Lärmpflicht für E-Autos!

Es klingt auf den ersten Blick halt schon leicht plemplem: Straßenlärm verursacht Krankheiten. Wir stellen Lärmschutzwände auf, zahlen Un­summen, um Dieselautos ruhiger zu machen, erschrecken uns über Lärmstudien, verwenden Flüster­asphalt und bauen Lärmschutzfenster in Wohnungen ein. Alles nur, um Ruhe zu haben. Im Gegenzug gibt es ab sofort eine Lärmpflicht für E-Autos, weil diese zu leise sind!

E-Auto Elektromobilität
Sehen kann man sie schon die E-Autos, aber hören noch kaum Foto: supergenijalac/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Bis 20 km/h müssen die Elektrischen "Autolärm" erzeugen. Aus Lautsprechern macht es nun Brum, Brum …

Wir haben in der Redaktion schon viele E-Autos getestet und, ja, am ruhigen Supermarktplatz schleicht man sich elektrisch förmlich an den wagerlschiebenden Fußgänger an – da muss man als Fahrer schon vorsichtig sein. Aber in der Lärmsuppe der Stadt, wo Massen an Verbrennern und Lkw unterwegs sind, kann kein Mensch ein einzelnes herannahendes Auto erlauschen. Hier geht auch ein künstlicher E-Sound unter.

Stellen wir uns kurz vor, es gäbe nur E-Autos. Wie leise wäre es wohl in einer Stadt? Schräg auch der Umstand, dass sich der Motorsound auf Knopfdruck ausschalten lässt. Was das System leicht ad absurdum führt. Wenn es zu laut wird, schalten wird den Lärm wieder ab? Na ja, schaden wird die Lärm­pflicht außer den Ohren sicher nicht.

Ich bin jedenfalls für eine Fahrradklingel am E-Auto. Das ist wahrscheinlich auch plemplem, aber einfacher und wenigstens sympathischer als ein Konserven-Motorsound.

Werner Christl
Motor-Ressortleiter Werner Christl Foto: Weekend Magazin/Volker Angerer

Autos sind seine Leidenschaft. Diese hat Werner Christl, der studierter Pädagoge ist, zu seinem Beruf gemacht. In seinen Betrachtungen und Kommentaren widmet sich der langjährige Motor-Ressortleiter des Weekend Magazins den täglichen Herausforderungen im Leben eines Autofahrers.

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