Wirbel um Parkfläche

Die Styria kündigte den Bestandsvertrag über die Nutzung des ans Headquarter angrenzenden Parks. Der Bezirksrat von Jakomini will die Bebauung der wertvollen Grünfläche verhindern – mit wenig Aussicht auf Erfolg.

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Der „Styria Park“ in Jakomini – für das als Bauland gewidmete Areal stehen die Interessenten Schlange. Foto: Stoimaier
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Foto: Stoimaier

Eine Stadt baut aus. Bis 2034 soll die Grazer Bevölkerung auf 329.000 Einwohner ansteigen – und dementsprechend sprießen an allen möglichen (und unmöglichen) Stellen neue Wohnbauprojekte aus dem Boden. Immer wieder werden dabei auch die im innerstädtischen Bereich ohnehin nur mehr spärlich vorhandenen Grünflächen verbaut. Eben das wird nun auch in Jakomini, dem einwohnerstärksten Bezirk der Landeshauptstadt, befürchtet.

Konkret geht es um den „Styria Park“ an der Conrad-von- Hötzendorf-Straße, direkt neben dem Headquarter des Medienhauses. Ursprünglich hatte die Stadt Graz diese rund 9.000 m2 große Fläche zur öffentlichen Nutzung angemietet. „Nun wurde dem Bezirksrat aber von der Abteilung für Immobilien mitgeteilt, dass die Styria Group den bis 2025 und insgesamt auf zehn Jahre laufenden Vertrag mit 30. Juni 2019 vorzeitig gekündigt hat“, erzählt Bezirksvorsteher Klaus Strobl (ÖVP). Eine Tatsache, die bei ihm und seinen Kollegen im Bezirksrat die Alarmglocken schrillen ließ. „Es gibt eindeutige Hinweise, dass die Styria an einen Bauträger verkaufen wird und wir damit in Jakomini eine weitere öffentlich zugängliche Grünfläche verlieren. Dabei weist unser Bezirk da bekanntlich schon jetzt eine eklatante Unterdeckung auf“, fährt Strobl fort.

Neue Grünflächen für Jakomini

Ein von allen im Bezirksrat vertretenen Parteien (ÖVP, KPÖ, SPÖ, Grüne und FPÖ) unterschriebener Antrag fordert die Stadtregierung nun unter anderem dazu auf, selbst das Grundstück anzukaufen und damit dauerhaft als Parkanlage zu sichern. Auf Nachfrage im Rathaus stehen die Chancen dafür aber bei null. „Wir verstehen natürlich die Sorgen des Bezirksrates und der Bewohner. Aber diese Fläche ist ja als Bauland ausgewiesen – sie zurückzukaufen, um Grünraum zu erhalten, wäre ein wirtschaftlicher Unsinn“, betont der dafür zuständige Stadtrat Günter Riegler (ÖVP). Er verweist aber auch auf neu entstehenden öffentlich zugänglichen Grünraum am Gelände der Kirchner Kaserne (mit Bezirkssportplatz), der Monsberger- und Flurgasse. „Es wird in Jakomini also in hohem Ausmaß für neuen Grünraum gesorgt werden.“

10 Millionen

Bei der Styria selbst gibt man sich auf Nachfrage für zukünftige Pläne mit dem Park zugeknöpft. „In Jakomini tut sich einiges, und natürlich überlegen auch wir – und das seit Anbeginn und Bau des Styria Media Centers – eine weitere Nutzung des Baulandes. Diese Überlegungen sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht abgeschlossen, es gibt dazu bis dato auch keine Entscheidungen“, heißt es aus der Konzernzentrale. Ein Dementi klingt sicher anders. Ein Verkauf wäre für den Medienriesen freilich ein mehr als gutes Geschäft. Ursprünglich zahlte man beim Kauf des ehemaligen Sportklub-Platzes 443 Euro für den Quadratmeter – also für die knapp 9.000 m2 des Parks rund vier Millionen Euro. Laut Immobilienexperten (GRAWE und GWS sollen bereits starkes Interesse am Park zeigen) ließe sich das Areal nun sicher für eine zweistellige Millionensumme verkaufen. Dazu überwies die Stadt Graz für die bis dato öffentliche Nutzung der Fläche laut Vertrag bereits jährlich 105.780 Euro.

 

Anmerkung:

In der ursprünglichen Version haben wir bei den im Bezirksrat von Jakomini vertretenen Parteien leider die SPÖ vergessen – natürlich haben auch die Sozialdemokraten den Antrag unterzeichnet.

 

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