Wirtschaft: Lasst die Lotsen an Bord!

Ein ganz besonderer Freitag der 13.: Neun Wochen ist er her. Die Aufforderung des Kanzlers, das soziale Leben „auf ein Minimum“ zu reduzieren, klingt uns noch in den Ohren. Was bleibt von den Monaten März bis Mai noch im Gedächtnis?

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Foto: Maximilian Salzer

Eine emotionale Hochschaubahn: Mutig stürzte man sich kopfüber in den Lockdown, angefeuert von den Parolen des Zusammenhalts. Neun Wochen später und mitten im Prozess des Hochfahrens macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit. Eigentlich „dürfen“ wir doch jetzt wieder viel, sogar zu viert an einem Restauranttisch sitzen. Die ersten Landesgrenzen werden durchlässiger. Das große Aufatmen bleibt dennoch aus. Und zwar nicht nur wegen des feuchtwarmen Klimas, das jedes Schnaufen unter dem Mund-Nasenschutz erzeugt.

Instinktiv sind alle auf der Hut. Die brennendste Frage: Was wird passieren, wenn alle zur Kurzarbeit angemeldeten ArbeitnehmerInnen in die Unternehmen zurückkehren? Wird das Schiff  namens „Österreichs Wirtschaft“ bereits wieder genug Wasser unter dem Kiel haben, sodass es alle Passagiere, die zurück an Bord strömen, aufnehmen kann? Oder sitzt es bei der nächstbesten Untiefe auf und muss Rettungsboote zu Wasser lassen, um wieder manövrierfähig zu werden?  Wer ehrlich ist, muss zugeben: Wir wissen es derzeit nicht.  Und natürlich hilft es kein bisschen, lautstark SOS-Signale abzusetzen, bevor ein Unglück geschehen ist.

Was jetzt hilft, ist eine ruhige – aber äußerst aufmerksame – Beobachtung der Entwicklung. Nicht in Endzeitstimmung verfallen, und auch nicht wie das Orchester auf der Titanic einfach weiterspielen. Gefragt ist ein rationales Auseinandersetzen mit dem, was auf uns zukommen mag – das gilt für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes. Unbedingt notwendig: die Beratung durch ausgewiesene Wirtschaftsexperten. Ihnen muss man in der jetzigen Situation ebenso viel Gewicht geben wie zuvor den Virologen. In der politischen Diskussion hört man ihre Stimmen (noch) nicht. Hinter verschlossenen Türen dürfte Österreichs wirtschaftliche Lage nach den Sommermonaten längst Thema sein. Sitzen dabei auch renommierte Wirtschaftswissenschaftler mit am Tisch? Warum ist die Regierung hier so verhalten in der Kommunikation? Will man uns schonen? Bloß nicht! Schließlich sitzen wir alle in einem Boot.