20 Jahre Renault Twingo: Geliebt, gehasst - und gut verkauft

Wissen Sie noch, was Sie beim Anblick des ersten Twingo gedacht haben? "Wie kann man denn so ein Auto bauen?" Oder: "Ach, wie niedlich! So süße Kulleraugen!". Wir blicken zurück auf 20 Jahre Twingo

Kopie von Renault Twingo
Der Kleine sollte ein ganz neues Lebengefühl vermitteln Foto: Renault

Wissen Sie noch, was Sie beim Anblick des ersten Renault Twingo gedacht haben? Vielleicht: "Wie kann man denn so ein Auto bauen? Das kann man ja gleich in die Tonne kloppen, so wie das aussieht!" Oder: "Ach, wie niedlich! So süße Kulleraugen! Und die fröhlichen Farben! Den will ich!" Ja, der französische Kleinstwagen polarisierte, als er 1993 das Licht der Autowelt erblickte. Doch der Erfolg stellte sich trotzdem ein: Mittlerweile wurden 2,5 Millionen Twingo verkauft, davon allein über zwei Millionen von der ersten Auflage.

Innovative Lösungen

Doch der Reihe nach: Im Jahr 1989 bekam Projektleiter Yves Dubreil von Renault den Auftrag, ein kompaktes, praktisches, wirtschaftliches und komfortables Auto zu bauen. Es durfte aber in keiner Weise mit dem größeren Clio aus eigenem Hause konkurrieren. Also wurde ein nach Angaben von Renault "völlig neuer Ansatz" gewählt. Der Twingo verzichtete auf alles Überflüssige - das machte ihn natürlich erschwinglich. Dafür kam er mit innovativen Lösungen wie einer längs verschiebbaren Rücksitzbank.

Nur ein Motor

Anders als die Konkurrenz gab es den Kurzen zunächst nur mit einem einzigen Motor: einem 1,3 Liter mit 54 PS. Ebenso vorgegeben war die Innenausstattung mit apfelgrünen Bedienelementen. Für außen konnte man aus Blau, Rot, Grün und Gelb wählen. Ein genial großes Faltdach und eine Klimaanlage waren die einzigen Optionen, die bestellbar waren.

Innen kann ein Doppelbett entstehen

Der Twingo fand bald Freunde, denn er hatte innen mehr Platz, als es von außen aussah. Das lag auch an seiner Architektur, denn die Räder, die es nur in einer Größe gab, waren in den äußersten Ecken platziert worden. Beachtung fand auch, dass sich alle vier Sitzlehnen flach legen ließen, sodass ein Doppelbett entstand.

Warnblink-Schalter als Clownsnase

Der neue Lebensstil, den dieses Auto vermitteln sollte, spiegelte sich auch in seinem Namen wieder. Von Renault selbst ist zu hören, dass "Twingo" eine Mischung aus "Twist", "Swing" und "Tango" sei. Und dass zu diesem Stil auch Humor passen sollte, kam in Details zum Ausdruck: So war der Warnblinker-Schalter wie eine Clownsnase geformt.

Renault Twingo
Der Twingo konnte auch Schwergewichte transportieren Foto: Renault

Verschiedene Getriebevarianten

Der Twingo war nicht nur ein Auto für die Stadt: So legte im Jahr 1994 ein Franzose damit 240.000 Kilometer durch das australische Outback zurück. Am Ende der Reise wurde der Wagen von einem Aborigine-Künstler bemalt. Selbst der technische Fortschritt ließ nicht auf sich warten: 1994 kam ein Schaltgetriebe auf den Markt, bei dem man nicht mehr selber kuppeln musste. 1996 gab es die Sondermodelle "Benetton" und "Twingo`Matic" mit Dreigang-Automatik, zudem wurde die Motorleistung auf 60 PS erhöht. Im Jahr 1998 musste der freche Franzose ein erstes Facelift über sich ergehen lassen. Dabei wurden das Fahrwerk, die Sitze, das Armaturenbrett, die Scheinwerfer und die vordere Stoßstange überarbeitet. Verschiedene Sondermodelle ergänzten die Reihe.

2007 endet die Produktion in Europa

Im Jahr 2000 gab es dann ein 16V-Triebwerk mit 75 PS und ein sequenzielles Quickshift-Getriebe. Am 28. Juni 2007 endete die Produktion der ersten Generation in Europa, in Kolumbien wurde der Twingo I jedoch noch bis 2012 weiterproduziert.

Renault Twingo
Über zwei Millionen Mal verkaufte sich die erste Generation Foto: Renault

2012: Wieder überarbeitet

Hierzulande rollte im Jahr 2007 die zweite Generation zu den Händlern, sie basierte auf dem Clio und wurde damit auch 17 Zentimeter länger. Leider hatte der Neue viel vom ursprünglichen Charme des ersten Twingo eingebüßt und sah aus wie ein ganz normaler Kleinstwagen. Erstmals war nun auch ein Diesel zu haben. 2012 schließlich kam erneut eine Überarbeitung zum Zuge: Front- und Heckpartie wurden modernisiert und der Kleine bekam wieder ein freundliches Gesicht verpasst. Als Varianten kam nicht nur der 133 PS starke RS hinzu, sondern auch ein Coupé-Cabrio mit dem Namen Wind auf gleicher Plattform. Dieses wurde jedoch im Sommer 2013 nach knapp drei Jahren Bauzeit mangels Erfolg wieder eingestellt.

Renault Twingo
Unter der Haube war bei allen ein 54-PS-Otto versteckt Foto: Renault

Dritte Generation kommt 2014

Der ganz neue Twingo wird gemeinsam mit Smart entwickelt und soll 2014 erscheinen. Seine Weltpremiere wird er auf dem Genfer Autosalon (6. bis 16. März 2014) feiern. Einen ersten Vorgeschmack auf sein Design gab die Studie Twin'Run, die im Mai 2013 beim Formel-1-Rennen in Monaco vorgestellt wurde.

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