Salzburger im Fokus: Wings for Life – eine bewegende Erfolgsstory

2004 war nicht nur für unser Magazin ein historisches Jahr. Zeitgleich wurde in Salzburg die Stiftung „Wings for Life“ gegründet. Wie aus einem persönlichen Schicksalsschlag ein Hoffnungsanker für Querschnittsgelähmte wurde.

Wings for life
Ein Rennen veränderte ihr Leben: Hannes Kinigadner sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Vater Heinz gründete gemeinsam mit Freund Didi Mateschitz Wings for Life. Foto: David Robinson

Man schrieb den 26. Juli 2003, als Österreichs zweifacher Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner einen folgenschweren Anruf erhielt. Sein Sohn Hannes schwebte nach einem Unfall in Lebensgefahr. Ausgerechnet bei einem Benefiz-Motorradrennen, bei dem ursprünglich sein Vater hätte starten sollen, stürzte der damals 19-Jährige schwer, verletzte sich den fünften Halswirbel und das Rückenmark irreparabel. Eine Diagnose, die nicht nur das Leben der Kinigadners dauerhaft veränderte, sondern letztlich auch zur Gründung der Stiftung Wings for Life führte. Als Freund der Familie war Dietrich Mateschitz der erste Besucher im Krankenhaus, stand Hannes und den Eltern in den schweren Wochen nach der Schockdiagnose bei. Experten und Forscher wurden nach Salzburg eingeladen, um über mögliche Heilungschancen zu informieren. Als klar wurde, dass dem Forschungssektor die finanziellen Mittel fehlen, beschlossen Mateschitz und Kinigadner, selbst aktiv zu werden.

Leben im Rollstuhl

Einen ähnlichen Schicksalsschlag wie Hannes Kinigadner müssen jährlich mehr als 250.000 Menschen weltweit verkraften – darunter auch Prominente wie die Sportler Kira Grünberg und Lukas Müller. „Es sind immer wieder Geschichten dabei, die einem besonders nahe gehen“, erzählt Wings for Life- Geschäftsführerin Anita Gerhardter. So wie jene eines österreichischen Buben, dem bei der Geburt das Rückenmark verletzt wurde und der seit seinem ersten Tag auf dieser Welt querschnittsgelähmt ist und künstlich beatmet werden muss. „Wenn man tagtäglich mit solchen Schicksalen konfrontiert ist, wird man sehr demütig und dankbar, dass es einem gut geht“, sagt Gerhardter. Sie selbst leitet seit 2008 die Geschäfte, ist mit Herz und vollem Einsatz dabei. Auch die Idee zum mittlerweile legendären World Run begeisterte Gerhardter sofort.

Wings for life
Foto: Red Bull Contentpool/Matthias Heschl

World Run

Unter dem Motto „Laufen für die, die es nicht können“, findet seit sechs Jahren das globale Charity- Event statt, bei dem hunderttausende Läufer und Rollstuhlfahrer für den guten Zweck an den Start gehen. Von Wien über Izmir bis nach Rio de Janeiro, Melbourne sowie Taichung in Taiwan. Selbst auf einem Kreuzfahrtschiff mitten im Pazifik nahm eine Frau schon mittels App an dem Lauf teil. 100 Prozent der Startgelder fließen in aussichtsreiche Forschungsprojekte und klinische Studien. Der World Run bringt somit nicht nur einen großen Teil der jährlichen Spendensumme von rund zehn Millionen Euro ein, sondern steigerte in den vergangenen Jahren auch den Bekanntheitsgrad der Stiftung enorm.

Wings for life
Der querschnittsgelähmte David, Proband einer Studie aus Lausanne, legt bereits einige Schritte ohne fremde Hilfe zurück. Foto: EPFL Hillary Sanctuary

Erste Erfolge

15 Jahre nach der Gründung werden einige der 211 geförderten Projekte bereits an Patienten angewandt. So auch die in technologischer Hinsicht revolutionäre STIMO Studie aus Lausanne. David, ein querschnittsgelähmter Proband, kann tatsächlich bereits freihändig einige Schritte gehen. „Das sind Fortschritte, die Mut machen“, so Gerhardter. Neben dem internen Beratergremium und externen Gutachtern bringt auch sie sich zusammen mit Heinz Kinigadner bei der Auswahl der Projekte ein. Was sich die taffe Geschäftsfrau mit dem großen Herzen wünscht? „Dass in naher Zukunft ein übermütiger Teenager nach einem Sprung ins seichte Wasser und einem Genickbruch zwar hört, dass die Sommerferien gelaufen sind, er aber nicht dauerhaft im Rollstuhl sitzen wird …“!

Mehr zum Thema: