BMW 435i Cabriolet: Luxus unterm Klappdach

Anderer Name, gleiches Prinzip: Jetzt wird auch der offene 3er-BMW von einem entsprechenden 4er abgelöst. Es bleibt beim Metallklappdach. Vermittelt das 435i Cabrio trotzdem genug Fahrspaß?

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Nur etwas für Las Vegas? Der US-Markt soll 40 Prozent der Verkäufe des offenen 4er ausmachen Foto: BMW

Das waren noch schöne Zeiten, damals vor inzwischen fast dreißig Jahren: Mit dem 3er-Cabrio läutete BMW anno 1985 die Renaissance der bezahlbaren offenen Viersitzer ein. Heute ist der elegante Bayer ein gesuchter Youngtimer, während sich seine legitimen Erben mittlerweile weit von den Wurzeln entfernt haben. Das letzte Cabrio mit der Drei am Heck setzte auf ein Metallklappdach statt der klassischen Stoffmütze. Für nicht wenige Fans ein glatter Stilbruch, doch BMW argumentiert, dass die weltweite Kundschaft es so will. Außerdem habe man ja noch stoffbespannte Alternativen im Programm.

Vier ist hier

Seit Mitte 2013 wird alles, was schicker aussieht als Vatis 320d-Firmenwagen, unter dem Namen 4er-Reihe zusammengefasst. Nach dem Coupé ist jetzt das Cabrio um eine Nummer aufgestiegen, noch 2014 kommt zudem das viertürige Gran Coupé. (Soweit die offizielle Linie, aber bei der Nischensuche von BMW muss das nichts heißen.) Ist das neue 4er-Cabrio ein würdiger Enkel des offenen E30? Eines steht auf jeden Fall nach der ersten optischen Begegnung fest: Der Klappdach-4er sieht vor allem geschlossen harmonischer aus als sein Vorgänger. Er ist etwas breiter geworden, geschickt gesetzte Blechfalze strecken den Wagen. Tatsächlich ist er aber nur um drei Zentimeter länger und vier Zentimeter breiter als sein Vorgänger.

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Trotz des Metallklappdachs ist der Hintern des Cabrios nicht allzu fett geraten Foto: BMW

Schlanker Po

Weiter verfeinert wurde das schon erwähnte Metallklappdach: Versprochen wird eine noch bessere Dämmung inklusive eines kompletten Dachhimmels. Doch wir wollen uns die vorhandene Sonne im echten Himmel gnadenlos auf den Pelz scheinen lassen und drücken den Öffnungsknopf. Selbst vom Fahrersitz aus beeindruckt das dreiteilige Dach-Ballett. Nach 20 Sekunden heißt es bis maximal 18 km/h: Helm ab, Klappe zu. Anders als bei mancher Cabrio-Sünde der Vergangenheit führt das zusammengelegte Verdeck nicht zu einem Hintern im Brauereipferd-Stil. Und noch eine Sache, die uns gefällt: Die A-Säulen ragen nicht meilenweit nach hinten, sondern halten Respektsabstand zum Kopf. Den müssen wir uns beim Anblick des mit Dach vollgestopften Kofferraums nicht machen, BMW hat dort nämlich ein Gimmick eingebaut. Mittels Taste fährt der Metall- und Glasstapel nach oben, um so bequem Gepäck einladen zu können. Wer das wirklich ausnutzen will: Zwischen 220 und 370 Liter passen ins Heck.

Der Letzte seiner Art?

306 ist die entscheidende Zahl unter der Haube: So viele PS hat der vorerst einzige Sechszylinder im 4er-Programm namens 435i. Ein Turbolader mit zwei Abgaseinströmöffnungen sorgt für diese Leistung, von der E30-Fahrer einst nur träumen konnten. In Verbindung mit der optionalen Achtgang-Automatik schüttelt der Motor seine Leistung so locker aus dem Ärmel, dass man sich fast in einem Elektroauto wähnt. Schon ab 1.200 Umdrehungen stehen die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment bereit, nach 5,1 Sekunden sind 100 km/h erreicht. Dabei bleibt der Sechszylinder akustisch auch bei offenem Verdeck zurückhaltend. Ob man das als nervenschonende Laufruhe oder Kastration des Klangs bewertet, ist eine Frage des Standpunkts.

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Noch als Gesamtpaket wird das Verdeck über den Innenraum gefahren Foto: BMW

Kostspielige Damenwahl

Keine Klagen gibt es über das harmonisch abgestimmte Fahrwerk, während die Lenkung einen Hauch zu weich wirkt. Wer einen heißen Sportwagen sucht, ist hier an der falschen Adresse, schon weil der offene 435i fast 1,8 Tonnen auf die Waage bringt. Wie dem auch sei: Die US-Kunden werden den kräftigen 4er-Gleiter mögen. Das sieht auch BMW so und sieht 40 Prozent der Käufer im Land von Coca-Cola und Big Mäc. Doch ob "Desperate Housewife" in Los Angeles oder Arztgattin alias Boutiquenbesitzerin in München: Beide werden die vielen Komfort-Annehmlichkeiten zu schätzen wissen. Eine dreistufige Nackenheizung? Kein Problem! Gibt es allerdings nur mit Sitzheizung und Lederpolsterung für schlanke 2.500 Euro. Ein Windschott? Kostet nur 360 Euro und lohnt sich, obwohl im offenen 4er selbst ohne dieses Ding kein Wirbelsturm herrscht. Schon eher zieht ein Tornado durchs Konto, denn ab März 2014 möchte der freundliche Händler Ihres Vertrauens 56.150 Euro für das BMW 435i Cabriolet inklusive Automatik haben. Falls es Sie tröstet: Die Kollegen vom Stern rufen für ein gleich starkes E 350 Cabriolet 58.607 Euro auf.

Wertung

 

Zwei Autos in einem: Was seltsam klingt, trifft beim neuen BMW 435i Cabriolet zu. Sowohl offen als auch geschlossen macht dieser 4er eine gute Figur. Allerdings macht ihn das virtuose Metallklappdach ziemlich schwer, weshalb er trotz 306 PS nicht unbedingt zur Kurvenhatz einlädt. In Verbindung mit der Achtgang-Automatik und Extras wie der Nackenheizung ist Komfort Trumpf. Den lässt sich BMW gut bezahlen. In einem über 56.000 Euro teuren Cabrio sollte das Windschott serienmäßig dabei sein.

+elegante Optik, durchzugsstarker Motor, ausgewogenes Fahrwerk

-Lenkung eine Spur zu weich, teilweise heftige Aufpreise

  • Antrieb

     95%
  • Fahrwerk

     90%
  • Karosserie

     85%
  • Kosten

     80%
 

 

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