Audi e-tron im Test: Kein Audi für den Saudi

Motoröl, Diesel oder andere „schmutzige“ Dinge aus Quellen der Saudis und ähnlichen ­Ölverkäufern braucht der e-tron nicht. Er will nur mit Strom
gefüttert werden. Der e-tron steht für Spannung!

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Foto: Peter Christian Mayr
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Klar sind E-Autos leise, aber das Fahren im e-tron wirkt eher wie eine Mischung aus Ballonfahrt, ICE und Segelflug. Die Deutschen haben doch glatt auch noch den letzten Rest von Fahr- und Windgeräuschen weggedämmt. Als Draufgabe ist da noch eine Luftfederung, die dieses Gefühl verstärkt. Der e-tron ist eine Antilärmkapsel und versetzt Fahrer und Passagiere in Antistresslaune. Vorausgesetzt man tritt nicht auf das Gas- bzw. Strom­pedal, denn das Drehmoment des 4,9 Meter langen SUV weckt einen mit einer ordentlichen „Gnackwatschen“ von brutalen 664 Newtonmeter aus der Entspanntheit. Wobei die Kraft eben auch via Allradantrieb an die Straße weitergegeben wird, ohne dass sich dabei die Reifen in stinkende Rauchwolken auflösen. Immerhin stehen bei Bedarf kurzfristig über 400 PS (215 PS „Dauerleistung“ laut Zulassungsschein) zur Verfügung. Zwei E-Motoren – Audi nennt diese „E-Maschinen“ – verteilen die Pferdchen auf die jeweilige Achse des Bösen. In diesem Fall des Guten – weil ja E-Auto. Je nach Anforderung wird in Sekundenbruchteilen die Kraft also dorthin verpflanzt, wo sie gebraucht wird. Wobei der e-tron eigentlich eher träge agieren müsste, da das Ding satte 2,5 Tonnen auf die Waage bringt! Und jetzt kommt’s! Er wankt auch in den Kurven nicht! „Schuld“ sind 700 Kilo Batterien, die im Wagenboden flach verteilt sind und so eine optimale Straßenlage bieten. Hut ab – den Part Fahrspaß und Straßenlage hat man gut hinbekommen! Jetzt aber zur Achillesferse der E-Autos – die Reichweite.

 

Mit einer Vollladung sollen es 417 Kilometer (WLTP) Reichweite sein. Nach unseren Tests (Temperaturen nie höher als 5 Grad) können wir sagen, dass gut 300 bis 320 Kilometer immer möglich sind. Wer bei batterieschonenden 20 Grad brav fährt, dürfte die 350-Kilometer-Marke erreichen. Der e-tron zeigt im Übrigen relativ genau jene Reichweite an, die auch am Ziel erreicht wird. Wer den Großglockner Vollgas bei Minus 20 Grad raufdonnert, kann natürlich derartige Reichweiten vergessen, aber da würden auch Diesel saufen wie ein Kamel. Geladen wird theoretisch an 150-KW-Schnellladestationen, die es aber de facto derzeit nur in homöopathischen Dosen gibt. Dort ginge es in 30 Minuten auf 80 Prozent. Bis 2020 sollen 400 dieser Stationen in Europa verfügbar sein. An den 50-KW-Tanken, wie sie auf ganz Österreich verteilt sind, geht es aber ohnehin auch flott. Mit Haushaltssteckdose dauert es aber wie bei allen E-Autos eher Tage als Stunden, bis die 95-kWh-Batterien voll sind. Nein, man kann auch im e-tron nicht so weit wie mit einem Langstreckendiesel fahren, aber ehrlich gesagt: Wer fährt schon jeden Tag mehr als 400 Kilometer!? Und: Es gibt eben Schnellladestationen. Der „Tankdeckel“ öffnet übrigens elektrisch. Leicht ins Schwitzen sind wir vor dem ersten Ladevorgang gekommen. Im Kofferraum lagen keine Ladekabel. Die hat Audi im Motorraum versteckt, wo sich ein winziger Zusatzkofferraum befindet.

 

Virtuelle Außenspiegel

Der e-tron lässt sich brutal hochrüsten, hat aber schon in der Grundausstattung alles Notwendige an Bord. Wer möchte, kann sogar virtuelle Außenspiegel ordern. Statt der „Spiegel“ gibt es dann Kameras, die Bilder auf einen Screen in der Fahrertür übermitteln. Das drückt den cw-Wert, muss aber wahrscheinlich nicht unbedingt sein. Zum Innenraum: der e-tron hat sicher den hochwertigsten Innenraum unter allen E-Autos. Verglichen mit einem Tesla haben die Deutschen bei Weitem die Nase vorn. Die bekannten MMI touch response-Displays geben gute Rückmeldung an den Tippfinger und so wird das Fummeln am Screen erleichtert. Dazu gibt es feines Leder, einen extrem breiten „Schalthebel“ und ein riesiges Ablagefach im Bereich der Mittelkonsole. Bei den Sicherheitsassistenten fällt vor allem der Effizienz­Assist ins Auge. Dieser erkennt den Straßenverlauf und verzögert oder beschleunigt ökonomisch. Fazit: Man muss kein Audi-Fan sein, um zu merken, dass der e-tron derzeit das wohl hochwertigste und in vielen Bereichen beste E-Auto am Markt ist. Klar sind 82.000 Euro Startpreis heftig, jedoch vergleichbare Oberklasse-SUVs kommen mit etwas Ausstattung auch auf diesen Preis. Nein, kein Auto für die Masse, aber ein Schritt in die Zukunft, mit dem Audi der Konkurrenz ganz sicher einiges vorgelegt hat!

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