Mehr als Tuning! Was breitere Reifen bringen

Als der erste Golf 1974 auf den Markt kam, war er mit 145er-Reifen bestückt. Heute liegt der Standard in der Kompaktklasse bei 195 bis 205 Millimetern Breite. Der Trend geht seit Jahren zu breiteren Pneus. Warum eigentlich?

Breite Reifen können durchaus Vorteile haben - Cover
Breite Reifen können durchaus Vorteile haben Foto: APA (dpa/Kai Remmers)

Lange Zeit galten breitere Reifen als reines Tuning, für das sich vor allem Motorsportfans begeisterten. Inzwischen laufen Autos serienmäßig mit stattlichen Reifenbreiten vom Band. Entsprechend wirkt der 145x13-Reifen eines Golf I von 1974 heute fast wie ein Notrad.

Einst Protz, heute Standard

Der Golf ist kein Einzelfall. Im Jahr 1983 wurden etwa die meisten Audi 100 mit der Reifengröße 185/70 R14 verkauft. Gut 20 Jahre später ist das Nachfolgemodell A6 mehrheitlich bereits mit 205/60 R16-Reifen bestückt, und 2014 sind die Pneus auf die Größe 245/45 R18 gewachsen.

Mehr Bodenhaftung

Die Bodenhaftung nimmt mit der Reifenbreite zu. Lag bei einem Serienreifen Ende der 1970er Jahre die Maximalgeschwindigkeit bei 210 km/h, sind es heute 360 km/h. Um die höheren Geschwindigkeiten abbremsen zu können, wächst der Durchmesser der Räder, wodurch Hersteller größere Bremsscheiben verbauen können.

Der Golf 1 stand noch auf dünnem Gummi - Cover
Der Golf 1 stand noch auf dünnem Gummi Foto: APA (dpa/Volkswagen)

Problem: Rollwiderstand

Breitere Reifen wirken sich unter Umständen aber negativ auf den Rollwiderstand aus. Dadurch steigt wiederum der Spritverbrauch, weil eben mehr Gummi aufliegt. Der Rollwiderstand entsteht durch die Verformung des Reifens beim Losfahren. Aus einem runden Reifen wird praktisch ein flacher, der den Grip auf die Straße bringt. "Man kann sich das wie eine kleine Bugwelle vorstellen, die sich bildet, wenn der Reifen aufliegt", erklärt Klaus Engelhart vom Reifenhersteller Continental.

Kürzerer Bremsweg

Um gut 30 Prozent wurde der Rollwiderstand in den vergangenen 30 Jahren bereits gesenkt. Wurde Continental zufolge bei Reifen der Größe 185/60 R14 im Jahr 2000 noch ein Rollwiderstands-Wert von 11,7 CR ermittelt, sind es aktuell nur noch 8,6. Hierbei gelang es den Entwicklern, gleichzeitig den Bremsweg zu verkürzen.

Der Golf 6 steht auf deutlich breiteren Reifen - Cover
Der Golf 6 steht auf deutlich breiteren Reifen Foto: APA (dpa/Volkswagen)

Spritverbrauch drosseln

Dass der Benzinverbrauch nicht im gleichen Maße wie der Rollwiderstand gesunken ist, liegt am Gesamtpaket Auto, bei dem der Reifen nur zu gut 20 Prozent auf den Verbrauch Einfluss nimmt. Das Gewicht des Autos ist genauso entscheidend wie die Motortechnik und die Fahrweise. Wer sprit- und reifenschonend fahren will, sollte nach Meinung von ADAC-Experte Ruprecht Müller schnelles Anfahren und Bremsen ebenso vermeiden wie überbreite Pneus, die nicht auf Fahrwerk und Karosserie abgestimmt sind.

Neue Situation bei E-Autos

Ganz auf Kilometer getrimmt werden die neuen Reifen für E-Autos, die mit schmaleren Laufflächen, einem geringen Eigengewicht und hohen Radgrößen von bis zu 20 Zoll derzeit die besten CR-Werte erzielen. Das funktioniert laut Engelhart auch, weil diese Reifen eben nicht auf Sportlichkeit ausgerichtet sind, sondern vorrangig auf das Erzielen hoher Reichweiten.

Achtung, Reifendruck

Einen optimalen Rollwiderstand bietet der Fahrradreifen eines Rennrads: Er ist groß, schmal, hart aufgepumpt und hat dadurch nur eine geringe Auflagefläche. Von diesem Beispiel können auch Autofahrer lernen, indem sie den Luftdruck immer im Auge behalten. "Der Reifendruck ist generell sehr wichtig für den Spritverbrauch", erläutert Müller. "Denn er beeinflusst den Rollwiderstand direkt." Wer etwa viel auf der Autobahn unterwegs ist, sollte lieber etwas mehr Luft nachfüllen, weil ein härterer Reifen bessere Abrolleigenschaften aufweist.

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