Range Rover Hybrid 3.0 SDV6 im Weekend-Test

Ledergestühl, edles Wurzelholz – wenn man diesen Range Rover sieht, denkt man unweigerlich: So sollte ein Wohnzimmer sein. Fehlt nur noch der offene Kamin. Die Fahrt im sparsamen britischen Hybrid-Schloss.

Range Rover Hybrid 3.0 SDV6 - Cover
Von 0 auf 100 in 6,9 ­Sekunden, 340 PS (48 PS aus dem Elektromotor), Allrad, aber nur 6,4 Liter Verbrauch Foto: Weekend Magazin
Range Rover Hybrid 3.0 SDV6
Durch den Screen mit  „Dual View“ kann der Beifahrer fernsehen und der Fahrer gleichzeitig das Navi im Auge behalten Foto: Weekend Magazin
Range Rover Hybrid 3.0 SDV6
Der Kofferraum ist ein echter „Raum“: 904 bis 2.345 Liter Fassungsvermögen – auf fünf Metern Länge lässt sich eben auch viel verstauen Foto: Weekend Magazin
Range Rover Hybrid 3.0 SDV6
Diesel-Hybrid: Das automatische Aus- und Einschalten des Diesels läuft relativ ruhig ab. Im EV-Modus herrscht Stille Foto: Weekend Magazin

Beim fünf Meter langen Range Rover könnte man von der Größe, der Ausstattung, den verwendeten Materialien dem Preis von fast 150.000 Euro oder vom riesigen Kofferraum überrascht sein. Tatsächlich ist es aber der Verbrauch, der den Briten zum Schotten macht. Es gab Zeiten, in denen ein „Range“ solcher Größe kamelartige Trinkgewohnheiten hatte. Noch in den 1990ern konnte man froh sein, mit dem 173-PS-Benziner unter 16 Liter zu kommen.

Leichtgewicht bei 2,4 Tonnen

Heute steht da der neue Diesel-Hybrid mit 340 PS, drei ­Litern Hubraum und einem Durchschnittsverbrauch von 6,4 Litern! Stimmt, das steht in den Papieren, aber wie sieht die Realität aus. 8,5 Liter waren es im Test, ohne den flotten Briten zu tragen. Trotz Leichtbau­weise hat der Range Rover immerhin 2,4 Tonnen zu bewegen. Vor allem im Stadtverkehr mit hohem Anteil im EV-Modus (rein elektrisches Fahren) sowie „Stop and Go“ machte der Hybridler eine gute Figur. Ohne eingeschaltete Klimaanlage waren es teilweise 6,3 Liter bei braver Fahrweise. Auf der Autobahn bei 130 km/h sind es etwa 8,5. Also: Der Hybrid-Diesel macht durchaus Sinn, vorausgesetzt man missbraucht die 340 PS nicht für ein Renntraining oder jagt das SUV durch die Gegend. ­Allerdings wird sich der „durchlauchte“ Käufer eher der Umwelt, als der Geldbörse zuliebe für den Range Rover Hybrid entscheiden. Denn, der verhältnismäßig geringe Verbrauch, verblasst beim Ansehen der Preisliste.

Eine Preisfrage

Im Prospekt ist zu lesen, dass der Hybrid zumindest 142.900 Euro ­kostet. Die getestete Autobiography-Variante liegt bei 148.900,–! In Wahrheit ist es so: Der Range Rover ist sicher eines der bestausgestatteten Autos am Markt. Besser geht es kaum, und dies schlägt sich auch bei den Kosten nieder.

Ausstattung

Mit banalen Fragen, wie „Mit oder ohne Leder?“ hält man sich hier nicht auf. Im schönen Hochglanzkatalog werden 16 verschiedene Lederarten angeführt! Der Materialmix wird vom Käufer entschieden. Überhaupt gibt es im Range Rover keine einzige Ecke, ohne hochwertige Materia­lien. Es wäre ein Buch notwendig, um die Ausstattungsliste unterzubringen. Also wenden wir uns gleich der Technik zu.

Technisch

Es piept hin und wieder in unserem Range. Vor allem dann, wenn man dem Vordermann zu nahe kommt. Dazu gibt es die „Adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stauassistenten. Diese hält automatisch Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Mit dabei auch eine Luftfederung und das „Terrain Response System 2“ (damit die Fahrt ins schwere Gelände nobel über die Bühne geht), ein Surround-Kamera-Parksystem, Adaptive Dynamics und manch kurioses Feature. So gibt es auf Wunsch „Wade Sensing“. Dieses System untersucht die zu durchfahrende Wassertiefe. Bis 90 Zentimeter sind möglich. Wegen des fehlenden Flusses, haben wir das Feature nicht testen können – eh klar. Fazit: ein Auto der Superlative! Vorausgesetzt, man besitzt im Gegensatz zum Verfasser dieser Worte nicht nur ein Vorhängeschloss, sondern ein echtes Schloss, um stilecht vorzufahren. Notfalls reicht aber auch das nötige Kleingeld.

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Weekend Cover KW 26
Foto: HUBER-IMAGES.DE/SMETEK WIESLAW