BMW M5 - Ritt auf der Kanonenkugel

Das 600 PS-starke Ungetüm BMW M5 schafft den Spagat zwischen Supersportler und Komfortlimousine. Eine derart gute Fahrwerksabstimmung überrascht auch abgeklärte Motorjournalisten. Wie es sich anfühlt, den M5 in 3,4 Sekunden auf 100 km/h zu bringen und warum der Allradantrieb auch Hinterradantrieb-Fetischisten Freudentränen in die Augen treibt.

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Werner Christl
600 PS, 0-100 km/h in 3,4 Sekunden
Foto: Werner Christl
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Elegant und gleichzeitig sportlich... Foto: Werner Christl
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Zwei dieser Knöpchen (M1 und M2) lassen sich individuell belegen - je nach Vorlieben.  Foto: Werner Christl
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... so kann der Fahrer beispielsweise die M1-Taste mit straffem Fahrwerkung Allradantrieb xDrive abstimmen. Die zweite Taste vielleicht mit Hinterradantrieb und ausgeschaltetem DSC? Foto: Werner Christl
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Aufgeräumtes Cockpit mit großen Screen. Foto: Werner Christl
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Hier turnt die Nadel des Drehzahlmessers... Foto: Werner Christl
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8-Gang-Automatik Foto: Werner Christl
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Mal was Neues: ein Seitenspiegel mit „Luftloch“. Foto: Werner Christl
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BMW M5 Foto: Werner Christl
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BMW M5 Foto: Werner Christl
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BMW M5 Foto: Werner Christl
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BMW M5 Foto: Werner Christl
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BMW M5 Foto: Werner Christl
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Vier große Endrohre, die das Blubbern des V8 (4,4 Liter Hubraum) in Szene setzen. Foto: Werner Christl
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Werner Christl Foto: Werner Christl
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Werner Christl Foto: Werner Christl

Im Grunde trägt der neue M5 optisch gar nicht so stark auf. Zumindest, wenn man bedenkt, dass der stärkste BMW aller Zeiten mit seinen 600 Pferden unter der blauen Motorhaube quasi Löcher in den Asphalt reisen kann. Die vier großen Endrohre und die netten Sportapplikationen zeigen gleich, wo es lang geht, aber eben nicht brachial und proletenhaft. Nein, man geht es kultiviert an. Das gilt auch für das edle Cockpit des Bayern. Alles ist so angebracht, wie man es erwartet. Nicht zu sehr verspielt und absolut hochwertig. Nur einige kleine Knöpfchen eröffnen eine brutale Welt. Vor allem sind da zwei rote Tasten mit der Aufschrift „M1“ und “M2“. Diese lassen sich auf die Vorlieben des Fahrers einstellen. Motor-, Fahrwerks,- Antriebsmodi können eingegeben und abgespeichert werden. So kann man sich beispielsweise auf M1 dem Hinterradantrieb ohne DSC hingeben und M2 mit dem xDrive belegen, um auf Nummer sicher zu gehen. Ansonsten besteht natürlich die Möglichkeit, die für BMW üblichen Fahrmodi einzustellen. Fahr-Erfahrung. Der M5 ist ein absolut brutales Spielzeug, welches aber gleichzeitig auch als Businesslimousine durchgeht. Das Fahrwerk ist über jeden Zweifel erhaben. Beim Familienausflug mit dem Sportler gibt es absolut keine zu harte Federung. Man gleitet trotzt Sportfahrwerk über Bodenwellen. Selbst im Sportmodi bleibt ein gewisser Komfort bestehen. Es gibt wohl kaum ein Auto, das diesen Spagat zwischen Business-Limo und Sportler besser hinbekommt. Und: der M5 wird erstmals mit Allradantrieb ausgeliefert. Das bringt nicht nur im Winter entscheidende Vorteile, sondern generell auch in Sachen Traktion. Von 0 auf 100 km/h geht mit xDrive natürlich viel schneller von der Hand. Der M5 bringt seine Kraft souverän auf die Straße. Allen Allradfeinden sei gesagt, dass der Deutsche auch mit xDrive seine Heckschleuderqualitäten nicht vergisst, da die Kraft zum Teil eher an die Hinterräder gesendet wird. Zudem hat der M5 einen reinen Hinterradmodus im Programm. Jedenfalls werden Kurven mit oder ohne Allrad ordentlich gerade gebügelt. Dazu kommt noch ein netter Sound aus dem 4,4-liter-V8-Biturbo. Schon im Leerlauf ergibt sich auf jedem Supermarkt Parkplatz eine gewisse akustische Präsenz. Beim beherzten Tritt auf das Gaspedal wird es mitunter knurrig laut – allerdings nur für die Zuhörer außerhalb des Autos, denn der M5 ist mehr als sauber gedämmt. Die Bremsen (M Carbon-Keramik) verdienen die Bezeichnung Anker, und eine 8-Gang M Steptronic arbeitet ebenfalls souverän. Man merkt es schon an den letzten Zeilen – die Ingenieure haben extrem gute Arbeit verrichtet. Der M5 ein annähernd perfektes Auto. Verbrauch? Na ja 600 Pferde wollen auch gefüttert werden. Wobei sich die Pferdchen nicht sinnlos dem Suff hingeben, als wären diese ein Kamel an der letzten Tränke vor der Sahara. BMW spricht von 10,5 Litern im Schnitt – 12 bis 13 waren es im Test. Ja, zu viel, aber nicht, wenn da ein 4,4-Liter-V8 seine Arbeit verrichtet! Allerdings kann man den M5 auch mit acht Litern auf der Bundesstraße fahren, wenn der Gasfuß extrem brav agiert. Wie schnell? Bei 250 km/h wird automatisch abgeriegelt. Auf Wunsch glüht die Tachonadel auch auf 305 km/h. Wo die gefahren werden sollen ist noch ein Rätsel. Wobei die 200 km/h schon in 11 Sekunden erreicht sind. Bereits nach gut fünf Sekunden sind jedenfalls sämtliche in Österreich gültigen Geschwindigkeitsbegrenzungen überschritten. Fazit: Ob solche Autos in der heutigen Zeit sinnvoll sind ist natürlich fraglich. Wobei der M5, wie gesagt, keine Säufer ist! Auch der Preis stellt eine gewisse Hürde dar. Die 149.500,- Euro sind wohl gerechtfertigt, aber eine ganze Menge Zaster. Sagen wir es so: sollten wir 150.000 Euro geschenkt bekommen mit der Auflage damit ein Auto zu kaufen, wäre die Entscheidung relativ schnell gefallen. Wir kennen kaum ein Auto mit derartigen Fahrleistungen, das sich im Alltag „normal“ bewegen lässt und noch dazu viel Komfort und einen riesigen Kofferraum bietet. Wie lange wir dann mit unserem Geschenk fahren würden, ist allerdings nicht klar, denn die Erhaltungskosten wie KFZ-Steuer verwandeln die Freudentränen beim Fahren in echte Tränen beim Gedanken ans liebe Geld.

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