Zeugnis: Fünf Euro für ein Sehr Gut

Die Zeugnisse sind endlich da! Doch sollte man Kinder für gute Noten im Zeugnis mit Geld belohnen? Oder ist ­Anerkennung die bessere Form der Belohnung?

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Wie belohnt man gute Noten? Experten sagen: mit Qualitätszeit Foto: vadimguzhva/iStock/Thinkstock

Juhuuuuu! Endlich Schulschluss. Mit dem Zeugnis in der Hand beginnt jetzt die schönste Zeit im Jahr: die Ferien. Doch nun stellt sich für die Eltern eine entscheidende Frage: Soll man die guten Noten im Zeugnis mit Geld belohnen? Bei dieser Frage scheiden sich auch die Geister der Experten. Während die einen nichts Verwerfliches daran finden, einige Euro für gute Noten springen zu lassen, meinen die anderen, das wäre der ­falsche Weg. Bildungsexperte und Autor Andreas Salcher meint: "Geldgeschenke sind zwar für Eltern bequem, ­verstärken aber die falsche Einstellung, dass sich Wertschätzung prinzipiell in Geld ausdrückt. Geschenke, die die Lernfreude weiter an­fachen, wie z. B. ein Tenniskurs, ein Fußballcamp, Reitstunden oder eine Führung im Zoo wirken viel nachhaltiger." Fakt ist: Kinder lernen gerne, wollen aber ermutigt werden und streben nach der Anerkennung der Eltern. Die Übergabe eines Geldscheins ist bequem und kostet wenig Zeit. Was Kindern aber ­wahre Freude bereitet: wenn sich die Eltern mit ihnen ­liebevoll beschäftigen.

Zeit hat mehr Wert

Die ­Arbeit des Kindes zu würdigen und sich zum Beispiel gemeinsam die Deutsch-Schul­arbeit nochmals durchzulesen und eine gelungene Formulierung zu bestaunen, ist für viele Kinder wichtiger und befriedigender als ein Schein für das Sparschwein. Psychologen sind auch der Auffassung, dass die reine Geldübergabe die Fokussierung auf Noten unnötig anheizt. Familiencoach Sandra Teml-Jetter: "Belohnung ist das Zwillingskind von Bestrafung. Ich finde es absurd, Kinder für eine der natürlichsten, angeborenen Dinge zu belohnen – das Lernen." Ein weiterer Nachteil bei Geldgeschenken wird Eltern mit mehreren Kindern bewusst, die unterschiedlich leicht lernen. Während manche Kinder mühelos Einsen schreiben, müssen sich andere für eine Drei gehörig anstrengen. Die Lösung dafür: Behalten Sie die Lernprozesse des Kindes im Auge und würdigen Sie individuelle Leistungen. Vereinbaren Sie zu Beginn des Semesters Ziele und überlegen Sie sich, welche Note das Kind realistisch erreichen kann. So haben auch typische Dreier-Schüler ein Ziel vor Augen. Erreicht das Kind das Ziel, so erhält es eine gemeinsam vereinbarte Belohnung. Übertrifft es die Erwartungen so kann diese auch höher ausfallen. Heidi Schrodt, langjährige AHS- Direktorin in Wien und Vorsitzende der Bildungsinitiative BildungGrenzenlos dazu: "Ganz wichtig ist es, schu­lisches Versagen nicht zu ­dramatisieren."

Belohnung von Opa

Bei schlechten Noten ist Aufmunterung gefragt, keinesfalls Bestrafung. Schrodt: "Belohnen Sie Kinder dort, wo sie besonders gut sind, das kann auch beim Sport oder in der Musik sein." Für Schrodt spricht aber nichts dagegen, wenn der Opa für ein gutes Zeugnis einen Zwanziger ­locker macht. Denn eines gilt für alle Kinder gleichermaßen: Aufmerksamkeit und ehrliches Lob, gemeinsame Unternehmungen und Zeit mit den Eltern sind tausendmal mehr Wert als Geld.

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