarts am Ende also gar nicht an Personen, sondern an Städte verkauft? Der Car-Sharing-Anteil auf Smart-Basis wächst gewaltig in einigen Großstädten, aber nein, die Fahrzeuge haben weiterhin eine Sonderstellung auf dem Automobilmarkt und die Fans des alten werden sich auch den neuen kaufen. Denn das was er soll, kann er gut: Flink und komfortabel durch den Stadtverkehr wieseln sowie auf kleinstem Raum parken. Das spart Zeit und Nerven, aber leider wenig Geld. Der Basis-Zweitürer startet bei 10.895 Euro. Reizt man die Aufpreisliste gänzlich aus, kann man den Kaufpreis fast verdoppeln.

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Das Cockpit vom Forfour unterscheidet sich nicht vom Cockpit des Fortwo Foto: Smart

Zu teuer? Dann eben Renault

Legt man keinen Wert auf die Sonderstellung des Smart, dann gibt es zumindest für den viersitzigen Forfour eine Alternative. Der Größere teilt sich die Plattform mit dem neuen Renault Twingo. Der Kleinstfranzose steht bereits ab 9.590 Euro beim Händler. In der Optik unterschiedlich, aber technisch identisch kostet der Basis-Forfour rund 2.000 Euro mehr. Nicht nur eine Geschmacksfrage, sondern tatsächlich auch eine Frage des Preises.

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Es sind zwar Autos aus dem Kleinstwagen-Segment, aber eine Rückfahrkamera gibt es trotzdem Foto: Smart

Wertung

 

Die neuen Smarts sind zwar nicht fotogen, aber trotzdem schön. Vom Komfort her fahren sich beide Autos, als wären sie einer höheren Fahrzeugklasse zugehörig und auch die Assistenz- und Sicherheitsfeatures sind im Kleinstwagen-Segment nicht selbstverständlich. Der noch einmal geschrumpfte Wendekreis sorgt für Fahrspaß und es gibt erstmals ein Schaltgetriebe in den Smarts. Für rund 1.000 Euro Aufpreis erhält man ab Anfang 2015 das neue Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Es beseitigt endlich das Smart-typische Nicken, ist aber irgendwie schon zu gut für die Motorisierungen. Der Testverbrauch hingegen war enttäuschend. Schaut man im Innenraum genauer hin, bemerkt man Mängel in der Verarbeitung. Bei einem Einstiegspreis von 11.555 Euro für den Vier- sowie 10.895 Euro für den Zweisitzer ist das aber durchaus in Ordnung, bei einem Zweitürer-Testwagenpreis von mehr als 17.000 Euro trübt das aber die Stimmung.

+Doppelkupplungsgetriebe, Abmessungen, Wendekreis, Sicherheit, Komfort
-Verbrauch, Leistungsentfaltung, Preis

  • Antrieb

     70%
  • Fahrwerk

     85%
  • Karosserie

     80%
  • Kosten

     65%

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