Google baut autonomes Auto ohne Lenkrad und Pedale

Das fahrerlose Auto macht deutliche Fortschritte, und schon in ein paar Jahren könnten wir am Steuer lesen, Schnaps trinken und mehr. Nun greift Google mit selbstgemachten Fahrzeugen im Comic-Stil ein.

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Google forscht schon länger am fahrerlosen Auto. 2011 ließen sich die Firmenbosse Eric Schmidt, Larry Page und Sergey Brin (von links) in einem selbstfahrenden Toyota Prius ablichten Foto: Google

Es soll ja noch Menschen geben, denen das Autofahren Spaß macht. Doch wenn man Medienberichten glaubt, gibt es immer mehr Leute, die lieber die neuesten Facebook-Statusmeldungen studieren, als durch den Berufsverkehr zu navigieren. Deshalb träumt die amerikanische Softwareschmiede Google von "Autos, die die ganze Last des Fahrens schultern" und entwirft eine automobile Utopie: Einfach mal zum Mittagessen in die Innenstadt? Mit einem autonom fahrenden Auto müsste man keinen halbstündigen Zeitpuffer zur Parkplatzsuche einplanen. Auch sehr alte, behinderte und blinde Menschen könnten am Individualverkehr teilnehmen. Sogar betrunken zu fahren, wäre kein Problem mehr.

Ohne Lenkrad und Pedale

Google arbeitet bereits seit Jahren am autonomen Auto. Schon 2011 ließ sich die Chefetage der Firma - in Gestalt von Larry Page, Eric Schmidt und Sergey Brin - in einem selbstfahrenden Toyota Prius ablichten. Neu ist aber, dass Google nun eigene Autos konzipiert. Derzeit arbeiten die Amerikaner an einigen Prototypen. Sie haben kein Lenkrad und weder Gas- noch Bremspedal. Und der Fahrer wird Passagier - Software und Sensoren tun die Arbeit. Die Bedienung ist einfach: Man drückt einfach einen Knopf, und das Auto fährt einen, wohin man will. Die Zahl von rund 1,2 Millionen Verkehrstoten weltweit pro Jahr ließe sich deutlich verringern. Und die 52 Minuten pro Tag, die ein durchschnittlicher Amerikaner laut US-Verkehrsministerium täglich zum Pendeln zwischen Arbeit und Wohnung benötigt, könnte sinnvoller genutzt werden.

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Der kleine Zweisitzer ist offensichtlich für die Stadt konstruiert Foto: Google

Sensoren und exakte Karten

Priorität eins ist natürlich die Sicherheit, und da sind gute Sensoren wichtig. Videokameras, Radarsensoren und Lasertechnik werden eingesetzt. Einige Sensoren, so Google, erfassen sogar noch Objekte, die sich in der Entfernung von zwei Fußballfeldern befinden. Auch gute Straßenkarten sind essenziell. Die Geschwindigkeit der Prototypen wurde auf 40 km/h begrenzt. Auf Komfort wurde weitgehend verzichtet. Innen finden sich zwei Sitze mit Gurten und Platz für ein paar Habseligkeiten. Zur Bedienung gibt es einen Start- und einen Stopp-Knopf sowie einen Bildschirm, der die Fahrtroute zeigt - das wars auch schon.

Kleinserie geplant

Immerhin etwa 100 Prototyp-Fahrzeuge sollen entstehen. Noch diesen Sommer sollen Testfahrer erste Exemplare erproben, die eine manuelle Steuerung erlauben. Typischerweise läuft das so ab: Zuerst fährt ein konventionelles Auto die Strecke ab, um die Route aufzuzeichnen und die Verkehrsbedingungen zu checken. Dabei werden insbesondere Fahrbahnbegrenzungen und Ampeln erfasst. Dann folgt das Versuchsfahrzeug mit einem speziell geschulten Fahrer und einem Software-Ingenieur als Beifahrer.

Markteinführung mit Hilfe von Partnern

Wenn mit den Prototypen alles gut geht, will die Firma in den nächsten Jahren ein kleines Pilotprogramm in Kalifornien auf die Beine stellen. Entwickelt sich die Technik wie erhofft, will man mit Partnern zusammenarbeiten, um das Auto auf den Markt zu bringen, so Googles Projektverantwortlicher Chris Urmson im offiziellen Firmen-Blog. Auch wenn wir noch ein paar Jahre warten müssen: Autonom fahrende Autos sind wohl die Zukunft. Und auch wer am Wochenende gerne mit dem Sportwagen über die Landstraße fegt, wird sich im Stau manchmal schon ein autonomes Auto gewünscht haben.

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