Wiener Opernball: Tradition, Glamour, Business

Glattes Parkett: Der Wiener Opernball überstrahlt mit seinen funkelnden Facetten alle anderen Saison-Events – ein Society-Diamant mit manch scharfen Kanten.

Wiener Opernball
Mehr als 5.000 Gäste sind alljährlich beim Opernball vertreten Foto: Helmut Fohringer/APA/picturedesk.com

Der Society-Countdown läuft. Am 20. Februar wird die sogenannte bessere Gesellschaft wieder in der Oper das Tanzbein schwingen. Mit dabei: ein TV-Millionenpublikum, das es sich mit Sekt, Saft und Brötchen in der eigenen Wohnzimmer-Loge gemütlich macht. Erste Reihe fußfrei werden so Stars und Sternchen ins Haus am Ring begleitet, Politgranden auf Walzerfähigkeit und Taktgefühl abgeklopft. In den letzten Jahren haben sich die eigentlichen Ikonen wieder ihr Terrain – und wertvolle Sendezeit – zurückerobert, wie der scheidende Direktor Dominique Mayer stolz bilanziert. "Der Opernball ist nicht mehr der Ball im Gebäude der Oper. Es ist ein Ball der Künstler." In diesem Jahr im Rampenlicht: natürlich wieder das Wiener Staatsballett sowie Sopranistin Aida Garifullina und Tenor Piotr Beczala, die mit "Tanzen möcht ich" aus der "Csárdásfürstin" auftreten.

Alles Oper

Regentin des Abends ist allerdings die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte. Der 64. Opernball wird dafür in einen Nachtgarten verwandelt. "Das ganze Haus wird ihr Herrschaftsgebiet", sagt Maria Großbauer, die ihren vierten und letzten Ball ausrichtet. Über ihre Nachfolge wird bereits wild spekuliert: Von der Operetten-Doyenne Birgit Sarata bis zum Life-Ball-Mastermind Gery Keszler reichen die Gerüchte.

Ski-Diva

Schon vor dem Auftakt hat der Opernball 2020 seinen ersten Skandal: Nur zwei Tage nach der Bekanntgabe sagte Richi Lugners Gast Lindsey Vonn via Twitter ab. "Hey Leute, ich komm‘ doch nicht". Lapidarer geht es kaum, nur ein "Ätschibätsch" hat noch gefehlt. Wer statt Lindsey mit Mörtel antanzen wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Top 4-Ballpremieren 2020

  • Eine der letzten konservativen Bastionen fällt: Erstmals debütiert ein gleichgeschlechtliches Paar. Einziges Muss für die Komiteemitglieder sind damit Linkswalzer-Kenntnisse.
  • Funkelnder Ballsaal: 15.000 LED-Lämpchen werden in die Logengestecke und Sträußchen eingearbeitet. Geht das Licht aus, wird aus dem Blumen- ein Sternenmeer.
  • Flashmob zum "Queen-Special": Zu später Stunde rockt das Ball-Komitee mit "Don’t stop me now".
  • Musikalische Special-Acts: Burgschauspielerin Maria Happel intoniert Édith Piaf. "Kann denn Liebe Sünde sein" haucht Nina Proll ins Mikro.

6 Daten und Fakten zum Wiener Opernball

  1. 5.150 Gäste stoßen mit 52.600 Gläsern auf einen prickelnden Abend an.
  2. Eine Eintrittskarte kostet 315 Euro, für die teuerste Loge müssen 23.600 Euro hingeblättert werden.
  3. Das Bundestheater- Gesetz verpflichtet die Oper, den Staatsball auszurichten.
  4. Während der Umbauarbeiten sind zu Spitzenzeiten rund 500 Fach- und Hilfskräfte im Einsatz.
  5. Insgesamt waren 2019 2.653.000 Zuschauer via ORF 2 live dabei.
  6. 16 Ersatzpaare des Jungdamen- und -herrenkomitees tanzen im Notfall an.

Weekend-Talk mit Richard Lugner

Weekend: Herr Lugner, ihre erste Erinnerung an das schöne Spektakel?

Richard Lugner: Der erste Opernball nach Kriegsende 1956. Ich habe die Radioübertragung genossen, da ich noch keinen Fernseher hatte.

Weekend: Heute flimmern Sie und Ihre Stars über den Bildschirm.

Richard Lugner: Der Opernball ist für mich heute wie damals das schönste Ballereignis weltweit. Schon bevor ich Stars zum Ball brachte, war ich gerne zu Gast. Ich bin stolz, dass er in meiner Heimatstadt Wien veranstaltet wird.

Weekend: An welchen Auftritt erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Richard Lugner: Ein Highlight war mein Opernballbesuch im Jahr 1995 mit Sophia Loren.

Weekend: Und für wen schämen sie sich heute noch?

Richard Lugner: Über meine Gäste mache ich keine negativen Äußerungen.

Weekend: Nun ja, nicht alle ihre Gäste waren pflegeleicht?

Richard Lugner: Es gab manchmal Sonderwünsche, aber generell hatte ich keine größeren Probleme.

Weekend: Keiner, an dem Sie sich letztendlich die Zähne ausgebissen haben?

Richard Lugner: Mein Gebiss ist noch intakt.

Weekend: Skandale haben Sie doch auch erlebt, oder?

Richard Lugner: Es gab einmal eine Rangelei. Ein paar Logen von meiner entfernt.

Weekend: Nehmen wir an, Sie übernehmen die Ballorganisation: Was ändert sich sofort?

Richard Lugner: Ich würde einen eigenen VIP-Zugang schaffen, den auch die Politiker nutzen sollten. Die Feststiege für die Regierung eine halbe Stunde zu sperren ist nicht zeitgemäß.

Weekend: Die Gerüchteküche brodelt: Stimmt es, dass Sie 2020 zum letzten Mal vor der Oper in der Limousine vorfahren?

Richard Lugner: So viel dazu: Ich verhandle schon mit einem Gast für das Jahr 2021.