Skoda Fabia 3.0: Kantiger, farbiger und moderner!

Weißes Auto, aber rote Räder, rotes Dach und rote Außenspiegel: Den neuen Fabia kann man auch in verwegenen Farben bestellen. Aber macht ihn das automatisch emotionaler als bisher? Eine Testfahrt lohnt sich.

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Der neue Fabia ist in vielen Farben erhältlich Foto: Skoda

Von einer "deutlich emotionaleren Optik" spricht Skoda-Chef Winfried Vahland bei der Präsentation des neuen Fabia. Der neue Kleinwagen sieht vor allem kantiger aus als bislang, aber das wirkt eher kühl und rational. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass das Auto neben Vahland blau ist und trotz des silbernen Dachs eher bieder wirkt. Als dann die neuen Farbkombinationen erwähnt werden, wird deutlich: Man kann das Auto nun zum Beispiel auch in Gelb mit schwarzem Dach, schwarzen Außenspiegeln und schwarzen Felgen bestellen. Sowas ist nicht jedermanns Geschmack, aber die extrovertierteren Kunden können damit prima auf sich aufmerksam machen. So sollen nun auch vermehrt jüngere Kunden angesprochen werden, wie es die Mini-Modelle und der Fiat 500 vormachen. Aber Farben und Formen sind nicht alles.

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Der Fabia ist nach wie vor etwa vier Meter lang und ausschließlich als Fünftürer zu haben Foto: Skoda

Veränderte Maße

Die angestrebte Sportlichkeit äußert sich auch in den Maßen: Die Länge des Fabia hat sich nur wenig verändert, sie liegt immer noch bei rund vier Meter. Doch die Breite nahm zu und die Höhe ab - das fördert die sportlichere Optik. Allerdings ist der Wagen immer noch recht hoch. Das freut Ältere wegen des leichteren Einsteigens, aber die Seitenansicht macht es nicht gerade schicker. Neu am Fabia ist aber auch die Technik. Neu ist sie allerdings nur für dieses Modell, denn die Elemente sind vom VW Polo bekannt: Die Motoren kommen aus dem Modularen Querbaukasten (MQB) des VW-Konzerns, die Elektronik aus dem Modularen Infotainment-Baukasten (MIB).

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Die Zierblende am Armaturenbrett gibt es unter anderem in Weiß (Bild), Schwarz und in der Optik von gebürstetem Aluminium Foto: Skoda

Vier Benziner und drei Diesel

Die Motorenpalette ist identisch mit der des Polo. Die Basis bilden die neuen Dreizylinder-Benziner mit 60 und 75 PS, alternativ gibt es den 1.2 TSI mit 90 und 110 PS. Dieselfreunde haben die Wahl zwischen einer 90- und einer 105-PS-Version des 1.4 TDI. Ein besonders sparsamer Greenline-Diesel mit 75 PS soll 2015 hinzukommen. Alle Motoren erfüllen die Euro-6-Norm und sind mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet. Für die Testfahrt gibt es einen 90 PS starken Benziner in Kombination mit der serienmäßigen Fünfgang-Schaltung. Gestartet wird er bei den bodenständigen Versionen per Schlüsseldreh, in der Topversion Style mit einem Startknopf, der sich in etwas ungewohnter Position an der Lenksäule befindet.

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MirrorLink-Navigation: Eine schöne Idee, die im Fabia aber nicht richtig funktioniert Foto: Skoda

Der Fahrspaß stellt sich schnell ein

Mit 160 Newtonmeter bietet das Aggregat mehr als ausreichend Drehmoment für den Fabia. Schon ab etwa 1.400 Touren kann man damit beschleunigen. Schnell stellt sich der Fahrspaß ein, und das schon in der Stadt. Die Kreisverkehre werden zum Vergnügen. Lenkung und Schaltung sind keine Spielverderber, und das Fahrwerk ist im besten Sinne unauffällig: Es stört weder durch übertriebene Härte, noch durch Wankneigung in der Kurve. Nur einmal, als man bei 60 km/h Pylonen-Wedeln simuliert, wirkt das Fahrverhalten weniger exakt. Der Normverbrauch von 4,7 Liter je 100 Kilometer ist in Ordnung, aber mit den kleineren Dreizylindern der Konkurrenz kann der 1.2 TSI mit seinen vier Töpfen nicht mithalten. So ist der neue Opel Corsa 1.0 Direct Injection Turbo mit 90 PS oder der Ford Fiesta 1.0 EcoBoost mit 100 PS doch noch etwas sparsamer. Zumindest auf dem Papier, die Praxis ist eine andere Sache. Bei der Testfahrt benötigt man laut Bordcomputer mit dem Fabia 6,5 Liter je 100 Kilometer, also wie üblich deutlich mehr.

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Das Rollo am Panorama-Glasdach wird manuell bedient. Vom Fahrersitz aus lässt es sich daher nicht ganz öffnen Foto: Skoda

Unausgereifte MirrorLink-Navigation

Wie die Motoren, so sind auch etliche Elektronikhelfer aus dem Polo bekannt, so zum Beispiel die MirrorLink-Navigation, bei der die Navigationssoftware auf dem Handy läuft, die Karten aber auf dem Fahrzeug-Display erscheinen. Während beim Polo daneben ein normales Einbau-Navi angeboten wird, verzichtet Skoda darauf - die Einbauraten beim alten Fabia waren minimal. Die MirrorLink-Lösung ist günstiger als ein Einbaunavi, aber wirklich billig ist sie nicht. Sie setzt nämlich das Infotainmentsystem Bolero voraus sowie eine kostenpflichtige App - summa summarum kostet das etwa 700 Euro. Und was taugt das Ganze? Um es kurz und knapp zu sagen: gar nichts. Am nervigsten daran ist, dass Abbiegehinweise viel zu spät kommen. Auch kann man während der Navigation kein Autoradio hören. Alternativ-Empfehlung: ein Mobilnavi aus dem Elektronikmarkt für rund 100 Euro.

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Beim Sitz-Umklappen ergibt sich kein ebener Ladeboden, auch ein Einlegebrett zum Egalisieren der Ladeschwelle wird nicht angeboten Foto: Skoda

g-Kräfte per SmartGate verfolgen

Eine coole Besonderheit des Fabia ist die SmartGate-Technik, mit der man diverse Fahrzeugdaten via WLAN auf sein Smartphone übertragen kann. So kann man zum Beispiel den Verbrauch auf den einzelnen Strecken einsehen und auf einem Skoda-Portal mit anderen vergleichen. Aber auch Daten wie die per Fahrzeugsensoren ermittelten Beschleunigungskräfte ("g-Kräfte"), die Motordrehzahl, der Gaspedaldruck und dergleichen lassen sich damit ablesen. Ansonsten gibt die Ausstattungsliste nur wenige Technik-Schmankerl her. Zu den Sicherheitshelfern gehören eine Multikollisionsbremse, ein Müdigkeitswarner und ein radarbasiertes Notbremssystem. Sehr löblich ist, dass Letzteres in der Ausstattung Ambition Serie ist. Ein auch für den Stadteinsatz sinnvoller Helfer wie ein Totwinkelassistent wird dagegen nicht angeboten - aber den gibt es selbst beim VW Polo noch nicht.

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Ziemlich auffällig: Die schwarz eingerahmten Rückleuchten Foto: Skoda

Schickes Cockpit, großer Kofferraum

Das Cockpit hat sich gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert. So sieht das im Testwagen verbaute Armaturenbrett in gebürsteter Metalloptik ausnehmend gut aus. Auch der in Schwarz und Chrom gehaltene Rest ist schick, aber nicht aufdringlich. Die Vordersitze bieten ausreichenden Seitenhalt. Auch im Fond sitzen mittelgroße Erwachsene ordentlich. Die Kopffreiheit ist selbst für Sitzriesen ausreichend. Bei Großen bohren sich die Knie allerdings in die Vordersitze, denn die Aussparung reicht nicht weit genug nach oben. Der Kofferraum ist mit 330 bis 1.150 Liter groß, aber anders als Skoda behauptet, nicht der klassenbeste: Der Honda Jazz bietet mit 399 bis 1.384 noch mehr. Außerdem ist der Kofferraum nicht sehr praktisch. Legt man die Rücksitze um, bleibt eine störende Schwelle. Einen Einlegeboden gibt es nicht - anders als beim VW Polo. Für ein Auto, an dem Skoda besonders den herausragenden Innenraum lobt, ist das kein Ruhmesblatt.

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Das Cockpit ist schick, aber nicht aufdringlich Foto: Skoda

Deutlich günstiger als ein Polo

Der Fabia der dritten Generation startet Mitte November 2014. Von den drei Ausstattungen Active, Ambition und Style ist Ambition die empfehlenswerteste. Bei der Grundausstattung zahlt man noch Aufpreis für fast selbstverständliche Dinge wie elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstellbare Außenspiegel, eine geteilt umklappbare Rücksitzlehne oder die Fernbedienung der Zentralverriegelung. Dies ist bei Ambition Standard, und dazu noch eine Klimaanlage, ein Radio mit USB-Anschluss, ein radarbasiertes Notbremssystem und ein Tempomat.

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Der Fabia mit dem 90-PS-TSI hat eine Fünfgang-Schaltung, die 110-PS-Version besitzt eine Stufe mehr Foto: Skoda

Wertung

 

Ist der Fabia "das ideale Fahrzeug für moderne, urbane Mobilität", wie Skoda-Chef Winfried Vahland meint? Nein, diese Rolle gebührt eher dem Skoda Citigo. Der Fabia ist ein Auto, mit dem man auch gut längere Wochenendausflüge machen kann. Der starke 90-PS-TSI ist hierfür eine gute Wahl: Er macht Spaß, verbraucht aber nicht zu viel. Fahrwerk, Lenkung und Cockpit-Anmutung sind auf einem hohen Niveau. Auch hier stimmt wieder mal, was der Volksmund behauptet: Skoda bietet gute VW-Technik zum günstigen Preis. Wer allerdings etwas exotischere Extras haben will, wie einen Abstandstempomaten oder ein Einbaunavi, muss zu VW gehen. Für den Polo spricht außerdem die doch noch etwas schickere Optik und der praktische Kofferraum-Einlegeboden.

+guter 90-PS-Benziner, angenehmes Fahrwerk, sehr großer Kofferraum

-kein ebener Ladeboden, unpraktisches MirrorLink-Navi

  • Antrieb

     85%
  • Fahrwerk

     85%
  • Karosserie

     80%
  • Kosten

     85%
 

 

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