Spiele-Macher: Traumjob mit Erfindergeist

Kinderleicht oder doch alles andere als ein Kinderspiel? Der österreichische Spieleautor Arno Steinwender erzählt, wie man Spiele erfindet, sie auf den Markt bringt und ob man davon tatsächlich leben kann.

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Brettspiele bleiben beliebt - auch in Zeiten des Internets Foto: ballda/iStock/Thinkstock

Tausende Ideen und Gedanken gehen jedem von uns tag­täglich durch den Kopf. Die großartigen Dinge, auf die die Welt gewartet hat, werden allerdings immer von jemand anderen entdeckt. Zumindest scheint es so. Prin­zipiell könnte aber jeder von uns ein Spiel erfinden, es auf den Markt bringen und ganz nebenbei Kohle scheffeln. So einfach wie es klingt, ist es in der Realität aber nicht ganz.

Star der Branche

Einer, der den Traum vom Spiele-­Erfinder tatsächlich lebt, ist Arno Steinwender: Ein Wiener, der eigentlich Mathe­matik- und Physiklehrer ist, bereits über 40 Gesellschaftsspiele veröffentlicht hat und quasi als Star der Branche in Österreich gilt. Während seines Studiums ist die Passion für Gesellschaftsspiele wieder entflammt. Das war der Startschuss seiner Zweitkarriere. „Damals habe ich regelmäßige Spieleabende für Freunde veranstaltet, jedes Jahr kamen 100 bis 200 neue Spiele auf meinen Tisch. Von manchen war ich weniger begeistert. In meinem Kopf begannen die Zahnräder zu rattern, was man hier oder dort besser machen könnte“, erzählt Steinwender. „Von da an war es nicht mehr weit bis zum Entschluss, selbst ein Spiel zu entwickeln.“

Weiter Weg

Und das tat er auch. Von der Idee bis hin zum fertigen Spiel im Einkaufsregal ist es allerdings ein weiter Weg. Die wichtigste Eigenschaft, die ein Spiele­autor haben muss, lautet deshalb: Geduld. „Es kann sehr schnell gehen oder aber mehrere Jahre dauern“, weiß Steinwender. Hat er eine Idee, notiert er alles ganz genau auf seinem Notizblock. Nach ein paar Verbesserungsrunden wird ein spielbarer Prototyp gebaut, mit dem er überprüft, ob das Konzept überhaupt funktioniert. Macht es Spaß, geht es an den Computer: Hier werden Spielmaterialien, Karten, Sticker, der Spielplan u. v. m. für die nächsten Testrunden erstellt.

Agentur oder Verlag

Wer sein Spiel schlussendlich veröffentlichen will, hat mehrere Möglichkeiten. „Entweder man stellt seine Idee direkt beim Spieleverlag vor, beispielsweise auf einer Messe, oder aber man überlässt ­diesen Teil einer Agentur“, erklärt Steinwender die ­unterschiedlichen Wege. „Ich arbeite hier eng mit der ­Wiener Spielagentur White Castle Games zusammen, die meine Konzepte an die passenden Verlage vermittelt.“

Top oder Flop

Allerdings hat es nicht jede Idee, von der der Spieleautor überzeugt ist, auch tatsächlich in den Verkauf geschafft. Auch ein Profi muss manchmal Niederlagen zurückstecken: „Es gibt ein Spiel aus meiner Feder, das bereits acht Jahre alt ist und immer noch auf seine Ver­öffentlichung wartet. Besonders bitter ist diese lange Wartezeit, weil das Spiel im Laufe der Jahre bereits von drei Verlagen zugesagt, aber schließlich doch nicht produziert wurde.“

Die Sache mit dem Geld

Alleine vom Spieleentwickeln leben können nur die wenigsten. „Als Autor ist man nur mit einem kleinen Prozentsatz an jedem verkauften Spiel beteiligt“, so Steinwender. Kostet ein Spiel im Handel zwanzig Euro, erhält der Autor lediglich 25 bis 50 Cent, die Steuer muss man zusätzlich noch abführen. So bleiben unter dem Strich bei 10.000 verkauften Stück um die 3.000 bis 4.000 Euro für den Autor. „Man muss also schon einen richtigen Megaseller landen, wenn man davon ­leben möchte“, weiß der Experte. „Weltweit gibt es wohl nur eine Handvoll Spiele­autoren, die sich nur damit über Wasser halten, und das auch nur für einige Jahre.“ Für alle, die es aber als lus­tigen Nebenjob sehen, bleibt es eine nette Möglichkeit, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

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