Autotest: Honda Civic Type R - Wehe, wenn er losgelassen...

Auffällig. Die einen zeigen mit dem Finger auf den Type R, andere deuten mit dem Finger an den Kopf, und die Beifahrer „beißen“ ängstlich an den Fingernägeln.

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Honda Civic Type R
310 PS, 400 Newtonmeter, 0 – 100 km/h in 5,3 Sekunden, 7,3 Liter Verbrauch – so die Eckdaten des eiligen Kanonenrohrs. 
 
Foto: Hersteller
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Honda Civic Type R Foto: Hersteller
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Honda Civic Type R
Dezent ist er ja nicht gerade – der Heckspoiler,
aber angesichts der Fahrwerte doch wieder stimmig.
 
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Honda Civic Type R Foto: Hersteller
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Honda Civic Type R
Da links, neben dem Lenkrad sitzt er. Der böse „R“-Knopf. So wird aus Dr. Jekyll ein schlimmer Mr. Hyde.
 
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Honda Civic Type R Foto: Hersteller
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Honda Civic Type R Foto: Hersteller
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Honda Civic Type R Foto: Weekend/Werner Christl
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Das „R“ dürfte für radikal, Rabauke, rassig stehen –
möglicherweise aber auch ganz einfach für „Racing“.
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Das „R“ dürfte für radikal, Rabauke, rassig stehen – möglicherweise aber auch ganz einfach für „Racing“. Foto: Weekend/Werner Christl
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Der „R+“ Button verwandelt den Type R in ein Ungetüm. Foto: Weekend/Werner Christl
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Honda Civic Type R Foto: Weekend/Werner Christl
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Honda Civic Type R Foto: Weekend/Werner Christl

Nein, ein derartig fetter Flügel am Heck zeugt nicht unbedingt von Bescheidenheit. Autos der Golf-Klasse schauen in der Regel anders aus. Und die Blicke, die über einen hereinbrechen, sind mitunter ge­wöhnungsbedürftig. Jetzt kommt das „Aber“: Dieses Auto ist von einer Radi­kalität geprägt, von einer Ehrlichkeit, die seines­gleichen sucht. Das kleine Schaltknüppelchen schluckt die Gänge mit kurzen, präzisen Schaltwegen, wie wir es schon lange nicht mehr gesehen und gefühlt haben. Nein, keine Soundtaste ­behübscht den R-Type. Mit rasch zunehmender Drehzahl enden Gespräche ob des Dröhnen sowieso im „Was? Wie?“-Modus. Den Drehzahlmesser, der mitten im Sichtfeld unübersehbar thront, kann man sich sparen. Der Fahrer hört es eh, wenn der Motor einen anderen Gang verlangt. Ja, der Type R ist ein grundehrlicher Typ.

Ein harter Hund. Solange man nicht den „R+“-Button drückt, fährt sich der 310 PS starke Fronttriebler mit komfortabler Straffheit. Einmal gedrückt, verwandelt sich Dr. Jekyll in Mr. Hyde. Das Knöpfchen dient nicht der Zierde, es verändert den Type R in einen wirklich harten Hund. Und das ist sicher nicht übertrieben! Das Ansprechverhalten von Motor und Gaspedal, sowie eben auch die Dämpfung, werden sportlich. Dank Sperrdifferential zupft der Super-Civic beim beherzten Tritt kaum an den Vorderrädern. Es gibt kaum Autos mit Frontantrieb, die sich so fahren lassen. Überhaupt spürt man auf dem Körperteil, der sich unten an den Sportsitzen breit macht, die Straße sehr gut. Alles ausgewogen, gute Rückmeldung, aber doch sehr böse. Böse, wie 400 Newtonmeter Drehmoment und von 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden! Der Zwei­liter-Turbomotor will un­bedingt bei Laune gehalten werden, aber ab etwa 2.500 Umdrehungen geht die Post ab. Wer will, kann dann bis fast 7.000 Umdrehungen weiter orgeln, dann leuchten zuerst gelbe, dann rote Lämpchen und zwingen zur Aufgabe. Auch die roten ­Brembo-Bremssättel packen ordentlich zu. Optimale ­Dosierung ist kein Problem.

Alltag. Auch wenn der Alltag bei einem solchen nicht alltäglichen Auto zur Nebensache degradiert wird: Das Ding hat doch tatsächlich einen großen Kofferraum. Auch die Fondpassagiere haben viel Platz! Sogar der Verbrauch geht in Ordnung. Laut Werk sind es im Schnitt 7,3 Liter. Im Test, bei eingeschaltetem Hirn und ausgeschaltetem „Spaßknopf“ waren es etwas weniger als neun Liter.

Cockpit. Auch im Innenraum ist der Japaner kein Kind der Unauffälligkeit. Alleine die knallroten Sportsitze leuchten wie rote Ampeln. Die Displays sind vielleicht nicht die elegantesten, geben aber sogar über die Aufladung des Turbos Auskunft. Und das Fazit von dieser Geschichte? Der Civic Type R tut nicht nur so, als wäre er ein böses Teil, er ist eine Fahrmaschine, die trotz Frontantrieb für mächtig Spaß sorgt. Understatement sieht halt anders aus. Er ist schnell, hart, radikal und sogar alltagstauglich – genau das mögen wir am ­Japaner. Zu haben ist das 270 km/h schnelle Geschoss ab EUR 37.190,–.n

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