Endstation Simmering: Abgeschleppt in Wien

Der Albtraum der Wiener Autofahrer liegt mitten im Niemandsland: Der Abschleppplatz Simmering lässt Falschparker unter Benzinbrüdern die Ganslhaut auffahren.

Abgeschleppt in Simmering - Cover
Abgeschleppt in Simmering Foto: Felicitas Matern/Media Wien

Beim Autobahnknoten Simmering befindet sich einer der größten Parkplätze der Stadt. Allein, hier eine Parklücke zu be­kommen, bereitet niemandem Freude. Wenn man in Simmering landet, dann wird es ­teuer. Auch die Anreise – zumindest öffentlich – ist nicht ohne. Wer keine Freunde mit Auto hat und kein Taxi zahlen will, darf sich auf einen län­geren Fußmarsch einstellen.

Wo ist mein Auto?

Der Schock sitzt meist tief, steht man vor der leeren (vermeintlichen) Parklücke – und futsch ist das Auto. Zwei Möglichkeiten gibt es dann: gestohlen oder abgeschleppt. Zweiteres ist trotz allen Übels die günstigere Alternative. Und die wahrscheinlichere: Rund 25.000 Fahrzeuge wurden im Vorjahr in den 11. Bezirk „entführt“, bis Mitte Juni 2014 waren es bereits mehr als 10.000. Fragt man im Wiener Bekanntenkreis nach, ist bald klar: Einmal trifft es ­jeden. Mindestens.

Abgeschleppt in Simmering
Abgeschleppt in Simmering Foto: Felicitas Matern/Media Wien

Odyssee

Gibt man die Adresse „Jedletzbergerstraße 1“ bei der Fahrplanauskunft ein, folgt die Ernüchterung auf dem Fuße: Ab dem Enkplatz fährt der 76A in Richtung Abschleppplatz. Ab der Haidequerstraße heißt es aber Marschieren – für ca. 20 Minuten. Zur Läuterung der Parksünder? Dies bestreitet Ulrike Volk, Sprecherin der MA 48, zu der der Abschlepptrupp gehört: Freie Fläche ist im bebauten Gebiet begrenzt, der Bereich des Autobahnknotens ideal. „Zahlreiche Wiederholungstäter zeigen, dass es als Abschreckungsmaßnahme weder geeignet noch gedacht ist“, entkräftet Volk die Vermutung von Weekend Magazin.

Zur Sicherheit

Egal wie groß und wie verständlich der ­Ärger über das abgeschleppte Fahrzeug ist – es dient letztendlich der allgemeinen Sicherheit. Die Abschleppgruppe der MA 48 wurde vor 40 Jahren aus traurigem Anlass gegründet: Eine Frau verstarb bei einem Brand, weil die Feuerwehr aufgrund von Falschparkern nicht durchkam. Seither wird abgeschleppt. Und einmal kommt jeder dran!

Abgeschleppt, was nun:

Platz: Am Abschleppplatz finden 900 Pkw, Lkw und Motorräder sowie 500 Fahrräder(!) Platz.
Kosten: 242 Euro für das Abschleppen, 9 Euro Verwahrungskosten/Tag (Pkw) plus Verwaltungsstrafe.
Verwahrdauer: 6 Monate bei Fahrzeugen mit Kennzeichen, 2 Monate ohne. Bei Nichtabholung geht das Fahrzeug in das Eigentum der Stadt Wien über, wird versteigert oder verschrottet.
Einspruch: Kostenbescheid verlangen und Rechtsmittel einbringen möglich, Gebühr beträgt 14,30 EUR.

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